Vier der Angeklagten bekamen am Freitag Haftstrafen. Pressefoto Wagner

Junge Berlin-Touristen schmissen in einer Suite in einem Berliner Luxus-Hotel eine Party. Mit bitterem Ende für ein Mädchen (17), so der Richter. Vier Männer erhielten Haftstrafen.

Schuldig der gemeinschaftlichen Vergewaltigung, stand für das Gericht nach dreimonatigem Prozess fest. Jugendstrafen wurden verhängt. Zwei Jahre und zehn Monate gegen Jermaine-Aziz G. (20). Milliton A. (20) erhielt zwei Jahre und neun Monate, Rachid M. (20) und Tita N. (21) je zweieinhalb Jahre Haft. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen.

Der Richter: „Die Jugendliche war in einem Zustand, in dem sie in sexuelle Handlungen nicht einwilligen und oder diese ablehnen konnte.“ Er zitierte einen Zeugen: „Sie lag wie eine abgelegte Tote auf dem Bett.“ Eine Gruppe habe drumherum gestanden – „sie lag da, die Männer öffneten ihre Gürtel.“

Die Party in der Nacht zum 27. Oktober 2019. Es ging hoch her: laute Musik, viel Alkohol, Lachgas aus der Dose. Die vier nun Verurteilten waren aus Städten in Nordrhein-Westfalen angereist: Essen, Bielefeld, Krefeld, Mühlheim an der Ruhr – wo sie in afrikanischstämmigen Familien aufgewachsen sind.

Die Männer aus Nordrhein-Westfalen lernte die damals 17-jährige Malika (Name geändert) erst im Nobel-Hotel an der Friedrichstraße (Mitte) kennen – als Begleiterin einer Freundin, die mit den Party-Touristen schon einmal „gechillt“ hatte. Die Anwältin von Malika: „Die Freundinnen haben schon aufeinander aufgepasst.“

Während Malika weggetreten und wie im Koma auf dem Bett lag, verließ ihre Freundin das Zimmer

Doch dann das bittere Party-Ende. Während Malika weggetreten und wie im Koma auf dem Bett lag, verließ ihre Freundin kurz das Zimmer. Die Angeklagten sollen Malika entdeckt haben. Die Staatsanwältin: „Sie entschlossen sich spontan, sexuelle Handlungen vorzunehmen.“ Handys wurden gezückt. Einer feixte in eine Kamera, flüsterte: „Mach Video!“ Der Richter: „Eine verhängnisvolle Gruppendynamik.“

Bis die Freundin klopfte. Die Tür wurde nicht geöffnet. Sie hämmerte mit Fäusten dagegen – vergeblich. Sie rannte zur Rezeption, holte Hilfe. Man fand Malika. Das Bild sprach Bände – die Polizei wurde alarmiert. Malikas Anwältin: „Spuren wurden gesichert, Handys beschlagnahmt – es war eine tolle Polizeiarbeit.“

Die Angeklagten schwiegen zu Prozessbeginn. Dann behaupteten sie: „Es geschah alles freiwillig.“ Alle Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Gericht sah nun die Anklage bestätigt: „Das Bild ist klar.“ Zeugenaussagen und „Videos, die fassungslos machen“. Der Richter zu Milliton A.: „Und wenn es freiwillig war – warum schleicht man sich aus dem Hotel?“