Eine Frau sucht etwas. Auch unter dem Bett schaut sie nach.
Eine Frau sucht etwas. Auch unter dem Bett schaut sie nach. imago/Panthermedia/Andrey Popov

Dürre in Brandenburg, steigende Coronazahlen, Inflation. Es gibt dieser Tage eine Menge äußerst beunruhigende Angelegenheiten. Aber sorry, ich kann mal kurz nicht darüber nachdenken. Denn ich habe mein Portemonnaie verloren. Oder verlegt. Im unwahrscheinlichsten Fall wurde es mir geklaut. Möglicherweise verschwand es am Freitagvormittag vor einer Woche beim Einkauf. Gesucht habe ich es erstmals am Sonntag. Erst mit wenig Verve, denn so was wie Schlüssel oder Brieftasche sind scheinbar weg, das kenne ich schon. Taucht meist alles wieder auf. Da kann man ganz gelassen bleiben.

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Deshalb heißt mein Motto in so einem Fall: Nicht suchen, finden. Mit dieser bewährten Methode habe ich schon mal meinen Führerschein aus der Tasche einer selten getragenen Cargohose gezogen (ich hatte schon längst einen neuen beantragt) und den seit Jahren vermissten Schlüssel für den Briefkasten aus einer vermeintlich leeren Schmuckdose geklaubt.

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Die EC-Karte wurde gesperrt

Als ich dann später am Sonntag tatsächlich Geld brauchte, wurde meine Suche doch intensiver. Dabei merkte ich zwar, wie viele unnütze Wollmäuse und verschollen geglaubte Lesebrillen unterm Sofa lagen. Und dass ziemlich viele Handtaschen zu meinem Besitz gehören. Aber die Börse blieb verschwunden. Drin waren etwas Geld, ein paar Quittungen und eine EC-Karte. Letztere habe ich dann noch am Sonntag sperren lassen, eine freundliche Dame beim zentralen Sperr-Notruf machte es möglich.

Alle Geschäfte, in denen ich während des Einkauf war, telefonierte ich dann am Montagmorgen ab. Da hört man zwar immer so viel über die Berliner Schnoddrigkeit, aber alle Angerufenen waren zugewandt und mitfühlend. Sogar Ratschläge wurden mir erteilt. Nur mein Portemonnaie hatte sich leider nirgendwo angefunden. Ich suche zu Hause erfolglos weiter. Und bekomme so richtig schlechte Laune, bin sauer auf mich.

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Beim Fundbüro soll man erst nach einigen Tagen nachfragen

Weil die Börse hübsch und ein Geschenk ist, will ich sie wiederhaben. Also klicke ich mich im Netz zum Berliner Fundbüro am Platz der Luftbrücke durch. Ich lese, dass man innerhalb der ersten Woche nach dem Verlust einer Sache von persönlichen Nachfragen sowie Anfragen per Telefon oder E-Mail absehen möge. Denn es dauere mindestens drei Werktage, bis abgegebene Fundsachen von Polizei oder Bürgerämtern zum Fundbüro gelangten. Erst nach einiger Zeit könne man eine Online-Verlustmeldung aufgeben. Dauert also noch. Ich bin zumindest angetan davon, dass das Fundbüro mir auf seiner Seite aufmunternd schreibt: „Wir hoffen, dass wir auch Sie bald zur Abholung Ihrer verlorenen Sache begrüßen können.“

Unglücklicherweise habe ich am Freitag keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Sonst könnte ich wenigstes beim BVG-Fundbüro in Friedrichshain online den Verlust anzeigen. Mehrere Wochen würde dann nach meinem Geldbeutel gesucht werden, verspricht mir die Institution. Das gäbe mir auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

Jemand hat in Prenzlauer Berg sein Portemonnaie verloren und hofft, es mit einem öffentlichen Aushang wiederzuerlangen. Auch ein Finderlohn wird versprochen.
Jemand hat in Prenzlauer Berg sein Portemonnaie verloren und hofft, es mit einem öffentlichen Aushang wiederzuerlangen. Auch ein Finderlohn wird versprochen. imago/Seeliger

Mir bleibt also nur, geduldig abzuwarten. Oder mich mit dem Verlust anzufreunden.  Aber – sollten Sie eine  blau-weiß-rote Geldbörse mit Reißverschluss finden – lassen Sie sie mir bitte zukommen. Dann könnte ich mich schnell wieder auf die wirklich wichtigen Dinge in der Welt besinnen.

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com