So sah der kurze Winter in Berlin an einem Abend in der vergangenen Woche aus. imago/Sabine Gudath

Zwei etwa achtjährige Jungen klauben Schneereste von der Scheibe eines parkenden Autos und formen daraus zwei kümmerliche schmutzig-weiße Kugeln. Für eine zünftige Schneeballschlacht reicht es bei weitem nicht.  Sie werden sich einen anderen Spaß suchen müssen. Und das im Januar! 

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In der vergangenen Woche waren Berlin und Brandenburg ausnahmsweise mal weiß überpudert. Allerdings nur Donnerstag und Freitag. Ein Zwei-Tage-Winter.  An einem Abend beobachtete ich einen Mann auf dem Weg vor seinem Haus beim Schneeschieben. Es sah ungelenk aus, das hatte er offensichtlich lange nicht gemusst.  

Ungelenk beim Schneeschieben

Er wird sicher froh darüber sein, dass die weiße Pracht nur auf Stippvisite in der Region war. Und vielleicht auch so bald nicht wieder zurückkehrt. Denn wenn Sie diesen Text lesen, wird es draußen um sechs Grad warm sein und von Schnee und Glätte keine Spur mehr geben. 

Im Vorgarten sind die Krokusse (oder Kroken, wie der Berliner sagt) schon mehrere Zentimeter hoch. Sogar die Hyazinthen kämpfen sich schon breit aus der Erde. Weit vor ihrer Zeit, denn normalerweise sind Februar und März ihre Monate. Doch bei den milden Temperaturen wagen sie sich immer früher aus dem Boden. Und zeigen immer zeitiger ihre Blüten.

Am 25. Januar des vergangenen Jahres berichtete das Brandenburger Umweltministerium, dass die Haselnuss im Lande blüht. Der Strauch gilt als Referenzpflanze für den Vorfrühling. So früh kam der noch nie zuvor.  Auch wenn es später noch mal Schnee gab, meldete der Deutsche Wetterdienst Ende Februar, deutschlandweit habe es 2020/2021 den zehnten zu warmen Winter in Folge gegeben.  

Erinnerung an einen Spruch von Wowereit

In der vergangenen Woche musste der Berliner KURIER mal wieder über die anhaltende Erderwärmung berichten. Die Weltwetterorganisation bilanzierte, dass 2021 das siebte Jahr in Folge mit Temperaturen mehr als ein Grad über dem vorindustriellen Niveau war. Wohl ein Grund dafür, dass Schneegestöber, verzauberte Winterwälder und zugefrorene Seen in unserer Region immer seltener werden.    

Dabei sehen Berlin und sein Umland unter einer weißen Schneedecke so prächtig aus, wie die Laune im Sommer gut ist. Und was gab es für Winter in Berlin: Ich erinnere mich an den Februar 2010. Ganz Berlin war tief verschneit. Viele regten sich über Schneeberge an den Straßenrändern und spiegelglatte Bürgersteige auf. Die Stadtreinigung kam einfach nicht hinterher.

Zusätzlich für eisige Stimmung in der Stadt sorgte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): Auf einen CDU-Vorschlag, wegen der Probleme bei Schneeräumung und Glättebekämpfung das Technische Hilfswerk einzusetzen, meinte er flapsig in Anspielung auf ein katastrophales Erdbeben: „Wir sind nicht in Haiti, sondern wir sind in Berlin“. Zudem legte er den Berlinern Stiefel mit Spikes nahe, so wie er sie tatsächlich trug. Da kam Winterfreude auf.  

Berliner haben Spaß beim Rodeln im Berliner Viktoriapark.   imago/Jochen Eckel 

Mit dem Schlitten in den Kindergarten

Ich selbst habe es ja nicht so mit Schnee und Kälte. Mir reicht es schon, wenn es einmal ordentlich Frost gibt, damit die Tulpen im Frühjahr prächtig sprießen. Aber für die Kinder tut es mir leid. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis sie gar nicht mehr wissen, wie es ist, einen Schneemann zu bauen oder mit dem Schlitten in den Kindergarten chauffiert zu werden. Deshalb klage ich in Anspielung auf einen berühmten Schlager von Rudi Carrell: „Wann wird's mal wieder richtig Winter?“  

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com