Joanna Hein sucht seit vier Monaten nach ihrem Kater Addi, gerade anderthalb Jahre alt. Eines seiner Merkmale: Auf der Stirn hat er einen weißen Strich. Fotos: Engelsmann, privat

Berlin ist die Stadt der Haustiere – aber leider auch eine Stadt, in der Vierbeinern allerlei Dinge passieren können. Erst in der vergangenen Woche berichtete ich an dieser Stelle über ein Phänomen, vor dem Tierschützer warnen: Dreiste Diebe klauen Hunde, die von ihren Haltern vor Supermärkten angebunden wurden. Aber: Wie geht es Tierhaltern, wenn ihre Lieblinge einfach so verschwinden? Das erzählte mir Joanna Hein aus Spandau: Die 50-Jährige sucht seit Monaten verzweifelt nach ihrem Kater Addi. Und möchte nun auf ein großes Problem aufmerksam machen.

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Suchplakate, Anzeigen in Zeitungen, Aufrufe in den sozialen Netzwerken – es gibt kaum etwas, das Joanna Hein noch nicht versucht hat, um ihren geliebten Addi zu finden. Doch der schwarze Kater ist verschollen – und das schon seit Ende April.

Kater Addi wird seit April vermisst – und sein Frauchen gibt nicht auf

Doch die 50-Jährige gibt nicht auf, so schlimm es auch ist. „Plötzlich kommt ein Anruf. Jemand meldet, dass Addi irgendwo in Berlin gesehen wurde“, erzählt sie. „Dann fährt man an die Stelle, sucht alles ab. Und am Ende ist es wieder eine Enttäuschung. Die ersten Wochen habe ich nur im Wohnzimmer geschlafen, mit offenem Fenster. Weil ich immer gehofft habe, dass er zurückkommt.“ Sie klammert sich an jeden Strohhalm.

Schon bevor Addi in ihre Familie kam, habe sie zwei Katzen gehabt, die allerdings starben. „Ich brauchte eine Weile, bis ich darüber hinweg gekommen war.“ Doch dann sollte wieder ein Kater in ihrem Haus einziehen. Weil die Nachfrage nach Haustieren in der Corona-Zeit riesig war, mussten sie ihre Fühler weiter ausstrecken. „Wir fuhren bis ins Oderbruch, holten Addi von einem Bauernhof, auf dem er aufgewachsen war.“ Aufgrund seiner Vorgeschichte blieb der Kater auch in Berlin Freigänger. „Er war in unserer Wohnsiedlung bekannt, war bei vielen Nachbarn regelmäßig zu Gast.“

Joanna Hein hat noch eine zweite Katze - und auch die vermisst ihren Spielgefährten Addi sehr. Foto: Gerd Engelsmann

Doch Ende April kam Addi nicht zurück nach Hause. Die halbe Siedlung suchte mit, ohne Erfolg. Seitdem läuft eine regelrechte Kampagne. „Rund 600 Euro haben wir schon ausgegeben für Plakate und Werbeanzeigen“, sagt Joanna Hein. Die Suche zerrt an Nerven und Kräften. „Es ist einfach deprimierend.“ Das Problem: Hein vermutet hinter dem Verschwinden ihres Katers ein Problem, auf das sie mit ihrer Suche ebenfalls aufmerksam machen möchte.

Schon zweimal wurde Kater Addi absichtlich mitgenommen

Denn: Addi war schon zweimal verschwunden. Einmal tauchte der Kater Tage später wieder auf. „Jemand hatte ein Plakat aufgehängt, dass ihm eine Katze zugelaufen sei. Doch als wir uns meldeten, wollte er Addi nicht mehr hergeben. Ich glaube, dass das Plakat ein Alibi war, er meinen Kater absichtlich mitgenommen hatte.“ Ein anderes Mal tauchte Addi auf der anderen Seite einer vielbefahrenen Straße auf. „Dort wäre er allein nie hingekommen, jemand musste ihn mitgenommen, ihn drüben abgesetzt haben“, sagt Hein.

Auch dieses Mal sei es unwahrscheinlich, dass dem Kater etwas zugestoßen sei. „Er ist ein guter Jäger, ist das Leben als Freigänger gewöhnt. Und er ist gechippt und registriert.“ Hein glaubt, dass Menschen, die sich verzweifelt ein Haustier wünschen, nicht davor zurückschrecken, Tiere auf der Straße mitzunehmen.

Addi wird seit Ende April vermisst. Charakteristisch ist der weiße Streifen auf seiner Stirn. Foto: privat

Es muss auch nicht immer ein böser Wille dahinterstecken. Es halte sich auch der Irrglaube, dass man gefundene Tiere einfach behalten darf. „Und die Menschen müssen dafür sensibilisiert werden, dass nicht jedes freilaufende Tier Hilfe braucht. Und dass man Tiere nicht einfach mitnehmen sollte, sondern sich besser an die Polizei oder die Tiersammelstelle wendet.“

Hein gibt die Hoffnung nicht auf, dass doch noch ein kleines Wunder geschieht, dass ihr Addi irgendwann wieder wohlbehalten zurückkehrt. Ich hoffe mit ihr. Ihre Geschichte hat mir klarer gemacht, wie sich verzweifelte Herrchen und Frauchen fühlen, die nach ihren Lieblingen suchen.

Also, liebe Berliner: Addi ist ein schwarzer, zutraulicher und verschmuster Kater mit weißen Pfötchen und einem sehr markanten, dünnen, weißen Strich auf der Stirn. Wer hat ihn gesehen, wer weiß etwas? Hinweise gern an unser KURIER-Team an wirvonhier@berlinerverlag.com. Danke!

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com