Sie war ein echtes Berliner Original, wurde von den Menschen in Ost und West geliebt: Helga Hahnemann, die vor 30 Jahren im Alter von 54 Jahren an Krebs starb. Foto: dpa

Ach, wie habe ick mir über sie kaputt jelacht. Über Helga Hahnemann, wenn sie im Radio ihre „Topp-Musike“ spielte. Oder wenn sie in Fernsehschwänken Gerd E. Schäfer als Maxe Baumann so richtig einheizte. Ach was haben wir gelacht, als Henne im legendären Gerichts-Sketch Alfred Müller gegenüberstand, der einen Richter spielte und dem vor Aufregung der Hammer wegflog. Nicht zu vergessen, wenn Big Helga „Hier kommt die Süße“ sang. Helga Hahnemann war eine der ganz Großen, die mit Berliner Herz und Schnauze die Menschen in Ost und West zum Lachen brachte.

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Weniger zum Lachen ist, dass man in Berlin offenbar schon unsere Henne vergessen hat, dessen Todestag sich jetzt am 20.November zum 30. Mal jährt. Es ist ein Trauerspiel, ehrlich gesagt sogar recht peinlich, was sich Berliner Politik und Stadterbauer da geleistet haben. Denn in dieser Stadt, in der die großartige Entertainerin geboren und von deren Menschen sie geliebt wurde, gibt es noch immer keine Helga-Hahnemann-Straße. Dabei war sogar eine geplant. Doch zum 30. Todestag des DDR-Stars kommt nun heraus: Aus der Straße, die an Henne erinnern sollte, wird wohl nichts.

Das war 2003: Mittes damaliger Bezirkschef Joachim Zeller, Angelika Mann, Ulla Klingbeil und Katrin Güttler (erste Miss DDR) weihten die Helga-Hannemann-Straße ein imago

Eine Straße für unsere Henne: Promis und Fans hatten dafür gesorgt

Dabei gab es schon ein Straßenschild. Nicht etwa auf Initiative der Politik, sondern dank der vielen Hahnemann-Fans, die mit prominenter Hilfe des Friedrichstadt-Palastes und der Westberliner Society-Lady und Henne-Freundin Ulla Klingbeil sich für eine Straße für Big Helga stark gemacht hatten und dafür Unterschriften sammelten.

Auf deren Druck knickte das Bezirksamt Mitte ein. So wurde 2003 nahe des Friedrichstadt-Palastes, wo Henne einst viele ihrer großen Erfolge feierte, an einem unbebauten Wegelein zwischen Kalkscheunen- und Johannisstraße, das zur Tacheles-Brache führt, ein Helga-Hahnemann-Straßenschild feierlich im Beisein des damaligen Bürgermeisters von Mitte und vieler Promis enthüllt. Der peinliche Randaspekt: Die 53 Euro Herstellungskosten für das Schild bezahlte nicht Berlin, sondern der Wirtschaftskreis Mitte e.V.

Die Stelle mit dem Schild der Helga-Hahnemann-Straße ist verschwunden. Dafür steht jetzt gegenüber der Kalkscheune ein Bauzaun mit einem künftigen Neubau des Viertels „Am Tacheles“. Volkmar Otto

Angedacht war, dass die Helga-Hahnemann-Straße als Privatstraße am Rande eines neuen Viertels mit Wohnungen, Geschäften und Restaurants und Hotels zum Leben erweckt wird, das auf dem Hinterland des einstigen Tacheles-Areal geplant war. Doch die Pläne des damaligen großen Bauinvestors zerplatzten recht schnell wie eine Seifenblase.

Auf dem Areal baut nun ein neuer Investor das Viertel „Am Tacheles“, das mit Wohnhäusern, Geschäften, Restaurants und einem Museum im einstigen Kunsthaus „Tacheles“ bis 2023 fertig sein soll. Zwei Plätze sind dort geplant, die man aber nicht nach Henne benennen wird. Neue Straßen seien für das Viertel nicht vorgesehen. Damit wird es dort auch keine Helga-Hahnemann-Straße geben, heißt es auf Anfrage.

Helga Hahnemann in ihrer Paraderolle als Traudel Schulze in einer Show des DDR-Fernsehen. Imago

Keine Hahnemann-Straße in Mitte? „Das war nie offiziell“, sagt der Bezirk

Das Straßenschild mit ihrem Namen, das 2003 aufgestellt wurde und das man noch auf Google-View sehen kann, ist schon weg. Ein Neubau samt Bauzaun steht nun dort. Das Bezirksamt Mitte zuckt da nur mit den Schultern.

„Es gibt keine offizielle Benennung einer Straße im Bezirk – weder privat noch öffentlich – zu Ehren von Helga Hahnemann“, heißt es auf Anfrage. Die Straßenbenennung vor fast 20 Jahren sei nur symbolisch gewesen.  Und bei dieser „Straße“ handelte es sich um eine Privatfläche, also nicht um öffentliches Straßenland, so der Bezirk weiter. Da könne man wohl nichts machen. Was für eine Schande!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com