Wenn es im Garten und an der Laube so schön blühen soll, dann muss es genügend Wasser für die Pflanzen geben.
Wenn es im Garten und an der Laube so schön blühen soll, dann muss es genügend Wasser für die Pflanzen geben. imago/Shotshop

Ich steh im Garten und schau ins Braune. Vertrocknete Flecken auf der Wiese überall. Und ich muss auch schlappes Grün bedauern. Die rankende Kapuzinerkresse lässt die Blätter hilflos hängen, viele sind sogar schon gelb geworden. Auch der Topinambur wedelt schwach mit dünnen Ärmchen. Lediglich den Rosen mit ihren tiefen Wurzeln und dem zugereisten Lavendel hat die Hitze noch wenig anhaben können.

Wir waren über eine Woche nicht im Brandenburger Garten und damit kommen viele unserer Pflanzen nicht klar. Obwohl wir sie schon in der Vergangenheit nicht mit künstlicher Beregnung verwöhnt haben, machen sie jetzt wohl doch schlapp. Selbst die Scheinzypresse hat braune Muster im Kleid. Der Klimawandel richtet ganz trocken Grüße aus.

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Die Pflanzen brauchen einfach Wasser, am besten mehrmals in der Woche. Laut Deutschem Wetterdienst hat es in Brandenburg im Juli nur 35 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben, im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990 waren es 54 Liter. Ähnlich dürftig sah es auch in Berlin und im übrigen Osten Deutschlands aus.

Ein Freund, der einen Garten in Sachsen bewirtschaftet, erzählt, dort sei es so trocken, dass die Stachelbeeren  notreif und die Brombeeren vertrocknen würden. Ihnen fehle einfach das Wasser. Ganz zu schweigen vom Salat. Wir schwatzen weiter übers Wetter und erinnern uns gegenseitig daran, wie häufig es früher geregnet hat. Ich erzähle ihm von zweiwöchigen Urlauben mit den Eltern im Ostseebad Heringsdorf, da regnete es tatsächlich vom ersten bis zum letzten Tag. Sonnige Strandtage mit Badefreuden? Pustekuchen! Gummistiefel waren angesagt! Ich habe das mulmige Gefühl, so eine Wetterlage gibt es heute gar nicht mehr.

Wie viel Wasser gibt es noch zum Gartensprengen?

Doch was soll man machen, die Trockenheit in den Gärten beschäftigt nicht nur mich, sondern wahrscheinlich Zehntausende weitere Gartenfreunde in Berlin und sicher genauso viele in der Mark. Schließlich hat Berlin mehr als 66.000 Kleingärten, Brandenburg ähnlich viele. Dort gibt es schon Einschränkungen bei der Nutzung von Wasser fürs Gartensprengen, in Berlin wird gerade über neue gesetzliche Regelungen nachgedacht.

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Ich kenne Berliner, die ihren Garten in den Brandenburger Sand gebaut haben und deshalb dieser Tage mehrfach in der Woche  mit dem Auto „rausfahren“, um die Sprenger anzustellen. Eine unökologische und für mich nicht praktikable Herangehensweise. Wer hat schon so viel Zeit? Ich liebäugele mit einer anderen Lösung. Der Garten braucht Veränderung, Anpassung an subtropische Zeiten. Und damit ist mitnichten ein Schottergarten, in dem nichts mehr kreucht und zirpt, gemeint.

Die Wasserverschwender fliegen raus

Fürs Ende der Saison und die nächste nehme ich mir vor: Hortensien, die großen Wasserverschwender, Phlox und Rittersporn fliegen raus. Dafür gibt es dann mehr Platz für jegliche Arten von Salbei, für Edeldistel, Patagonisches Eisenkraut, Zierlauch und die unverwüstlichen Eselsohren.

Duftender Lavendel kommt auch klar, wenn es so trocken ist wie derzeit in Brandenburg.
Duftender Lavendel kommt auch klar, wenn es so trocken ist wie derzeit in Brandenburg. imago/Sergei Malgavko

Wollziest, wie sie richtig heißen, sind Pflanzen, die sich mit einer dichten Flaumbehaarung vor Austrocknung schützen. Sich selbst und den Boden gleich mit. Stehen bleiben darf nur der mediterrane Lavendel, der sich in unserem Brandenburger Garten schon als echter Hitze-Held bewiesen hat. Und er kann sich auf weitere Geschwister freuen.

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com