Vögel füttern im Herbst und im Winter: Oft lockt das auch Blaumeisen an. Foto: imago/Blickwinkel

Nachdem das Wetter in den vergangenen Wochen noch einiges an Kapriolen zu bieten hatte, steht nun fest, was vielen Menschen überhaupt nicht in den Kram passt: Der Herbst ist da! Es wird kälter, dunkler, nasser – nicht für jeden eine Freude. Für mich schon! Ich liebe es, denn mit der düsteren Jahreszeit kehrt für mich auch Gemütlichkeit ein. Und in diesem Jahr freue ich mich besonders auf die Zeit, denn ich habe eine Idee, die mir und ein paar Tieren den Herbst und den Winter versüßen soll.

Es geht um die, die immer da sind, die man aber im hektischen Alltagstrott immer wieder aus dem Blick verliert: Vögel! Wann haben Sie zum letzten Mal einen Vogel bewusst wahrgenommen? Ich verrate Ihnen, wann es bei mir passierte: Im Frühjahr. Da hatte ich einen Vogel, und zwar einen ziemlich großen. Auf dem Balkon hatte sich eine Taube eingenistet – besser gesagt: Sie versuchte es.

Vögel füttern im Winter: Diese Tipps geben Experten

Morgens, als ich wach wurde, nahm ich ein lautes Gurren wahr, denn der Balkon liegt direkt neben meinem Schlafzimmer. Also pirschte ich mich an die Glastür – und da saß sie: Eine fette Taube, direkt in einem der fünf Blumentöpfe auf dem Balkongeländer. Fein säuberlich hatte sie das Heidekraut plattgestapft, das dort noch vom letzten Winter vor sich hin trocknete. Und guckte mich mit großen Augen an. Sofort dachte ich: Die Taube brütet etwas aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

Mein Lebensgefährte war wenig begeistert von dem Tier, er ist schließlich der Gärtner im Haus, der Blumentopf sein Terrain. Doch ich besänftigte ihn. Und so ließ sich die Taube beinahe täglich im gleichen Topf nieder. Wir lebten friedlich nebeneinander her. Zur Niederkunft kam es nicht, sie baute auch kein Nest – und irgendwann war sie verschwunden, ganz plötzlich.

Auch Spechte kommen zum Vogelhäuschen - wer Glück hat, kann also nicht nur Meisen und Spatzen beobachten. Foto: imago/Blickwinkel

So etwas bleibt einem in Erinnerung – und natürlich freue ich mich, wenn ich mal wandern gehe und am Ufer eines Sees einen Silberreiher sehe. Oder einen Raubvogel über den Baumspitzen eines Waldes. Viele Berliner zieht es auch nach Linum, dort werden Kraniche beobachtet. Aber: Die Vögel, die uns im Alltag begleiten, sind eher kleinerer Art. Blaumeisen, Kohlmeisen, Rotkehlchen. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ werden sie jedes Jahr gezählt – und im Sommer ging auch in Berlin erneut der Haussperling als Vogel-König aus dem Wettbewerb hervor.

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Es gibt sie, aber wir nehmen sie nicht mehr wahr – und das möchte ich ändern. Ich habe beschlossen – und jetzt kommt’s: Ich werde in diesem Winter ein Vogelhaus aufstellen! Zugegeben: An dem Thema scheiden sich die Geister. Die einen sagen, Vögel füttern sei nicht ratsam, schließlich finden die Tiere auch selbst genug Futter. Und wenn man füttert, dann nur zu Frost-Zeiten. Andere bestehen darauf, schon im September zu beginnen. Damit sich die Vögel, die im Süden überwintern, vor der lange Reise ein Polster anfuttern können.

Die Fütterung von Vögeln wird vor allem im Winter empfohlen. Aber: Die Tiere können sich in den Plastik-Netzen von Meisenknödeln verheddern, deshalb lieber Streu-Futter verwenden.  Foto: imago images/Revierfoto

Ich habe beschlossen, dass der November ein guter Monat ist. So hat es meine Oma früher auch gemacht. Ihr Vogelhaus stand das ganze Jahr im Garten, aber erst bei sinkenden Temperaturen wurde gefüttert. Vor allem Kohlmeisen und Blaumeisen kamen dort, im sächsischen Dorf, in Massen. Ich fand es immer spannend, im Winter aus den dick verglasten Doppelfenstern zu schauen, was da gerade flattert. Wenn ich als Kind das Futter streuen durfte – es war ein Spaß!

Auch meine Eltern hatten ein Vogelhaus – und auch das war immer gut besucht. Außer einmal. Da waren wir im Urlaub in Frankreich und kauften auf einem Markt einen Camembert, der so stank, dass wir ihn nicht im Kühlschrank lagern konnten. Also kam er ins Vogelhaus. Da hatten selbst die Vögel keine Lust mehr drauf! Heute tut es mir fast etwas leid. Es muss sich angefühlt haben wie ein Spaziergang durch die Stadt mit großem Hunger – und dann, als man an seinem Lieblings-Imbiss vorbei kommt, hängt ein Schild an der Tür: Wegen Gestank geschlossen.

Vögel futtern im Herbst: Im Baumarkt werde ich ein Vogelhaus kaufen

Nun lasse ich die alte Tradition wieder aufleben. Im Baumarkt werde ich ein Vogelhaus kaufen – und beim Naturschutzbund NABU habe ich gute Tipps gefunden. Ich werde, wie es hier empfohlen wird, das Futter regelmäßig austauschen und nicht zu viel hineingeben, damit es nicht verdirbt. Ich werde das Vogelhäuschen regelmäßig reinigen, damit sich über den Kot der Vögel keine Salmonellen verbreiten.

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Als Futter verwende ich auf keinen Fall Brot, sondern Sonnenblumenkerne, die eignen sich am besten, sagen die Experten. „Bei ungeschälten Kernen fällt zwar mehr Abfall an, dafür verweilen die Vögel aber länger an Ihrer Futterstelle.“ Das werde ich berücksichtigen, denn ich will die Vögel ja beobachten. Und: Wenn ich Meisenknödel kaufe, dann nur ohne Plastiknetz drumherum, denn darin könnten sich die Vögel verheddern.

Wie machen Sie es, liebe Leser? Füttern Sie Vögel? Und wenn ja, haben Sie dann vielleicht ein paar Tipps für mich, den Vogelhaus-Neuling? Ich freue mich über Ihre Zuschriften und Fotos und werde Sie über mein kleines Piepmatz-Projekt auf dem Laufenden halten. Nur mein Lebensgefährte muss noch überzeugt werden – aber auch das wird mir sicher gelingen.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com