In 40 Minuten mit der U5 durch Berlin: An den Stationen gibt es so manche spannende Orte im Ostteil Berlins zu entdecken. Foto: imago/Jochen Eckel

Es gibt Dinge, auf die hätte ich auch selber kommen können. Etwa auf die Idee, einfach während der U-Bahn-Fahrt spontan an einigen Stationen auszusteigen, um dort in der näheren Umgebung vor allem Bekanntes und Neues aus dem Ostteil Berlins zu entdecken, in dem ich aufgewachsen bin. Die Linie, die sich dazu am besten eignet, ist die U5, die nun Hönow mit dem Hauptbahnhof verbindet und vor allem durch den Osten unserer Stadt fährt.

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Sie werden es nicht glauben: Genau darauf ist tatsächlich jetzt auch die Berliner Politik gekommen. „U5 inspiriert Berlin“ heißt das etwas sperrig klingende Projekt, das die Wirtschaftsverwaltung mit den Bezirken Lichtenberg, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf gerade gestartet hat, und von der ich durch eine Bekannte per Zufall erfuhr.

Liegt an der Strecke der U5: Die Alte Münze am Molkenmarkt, die heute ein Konferenz- und Veranstaltungsort ist. Foto: Imago

Ich wurde neugierig und schaute mir im Internet das Projekt genauer an. Die Seite berlinspirierend.de ist für alle, die nun wie ich mit der U5 Berlin neu erkunden wollen, wie ein Online-Stadtführer für diese Entdeckungsreise aufgebaut. Auf dieser U-Bahn-Strecke mit ihren 26 Stationen gebe es mehr als 50 spannende Orte fußläufig zu entdecken, heißt es da. Dazu gibt es umfangreiches Kartenmaterial, um bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten leicht zu finden, die dann auch kurz beschrieben werden.

Ich suche mir auf der Seite sofort einige dieser spannenden Orte aus, die ich nun mit einer baldigen U5-Fahrt besuchen möchte. Wie die Alte Münze am Molkenmarkt in Mitte, die vom neuen Bahnhof Rotes Rathaus gut erreichbar ist. Geldstücke, die hier bis 2006 geprägt wurden, trugen ein kleines „A“. Zu Ost-Zeiten war sie die einzige Prägestätte der DDR. Nach der Währungsunion wurde dort die D-Mark geprägt, später auch Euro-Stücke, bis zu 850 Münzen pro Minute und Maschine.

U5-Stadtrundfahrt: An 26 Stationen gibt es 50 spannende Orte zu entdecken 

Bei meiner U5-Fahrt werde ich auch an der Weberwiese halten. In der Nähe gibt es dort einen für mich völlig neuen Ort zu entdecken – das Computerspielemuseum. „Von der Legende des ersten Spielecomputers Nimrod über den DDR-Spieleautomaten Poly-Play, bis hin zu den neuen  3D-Spielewelten soll die Reise gehen“, verspricht die Internetseite. Da nehme ich doch meinen Sohn mit.

Oder meinen Vater, der mir als Kind immer etwas Spannendes aus der Berliner Geschichte zu berichten wusste, wenn ich bei meiner U5-Fahrt am Elsterwerdaer Platz halten will, um das Biesdorfer Schloss zu besuchen. Auch er wird die Idee sicher toll finden, mit der U-Bahn den Osten Berlins neu zu erkunden. Warum auch nicht? Bisher nutzen wir Berliner die BVG doch nur als Verkehrsmittel, um zur Arbeit oder nach Hause zu kommen. Aber eine Stadtrundfahrt mit der U-Bahn hat wohl kaum einer gemacht.

Die Fahrt mit der U5 unterbrechen und das Computerspielemuseum an der Karl-Marx-Allee besuchen: Dort mach auch ein Tennisspiel mit der Spielkonsole aus den 80er-Jahren Spaß.  Foto: Imago

Doch, sagt mein Vater, als ich ihn anrufe und ihm von diesem Projekt erzähle und ihn frage, ob er mitkommen möchte. Auf diese Idee sei er schon längst selber gekommen und berichtet, wie er seit Jahren mit der S-Bahn oder mit der U-Bahn fährt und an Stationen spontan aussteigt, um Berlin immer wieder neu für sich zu entdecken.

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com