Verzicht allerorten: Klimafasten, Schokolade weglassen oder beim Friseur einfach mal die Klappe halten?

Unsere Autorin ist sich noch unschlüssig darüber, worauf sie bis Ostern verzichten will

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Mit eingeschäumtem Kopf schweigt die Kundin. Und die Friseurin lächelt nur. Ob die beiden auch danach auf ein Gespräch verzichten?
Mit eingeschäumtem Kopf schweigt die Kundin. Und die Friseurin lächelt nur. Ob die beiden auch danach auf ein Gespräch verzichten?Imago/Westend61

Nun ist sie ran, die Fastenzeit. Eine Freundin berichtet mir, sie wolle bis Ostern alle Süßigkeiten weglassen. Ein Nachbar schwört für 40 Tage allen Weinfreuden ab. Die beiden großen christlichen Kirchen rufen in Berlin und Brandenburg zum Klimafasten auf. Also zu bewusstem Konsum, seltenem Autofahren und weniger Müll.

In der Fastenzeit gibt es Verzicht allerorten

Manche wiederum wollen lediglich die achtteilige Serie "Der Schwarm" im ZDF auslassen. Weil der Autor des gleichnamigen Bestsellers in einem Zeit-Interview nicht viel gute Worte für die Folgen fand, sie als    „zusammengeschusterten Unsinn“ bezeichnete. „Es pilchert mehr, als es schwärmt“, schimpfte Schätzing in der Wochenzeitung. Das schreckt auch mich ab, obwohl der Wälzer zu meinen Lieblingsbüchern gehört.  

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Verzicht allerorten also. Doch was mach ich? Kann doch nicht alles so larifari weitergehen, wo das Weglassen  in diesen Wochen als einfach unverzichtbar gilt.   

Gerade als ich darüber nachdenke, zu welcher Art von Askese ich neige, lese ich über einen neuen Friseurtrend. Es geht dabei nicht etwa um den neuen Curly Short Bob. Sondern um den sogenannten Silent Cut. Der Stille Schnitt. Das ist jetzt der letzte Schrei für alle, die sich vom Small Talk beim Friseur genervt fühlen, die sich einfach nicht unterhalten wollen. Die Abmachung lautet: Friseur und Kunde halten einfach mal die Klappe. Wenn das Schule macht, hätte der etwas gemeine Spruch "Das kannst du deinem Friseur erzählen" ausgedient.

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Kurz danach bin ich tatsächlich bei der Friseurin meines Vertrauens. Wir reden normalerweise über dies und jenes, etwa bei dem derzeit immer wieder urplötzlich auftretenden Schneeregen gern übers Wetter. Ansonsten auch darüber, was es mit der neuerdings beim Friseur erhobenen Energiepauschale auf sich hat oder einfach über den Schienenersatzverkehr. Der ist in Berlin immer für eine ausschweifende Geschichte gut. 

Beim Friseur auf Small Talk verzichten

Diesmal tauschen wir uns über den Stillen Schnitt aus. Die Friseurin sagt: "Vielleicht machen wir das auch bald". Und das sie weder dafür noch dagegen sei. "Ich merke es, wenn ein Kunde, nicht reden will", bemerkt sie professionell. Vielleicht sogar etwas spitz. In dem Fall habe sie mal Zeit, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

Gleich darauf gibt die Friseurin jedoch zu bedenken, dass für manch ältere Leute das Gespräch beim Friseur manchmal das einzige des Tages sei. Für solche Damen und Herren wäre es sehr traurig, wenn sie auch im Salon schweigen müssten. Da fällt mir gleich der Supermarkt ein, in dem man jetzt an Selbstbedienungskassen zahlen soll. Dann gibt es noch nicht mal mehr ein „Tach“ und „Tschüss“ von einer Kassiererin.   

Das ZDF zeigt die internationale Thriller-Serie „Der Schwarm“ in acht Teilen seit dem 22. Februar nach und nach zunächst in der Mediathek und dann auch im Fernsehprogramm. Sie basiert auf dem&nbsp;gleichnamigen Roman von Frank  Schätzing.&nbsp;
Das ZDF zeigt die internationale Thriller-Serie „Der Schwarm“ in acht Teilen seit dem 22. Februar nach und nach zunächst in der Mediathek und dann auch im Fernsehprogramm. Sie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Frank Schätzing. ZDF/dpa

Deshalb hoffe ich inständig, dass niemand beim Friseur zum Schweigen gezwungen wird und höre auf übers Was-auch-immer-Fasten bis Ostern nachzudenken. Und ich werde mir nun doch die von Schätzing so arg gescholtene „Schwarm“-Serie in der ZDF-Mediathek anschauen. Da habe ich wenigstens beim Friseur was zu erzählen. 

Claudia Pietsch schreibt jede Woche im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt zur Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com