Die Radio-Familie Neumann mit Helga Piur (Brigitte), Helga Göring (Oma), Herbert Köfer (Vater Neumann), Evamaria Bath (Mutter Neumann), Mario Müller (Jan) (v.l.n.r.)   Vor 40 Jahren endete die Hörspiel-Serie Neumann 2 x klingeln“ nach 678 Folgen. 
Die Radio-Familie Neumann mit Helga Piur (Brigitte), Helga Göring (Oma), Herbert Köfer (Vater Neumann), Evamaria Bath (Mutter Neumann), Mario Müller (Jan) (v.l.n.r.)   Vor 40 Jahren endete die Hörspiel-Serie Neumann 2 x klingeln“ nach 678 Folgen.  ARD-Hörspieldatenbank/DRA Babelsberg, Gisela Strauß

„Kannst du nicht hören?“ - das sagt meine Mutter bis heute gelegentlich scherzhaft zu mir. Dabei kann ich hervorragend hören. Am liebsten Hörspiele, Hörbücher und Podcasts. Sicher, letzteres ist gerade sehr in Mode,  aber ich hatte es schon immer mit dem gesprochenen Wort. Ich mag sogar die ARD-Bundesliga-Konferenz im Radio, obwohl Fußball keine meiner Passionen ist. Zuhören macht Hausarbeit erträglich, Spaziergänge vergnüglich und manchmal das Einschlafen leichter.

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Die letzte Folge von „Neumann, 2x klingeln“ wurde vor 40 Jahren gesendet 

Doch woher habe ich das? Vieles von dem, was man liebt, ist doch Ergebnis einer frühkindlichen Prägung, wie jede Hobbypsychologin weiß. Nach längerem Grübeln habe ich herausgefunden, dass einer der ersten Favoriten meiner Ohren „Neumann, 2x klingeln“ hieß.  Eine Hörspielserie, die seit 1968 allwöchentlich beim Rundfunk in der Berliner Nalepastraße produziert worden war.  

Jeweils sonnabends wurde im Programm von Radio DDR I am Abend eine neue Episode ausgestrahlt. Vor 40 Jahren, am 12. Januar 1983, lief die letzte Folge. Erzählt wurde in 678 Hörgeschichten aus dem Leben der Familie Neumann. Sie lebte irgendwo in der realsozialistischen Provinz in einem Ort namens Arnsrode.

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Zum Ensemble gehörten Vater Hans, ein Schlosser, die Mutter und Lehrerin Marianne, Sohn Jan und Tochter Brigitte. Zusätzlich gab es eine Oma sowie diverse Nachbarn und Kollegen. In allen Folgen gab Herbert Köfer den Herrn Neumann. Die anderen Besetzungen wechselten, zu hören waren immer prominente Stimmen, etwa die von Evamaria Bath, Helga Piur, Marianne Wünscher, Helga Göring, Ingeborg Krabbe oder Jürgen Zartmann.

Dringende Besorgungen in Berlin

Die Geschichten waren so angelegt, als stammten sie von einer ganz normalen Familie nebenan. Erzählt wurde von Eheproblemen, Handwerkermangel, Ärger in der Brigade oder den in der DDR üblichen Beschaffungsproblemen. So werden etwa in einer Episode  allerlei Besorgungen in Berlin gewünscht. Auf der Bestell-Liste stehen ein Zündkerzenstecker für den Trabant, Damenstrümpfe und polnische Zitronencreme. Damals für jeden nachvollziehbar. 

Diese Details kramte ich allerdings nicht jetzt aus meinem Gedächtnis hervor, sondern ich habe im Internet eine Folge aus dem Jahr 1977 nachgehört. Im Netz fand ich auch eine Erinnerung der Schriftstellerin Kathrin Aehnlich an den einstigen Kult um die Serie:  „Ich saß auf dem mit rotem Plüsch gepolsterten Hocker, meine Eltern hatten es sich in den beiden Sesseln bequem gemacht. Essen, trinken oder gar Salzstangen knabbern war nicht erlaubt, denn im Gegensatz zum Fernsehen, bei dem das Bild Unterstützung bot, durften wir keinen Ton verpassen. Also Füße still halten, Luft anhalten und auf das Klingeln warten.“ Bei mir wars anders, ich zog mich zurück an mein altes Röhrenradio im Jugendzimmer und hörte lieber allein zu.  

Mein Interesse an den Neumanns schwand

Später fand ich an Samstag-Abenden andere Vorhaben deutlich spannender, die schlichte Welt dieser Rundfunk-Familie wurde mir zu klein. Wahrscheinlich deshalb ging  fast völlig an mir vorbei, dass es ab 1984 auch eine Fernseh-Reihe unter dem Titel „Familie Neumann“ gab. Ich vermute, ich habe sie nie gesehen.  

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Übrigens stand bei der Oma meines Mannes viele Jahre lang an der Haustür „Neumann, 2x klingeln“. Das war allerdings keine Hommage an die gleichnamige Serie, sondern einfach der Tatsache geschuldet, dass es für zwei Mietparteien nur eine Klingel gab. Doch wenn ich vor dem Haus dieser Oma stand, musste ich immer an die Radio-Neumanns denken. Und klingelte zweimal. 

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt zur Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com