Ausfall von Unterrichtsstunden ist in Berliner Schulen gang und gäbe. imago/Jürgen Ritter

Es ist beschämend, wie Berliner Kindern die Chance auf eine gute Ausbildung genommen wird, weil es nicht gelingt, die Bedingungen an den Schulen so zu verbessern, dass genügend Personal zu organisieren wäre.

Die Eltern der Ottfried-Preußler-Grundschule (OPS) in Reinickendorf haben einen offenen Brief geschrieben, in dem sie die Personalsituation kritisieren. Neben kranken Lehrern und Lehrerinnen fehlen zeitweise mehr als 70 Prozent der Erzieherinnen. Eltern übernehmen wochenlang die Pausenaufsicht, beaufsichtigen das Mittagessen der Kinder, begleiten sie zum Schwimmunterricht.

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Leider hätten die Meldungen der Schulleitung zu keinerlei Reaktionen seitens der Schulaufsicht geführt, beklagen die Eltern. Es sei unerträglich für sie, erkennen zu müssen, wie die Zukunft ihrer Kinder gefährdet wird. Vielen Eltern an anderen Schulen in der Stadt geht es so: Sie müssen erkennen, dass das Schulsystem, welches ihren Kindern die besten Chancen auf eine gute Zukunft ermöglichen sollte, immer wieder kläglich versagt.

Unterricht fällt aus, Förderung findet nicht statt 

Was die Eltern in Reinickendorf beschreiben, findet in Variationen auch in anderen Bezirken statt: In den sechsten Klassen findet kein Lebenskundeunterricht mehr statt, Förder-, Integrations- und Fachstunden werden gestrichen, Kinder mit diagnostiziertem Förderbedarf erhalten keine Förderung. Eine vierte und eine sechste Klasse haben keinen Mathelehrer. Jede Woche fallen zig Stunden aus.

Maskenverweigerer an der Schule 

Obendrein schlägt sich die Grundschule mit einem Erzieher herum, der das Tragen einer Maske bereits im letzten Schuljahr verweigert hat. Weil er kein ärztliches Attest vorlegen wollte oder konnte, blieb er ungehindert ein Jahr lang zu Hause, ohne dass sich die Fachaufsicht – trotz eindringlicher Bitten der damaligen Schulleitung – darum gekümmert hat.

„Diese Stelle fehlt auch heute noch, da dieser Erzieher nach wie vor das Tragen einer Maske verweigert und auch nicht bereit ist, ein Attest vorzulegen. Eine Nachbesetzung ist so nicht möglich.“

Wann beginnt die Verwaltung endlich im Sinne von Kindern zu arbeiten? Gerade jetzt, wo nach Corona so viel aufzuholen wäre an Beziehungsarbeit im geschützten Raum Schule, müssten alle Hebel in Bewegung gesetzt, alle kreativen Ideen, pädagogisch arbeitende Menschen an die Schulen zu holen, ausgeschöpft werden. Aber flexibles, ideenreiches Wirken im Sinne von Kindern und Jugendlichen an Berliner Schulen sucht man vergebens. Es wird höchste Zeit, dass Eltern dies nicht länger still tolerieren.

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.