Das Handrühr- und Mixgerät AKA Electric RG 28s aus dem VEB Elektrogerätewerk Suhl Wikipedia

Ich komme von einem Heimaturlaub in Thüringen zurück nach Berlin. Eine Reise in die DDR-Vergangenheit. Denn in der Küche meiner Großmutter ist, zumindest was einige Geräte angeht, die Zeit stehengeblieben.

So rührt seit Jahr und Tag ein orangefarbener RG28-Mixer die köstlichen Teige für Blechkuchen, die nur die Oma so gut backen konnte. In der Speisekammer tut eine Brotschneidemaschine mit Kurbel seit Jahrzehnten ihren gänzlich analogen Dienst. Klöße werden sonntags nur mit der alten Kloßreibe-Maschine gemacht.

Und im Schrank wartet geduldig die Aka-Haartrockenhaube auf ihren Einsatz. Luftdusche nannte man das Ding, das jede noch so schöne Frau – auch Oma – zum Schreien komisch aussehen ließ. Auch jetzt, wo sie nicht mehr lebt, pusten, schneiden, zerkleinern, bohren und mixen sie alle noch immer. Auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR sind manche Geräte einfach unverwüstlich.

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DDR-Geräte wurden für die Ewigkeit gebaut und werden in Tausenden Haushalten bis heute verwendet. Das hat auch das Meinungsbarometer „MDR fragt“ bei der Befragung von 20.597 Menschen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt herausgefunden. Über drei Viertel der Befragten (77 Prozent) besitzen noch einen Gegenstand Made in GDR, der heute noch einsatzfähig ist, lese ich. Meine Familie ist also längst keine Ausnahme.

Nachhaltigkeit weil in der DDR Rohstoffe knapp waren

Viele der Maschinen und Haushalthelfer waren so gebaut, dass sie möglichst lange hielten. Rohstoffe waren in der DDR knapp, selber reparieren, wenn was kaputt ging, war das Gebot der Stunde.

Aus den Antworten der 20.597 Teilnehmer der Befragung kristallisierten sich einige besonders beliebte Produkte heraus, Werkzeug etwa, wie beim Onkel in der Werkstatt eine Bohrmaschine. Die Isolierung des Kabels ist zwar schon mehrfach geflickt, aber sie röhrt noch immer auf, wie ein gut gepflegter Oldtimer.

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Zu den Ost-Klassikern gehören ebenso die Erika-Schreibmaschine, RFT-Hifi-Geräte, und der Multiboy, ein schweres Gerät zum Zerkleinern von allen Lebensmitteln. Schon als Kleinkind bekam ich aus diesem Teil, das im Schrank ein ganzes Fach einnimmt, klein geraspelte Äpfel und Möhren. Raten Sie mal, was meine Kinder gern essen.

Austauschbare Wegwerfware gab es in der DDR nicht

All diese Gegenstände erzählen eine Geschichte, wecken Erinnerungen an Kindheiten, an Vergangenheiten, an Zeiten, in denen sich der Alltag in einem gänzlich anderen Takt drehte. Sie erinnern uns daran, dass wir uns nach etwas Beständigem sehnen, nach Dingen, die dauerhaft sind.

Zu austauschbarer Wegwerfware fallen mir keine Geschichten ein, zu kurz ist ihre Halbwertszeit. Aber mit Haube, Mixer und Co. haben sich Bilder von lieben Menschen in meine Festplatte gebrannt, die ich nicht missen möchte. Wenn ich das nächste Mal Plätzchen mit den Kindern backe und den RG28 heraushole, dann ist Oma mit dabei. Hoffentlich hält er noch sehr sehr lange.

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com