Ob Sandkuchen oder Hefeteig ist egal, Hauptsache mit Pflaumen. Foto: Volkmar Otto

Ich nehme diese Aufgabe ernst, denn ich liebe Pflaumenkuchen: Warm und süß, direkt aus dem Ofen. Ein weiches Stück Pflaumenkuchen ist für mich der einzige Trost auf dem Blech, dafür, dass wieder ein Sommer zu Ende geht. Doch wo gibt es noch echte Handwerksbäcker, die den Pflaumenkuchen fast so gut hinbekommen wie meine Oma? In fünf verschiedenen Bäckereien in der Stadt haben wir Pflaumenkuchen bestellt und probiert. Ob mit Streuseln, ob mit Hefe oder Rührteig war erstmal egal. Hauptsache Pflaumen. 

Michael Wilhelm und sein Pflaumenkuchen. Fünf Sterne von fünf möglichen. Gerd Engelsmann

Erste Station: Bäckerei Wilhelm in der Pankower Kissingenstraße. Ich kenne, wie viele Pankower, den Chef und seine Verkäuferin Elke vom Pankower Wochenmarkt. Viele Jahre stand sie damit ihrem Wagen und war für mich der Inbegriff einer Marktverkäuferin. Mittlerweile verkauft Elke, inzwischen 77 Jahre alt, in der Filiale in der Kissingenstraße. Und sie enttäuscht mich nicht.

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Der Pflaumenkuchen bei Wilhelms kommt in der Saison ohne Streusel aufs Blech, oben ohne, wenn es warm ist, sozusagen. Der Teig ist ein klassischer Hefeteig, nicht zu dick, aber auch nicht zu dünn, sodass die Pflaumen durchsuppen. Das Stück kostet 1,75 und ist ziemlich genau das, was ich mir von einem Stück Pflaumenkuchen erhoffe.

Die geviertelten Pflaumen sind mit einem Hauch Guss zusammengehalten, trotzdem tropf es saftig von den Fingern, wenn man abbeißt. Ein bisschen Zucker kontrastiert die Säure der Früchte. Der Kuchen aber ist keinesfalls zu süß. Nachmittags sind die Bleche Pflaumenkuchen oft schon ausverkauft, sagt Elke. Und das gilt auch für den zweiten Testkandidaten. 

Bei welchem Berliner Bäcker gibt es den leckersten Pflaumenkuchen?
Volkmar Otto

Zweite Station: Bäckerei Siebert in der Schönfließer Straße in Prenzlauer Berg. Bei der nächsten Station am nächsten Tag heißt es nachmittags um halb vier: der Pflaumenkuchen ist leider schon ausverkauft. Die Bäckerei Siebert ist bekannt für ihre Ostschrippen. Wer die kann, dachte ich, muss auch in Sachen Pflaumenkuchen was auf der Pfanne haben. Dass keiner mehr da ist, als ich nachmittags komme, werte ich als gutes Zeichen. Nächster Versuch am nächsten Vormittag.

Siebert ist berühmt für Schrippen, Kuchen können sie aber auch 

Die Schlange ist lang, aber es geht schnell. Im Angebot ist Pflaumenkuchen mit und ohne Streusel, das Stück zu 1,50. Auch Pflaumensandtorte gibt es.  Beim Pflaumenstreusel sind die Früchte mit etwas Gelatine am Hefeteig festgeklebt, was mich nicht hundertprozentig überzeugt. Die Streusel obendrauf aber schmecken buttrig und süß. Stellenweise ist der Teig noch ein bisschen klietschig, wer das mag ist sicher zufrieden. Fazit: ein sehr solider Pflaumenkuchen mit winzigen Abstrichen. Vier von fünf Punkten.

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Dritte Station: Bäckerei Nicolai, Prenzlauer Allee.  „Wir backen selbst “ steht auf dem Schild neben der Tür und damit ist schon eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme an diesen sehr subjektiven Test erfüllt. Die Bäckerei Nicolai mit Filialen in Friedrichshain und Lichtenberg  ist für ihre wagenradgroßen runden Kuchen bekannt im Kiez. Wer eine Großfamilie sattkriegen will, ist hier richtig. Und  natürlich gibt es die runden Kuchen auch mit Pflaumen belegt.

Der Teig ist, anders als bei den Kandidaten zuvor, ein Sandkuchenteig.  Sarah Augustin serviert den fluffigen Kuchen, den es hier das ganze Jahr über gibt. Und obwohl wir eher zur Hefe-Fraktion gehören, ist der Sandkuchen mit Pflaumen ebenso überzeugend. 16 Stücke bekäme man aus dem runden Blechkuchen, für 35, 20 Euro kann man sich das Selberbacken sparen. Ein einzelnes Stück kostet 2,20 Euro - etwas teurer als anderswo, aber auch größer.

Sarah Augustin von der Bäckerei Nicolai in der Prenzlauer Allee. 
Volkmar Otto 

Koschere Backwaren in der Danziger Straße 

Vierte Station: Bäckerei Kädtler, Danziger Straße. Dieser Pflaumenkuchen hier hat ein Zertifikat. Koscher ist er und vegan. Im Winter kommen gefrorene  Bio-Früchte auf den Hefeteig. Jetzt zur Saison natürlich frische Pflaumen. In der Backstube hinter dem Tresen ist mittlerweile Ruhe eingekehrt, die Bäcker sind im Bettchen.

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Doch die sympathische Verkäuferin kennt sich aus. Die koscheren Backwaren werden von Rabbis abgenommen und kommen ohne Konservierungsstoffe, tierische Fette und Laktose aus. Dem Pflaumenstreusel merkt man das nicht an, besonders die Streusel sind knusprig und lecker,  die Zimtnote bei den Pflaumen ein Pluspunkt. 

Fünfte Station: Feinbäckerei Schubbert, Palisadenstraße. Noch so ein verstecktes Schätzchen. An der Tür lockt schon das Schild: Pflaumenkuchen. In der Palisadenstraße geht es zu wie im Taubenschlag, doch das sehr freundliche Team hinter dem Tresen findet zwischen  all den Bestellungen Zeit, ein Stück Pflaumenkuchen zu servieren. Anderthalb Bleche gehen jeden Tag weg, auch hier ist am Nachmittag der Pflaumenkuchen oft ausverkauft. Kein Wunder, das Stück für 1,75 ist, wie es sein soll. Saftig und reichlich belegt, der Hefeteig nicht zu süß. Seit 100 Jahren befindet sich hier schon eine Bäckerei, die wissen wie es geht. 

Das Team von der Feinbäckerei Schubbert hat den Dreh raus. Der Pflaumenkuchen ist süß und saftig.
Volkmar Otto 

Bis nach Köpenick oder Marzahn habe ich es bei dieser Pflaumenrundfahrt nicht geschafft, wenn Sie also noch einen Geheimtipp zwischen Bölschestraße und Kienbergpark kennen, her damit. Schreiben Sie mir gern und dann komme ich kosten. 

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com