Die Eltern des Opfers kommen zur Verhandlung.
Foto: Pressefoto Wagner

Er war sieben Jahre alt, als er nach Deutschland kam. Im Alter von nur 13 Jahren starb Mohammed im Monbijoupark. Durch einen Stich ins Herz.

Die Eltern von Mohammed sind nun Nebenkläger im Prozess gegen Fleischer Gökhan Ü. (41) aus Charlottenburg. Sie tragen weiße T-Shirts mit einem Foto ihres Kindes, umrahmt von einem roten Herz. „Momo, wir vermissen dich“, ist aufgedruckt. Die palästinensische Familie lebte in Syrien in einem Flüchtlingslager. Sie flohen dann vor dem Krieg.

Blumen und Briefe der Anteilnahme am Tatort. Foto: Eric Richard

Die Anklage lautet auf Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Auslöser ein Streit nach einer banalen Beinahe-Rempelei, für die sich Mohammed aus Sicht von Ü. entschuldigen sollte.

Aggressiv habe der Junge reagiert

Gökhan Ü.: „Ich fand sein Verhalten respektlos.“ Die Sache sei eskaliert. Aggressiv habe der Junge reagiert. Ü. nun mit Notwehr-Version. Angegriffen habe nicht er: „Ich wollte abwehren, keine tödliche Verletzung.“ Der Stich, der den Jungen traf, sei aus einer Bewegung heraus „im Reflex“ erfolgt. „Ich habe keinen bewussten Stich gesetzt.“

Halloween. Gegen 22.30 Uhr am 31. Oktober war Mohammed mit drei Mädchen und zwei oder drei Jungen unterwegs. Gökhan Ü., türkischer Staatsbürger, hatte ein Date: Sarah, die er übers Internet kennengelernt hatte. Auch er will völlig entspannt gewesen sein: „Partystimmung, schönes Wetter.“

Im Tunnel zwischen James-Simon und Monbijoupark – direkt unter der Stadtbahn – trafen sie aufeinander. Weil Mohammed auf ein Handy schaute und völlig vertieft war, sei er unaufmerksam gewesen – „es kam zu einer Beinahe-Rempelei“. Sarah musste ausweichen. „Darüber erregte sich der Angeklagte.“

Zehn Zentimeter tief der Stich ins Herz

Nachdem „einige Begleiter“ von Mohammed hinzugetreten seien, habe Ü. das Messer gezogen, so der Staatsanwalt. Zehn Zentimeter tief der Stich ins Herz. Der Junge starb noch am Tatort.

Als einer der Begleiter des Jungen, Ahmed S. (22), den Messerstecher festhalten und zur Rede stellen wollte, wurde auch er getroffen. S. kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

Der Messer-Mann floh zunächst, stellte sich dann zwei Tage nach dem tödlichen Streit. Auf Notwehr will er hinaus. Er habe den Jungen nicht aggressiv, sondern „oberlehrerhaft“ angesprochen. Doch der Jugendliche sei sofort aggressiv aufgetreten.

Ein anderer Bursche habe sich vor ihm aufgebaut, zum Schlag ausgeholt. Ü.: „Vier aufgebrachte Leute standen dann vor mir.“ Was geschah, tue ihm „wahnsinnig leid“. Fortsetzung: Donnerstag.