Karl Marx , abgebildet in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ (DDR-Ausgabe).
Karl Marx , abgebildet in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ (DDR-Ausgabe). imago/Rothermel

Der letzte Tag des Jahres steht uns bevor. Und dabei schauen wir auf das liebe Geld. Alles ist teurer geworden. Daran wird sich voraussichtlich auch 2023 nichts ändern. Wohl dem, der das nötige Kapital besitzt, um künftig die hohen Kosten für Wohnung, Energie und Lebensmittel zu bezahlen.

So manche Menschen im Osten haben noch ein ganz anderes Kapital. In Buchform. Die drei dicken Wälzer „Das Kapital“ von Karl Marx, dessen Erscheinen sich 2023 zum 155. Mal jährt. Ein Jubiläum, das bei denen, die in der DDR aufwuchsen, Erinnerungen weckt. Einige sollen „Das Kapital“ sogar neben der Bibel im Bücherregal zu stehen gehabt haben. Am liebsten war Marx uns in der DDR auf dem 100-Mark-Schein.

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Keine Bange, ich werde Sie jetzt nicht mit theoretischen Ausführungen zum „Kapital“ langweilen und die These beweisen, dass dieses Werk jetzt wieder aktueller als je zuvor ist. Es reichte ja, dass man als gelernter DDR-Bürger schon in der Schule und im Studium mit dem Marx-Werk genug gequält wurde.

Aber eins hatte man uns damals nicht erzählt: Das Karl Marx, obwohl er das „Kapital“ schrieb, überhaupt nicht mit Geld umzugehen wusste. Nach langem Nachlesen zur Entstehungsgeschichte des Werkes fand ich heraus, dass der gute Begründer des Kommunismus ein Lebemann war, der mit vollen Händen das Geld aus dem Fenster warf und am Ende Schulden wie ein Major hatte.

Als Student in Berlin soll er bereits das Geld seiner Eltern in Kneipen versoffen haben. Auch die Mitgift seiner Frau Jenny wurde offenbar mit Freunden verjubelt. Als Marx 1849 mit Kind und Kegel nach London emigrierte, stürzte er die Familie mit seinem Lebenswandel in die Armut. Man musste ja zeigen, wer man ist, auch wenn man es sich nicht leisten konnte.

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Auf dem 100-Mark-Schein der DDR war Karl Marx verewigt. Dabei konnte er doch mit Geld gar nicht umgehen.
Auf dem 100-Mark-Schein der DDR war Karl Marx verewigt. Dabei konnte er doch mit Geld gar nicht umgehen. Imago/Daniel Wiedemann

Karl Marx: Ständig pumpte er seinen Freund Friedrich Engels an

So wurde für eine kleine Wohnung im edlen Stadtteil Chelsea zunächst mehr Miete bezahlt, als ein ganzes Haus in einem Arbeiterviertel gekostet hätte, las ich in einem alten Spiegel-Artikel. Kein Wunder, dass Marx Stammgast im Pfandhaus war.

Nicht einmal sein Werk „Das Kapital“ brachte genug Kapital zum Leben. Nur seinem Freund und Fabrikantensohn Friedrich Engels war es zu verdanken, dass der Philosoph, der die Proletarier aller Länder vereinigen wollte, ab und zu etwas Geld hatte. Oft soll es deshalb Streit zwischen Marx und Engels gegeben haben. Sie wissen ja: Bei Geld hört bekann tlich die Freundschaft auf!

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„Das Kapital“, der erste Band erschien erstmals 1867 zum ersten Mal.
„Das Kapital“, der erste Band erschien erstmals 1867 zum ersten Mal. Imago/Winfried Rothermel

Die Bettel-Briefe an Engels wären bestimmt eine tolle und gewinnbringende Lektüre gewesen, hätte man sie veröffentlicht. Denn die Bücher, die Karl Marx schrieb, wurden  erst Jahrzehnte nach seinem Tod zu Bestsellern. Hätte er die Erlöse zu Lebzeiten gehabt, wären ihm die Jahre der Not erspart geblieben.

Was lernen wir daraus? Was nützt die ganze Weisheit über das Geld, wenn man damit nicht umzugehen weiß. Oder wie meine Oma sagte: „Spare in guten Zeiten, dann hast du in der Not.“

Hoffen wir einmal, dass wir alle 2023 nicht Not leiden müssen und das es besser wird, als uns die Wirtschaftsexperten vorhersagen. In diesem Sinne: Kommen Sie gut ins neue Jahr!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com