Ein Wolf streift durch die Kernzone der Döberitzer Heide. Foto: dpa

Schon länger ist bekannt, dass sich in Brandenburg besonders viele Wölfe wohl fühlen. Das hat verschiedene Gründe: die Nähe zu Polen, viel Wald, viel Reh- und Schwarzwild, vulgo Wildschweine, viel Platz. Und so kommt es, dass auf einer Karte der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf lauter blaue Punkte um Berlin herum eingezeichnet sind. Jeder von ihnen kennzeichnet ein Wolfs-Territorium. Fährt man mit der Maus darüber, kann man sehen, wie viele Welpen es zuletzt gab.

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In Brandenburg gibt es Wölfe in der Barnewitzer Heide. der Barnimer Heide, bei Bräsinchen, Dobbrikow, Forst Hohenbucko, Fristow, Görzke, Groß Schönebeck, Hangelsberg, Hohenbocka, Hornow, Jüterbog, Lehnin, Lieberose, Luckenwalde, Müllrose, Oderberg, Platkow, Prösa, Rautenkranz, Rehain-Babben, Ruhland, Seese, Sperenberg-Wünsdorf, Spreenhagen, Steinförde, Teichland, Treuenbrietzen, Weißhaus, Welzow, in der Wittstocker Heide und in Zschorno. Merken Sie was? Wir sind längst umzingelt von Wölfen.

Da sind die Wölfe kurz vor Spandau nicht wirklich eine Sensation.

Wolfsrudel in Brandenburg 

47 Wolfsrudel lebten einem Monitoring zufolge vom 1. Mai 2019 bis zum 30. April 2020 in Brandenburg, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Doch wenn Sie kein Jäger, Förster, Waldarbeiter oder Schäfer sind, sind Sie wahrscheinlich trotzdem noch nie einem der Tiere begegnet. Denn Wölfe sind scheu.

Warum dieses Thema also in einer Kolumne? Weil es Menschen gibt, die Angst davor haben, dass bald auch Wölfe in Berlin selber auftauchen.  Dabei ist es mehr als unwahrscheinlich, dass ein Wolf im Grunewald jagt, oder im Tiergarten Drogendealer aufschreckt. Auch im Bucher Forst oder in den Müggelbergen sind Pilzsucher sicher.

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Wenn Wölfe auf Wanderschaft sind, legen sie beachtliche Strecken zurück, es ist schon möglich, dass einer von ihnen einen Wald im Stadtgebiet Berlins streift, sagen Experten. Kommen sie jedoch in dichter besiedeltes Gebiet, drehen sie lieber um, als über den Alex zu scharwenzeln, auch da sind sich die Fachleute einig.

Im Jahr 2000 ist in der Muskauer Heide der erste Wolf Deutschlands gesichtet worden, seitdem hat Canis Lupus eine beeindruckende Reise hinter sich. Inzwischen sind Wölfe auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen angekommen.

Schätzungen der FDP, wonach bis 2029 25 000 Wölfe in Deutschland leben sollen, sind wenig hilfreich, verkennen sie doch, dass jede Wachstumskurve im Tierreich anfangs steil ansteigt um dann abzuflachen und sich an einer Kapazitätsgrenze des Lebensraums einzupendeln. Salopp gesagt: Wölfe suchen sich neue Territorien, wenn es zu voll wird. An dem dichtbesiedelten Flecken Berlin mit seinen ollen Tauben haben sie sicher kein Interesse.

Stefanie Hildebrandt schreibt im KURIER Geschichten aus den Kiezen.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com