Imkern aus Leidenschaft. Im Mahlsdorfer Murmeltierweg hält Konstantin Kraider seine Bienen. Foto: Thomas Uhlemann

Machen wir uns nichts vor. Der Herbst klopft sachte, aber beharrlich an die Tür und mit ihm Halskratzen, Schnupfen und Co. Bei uns geht deswegen in den kommenden Wochen nichts über Milch mit Honig, Salbei mit Honig, Ingwer mit Honig, Honigbrot und Haferflocken mit Honig.

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Honig aus der Region Berlin und Brandenburg 

Merken Sie was? Um den Vorrat an Gläsern mit dem goldgelben Wundermittel aufzustocken, schaue ich gern in der unmittelbaren Umgebung. Honig aus Mexiko schmeckt bestimmt toll, sinnvoll finde ich das Einfliegen der süßen Ware aber nicht. Warum auch? Immer öfter halten Menschen in der Stadt Bienen und bieten Honig an. Der Gedanke, dass Blütenstaub vom eigenen Balkon oder aus dem Kleingarten um die Ecke im Glas landet und meinen Hals geschmeidig hält, gefällt mir. 

500 000 Bienen gehören zu Hochzeiten einem Volk an. Ohne sie sähen wir ganz schön alt aus. 
Thomas Uhlemann

Einer derjenigen, die sich die Blütenfülle und vor allem die Vielfalt in einer Stadt wie Berlin zunutze machen, ist Konstantin Kraider. Der 32-Jährige ist nach dem Studium eigentlich als Projektentwickler für erneuerbare Energien unterwegs. Sein Vater Roman Kraider aber hat ihn mit der Liebe zur Imkerei angesteckt. Seit 2016 betreibt die Familie in Mahlsdorf eine eigene kleine Imkerei. Zuerst stand ein Bienenvolk im Garten, jetzt sind es schon bis zu 20, von denen die Kraiders aber auch Völker verkaufen. 

In Mahlsdorfer Gärten summen auch Kraiders Bienen 

Pro Bienenvolk sind dann in Spitzenzeiten bis zu 500.00 Bienen unterwegs in den Gärten rund um Mahlsdorf. In einem Radius von etwa zwei Kilometern finden sie meist ein reiches Angebot. Die Bienen laben sich an Erdbeerblüten, Apfel, Kirsche, Straßenbäumen wie Linde und Robinie. Derzeit sind Sonnenblumen, Goldrute und später Efeu auf dem Speiseplan. Dabei sorgen sie dafür, dass die Ernte der Gärtner in der Gegend reichlich ausfällt. 

Die Hausgärten in Mahlsdorf bieten unterschiedlichste Blüten verschiedenster Pflanzen: Erdbeere, Apfel, Kirsche, Straßenbäume, Linde, Robinie.
Thomas Uhlemann

In Pankow gibt es den Kiez-Honig von Christof Berndt, der seine Bienenvölker in seinem heimischen Garten in Niederschönhausen pflegt. Seine Bienen finden ein reichhaltiges Nahrungsangebot in der Schönholzer Heide, im Bürgerpark Pankow, im Schlosspark Schönhausen, in Kleingartenanlagen. Der Honig ist naturbelassen, er wird nicht erwärmt, nur gesiebt, nicht gefiltert. Die wertvollen Inhaltsstoffe, vor allem wärmeempfindliche Enzyme, bleiben so erhalten. Wer in Niederschönhausen unterwegs ist und sich ein Glas heimischen Honig mit nach Hause nehmen will, der kann Berndt unter 030/443 40 829 anrufen und ihm das flüssige Gold an der Haustür abkaufen.

Bienenstöcke auf Hochhausdächern in Berlin 

Sogar mitten in der City sind Bienen unterwegs, das hätte ich bei dem Verkehr nicht vermutet. Aber hoch über den Dächern der Stadt stehen die Bienenstöcke von  „Stadthonig“. „Unsere Bienenstöcke stehen beispielsweise am Checkpoint Charlie, am Deutschen Technikmuseum Berlin sowie in der Kleingartenanlage Kaulsdorf und Kleingartenanlage Mahlsdorf“, schreibt Imkerin Suzann Pfeifer. 

Vorsichtig hebt Konstantin Kraider den Rahmen mit seinen Bienen aus dem Stock.
Thomas Uhlemann 

In der Stadt geben es für die Bienen über die gesamte Blühsaison hinweg Nahrung zu finden. Im Stadthonig mischen sich viele verschiedene Geschmäcker von Pflanzen, die sehr oft gleichzeitig blühen.

Auch Erika Mayr ist eine  passionierte Stadtimkerin. Auch ihre Bienen stehen auf Dächern in der Innenstadt. Mayr hat das Buch „Die Stadtbienen. Eine Großstadtimkerin erzählt“ geschrieben, für alle die noch genauer wissen wollen wie das so ist mit den Bienen und den Blümchen in der Stadt. 

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com