Luke Mockridge wandte sich nun mit einem Video an die Öffentlichkeit. Foto: Imago/Eventpress

Es sah zunächst so aus, als wolle er, dass das Thema totgeschwiegen wird, jetzt will er das Thema in die Öffentlichkeit bringen – und zwar so, wie er es haben will. Die Rede ist von Luke Mockridge, der Allzweckwaffe von Sat.1 in Sachen Unterhaltung. Einem Komiker, der sicher nicht jeden Geschmack trifft, an dem sich aber vor allem wegen Vergewaltigungsvorwürfen die Geister scheiden.

Die Vorwürfe gegen Luke Mockridge sind nicht neu

Neu sind die Vorwürfe nicht. Sie wurden zunächst anonymisiert von der Podcasterin Ines Anioli veröffentlicht und wurden immer lauter. Luke Mockridge selbst äußerte sich nie dazu, schien die Vorwürfe aussitzen – und schob einer etwaigen Berichterstattung mit der Hilfe von Anwälten einen Riegel vor. Auch den Berliner KURIER erreichte seinerzeit ein anwaltliches Schreiben.

Doch nun ist es wohl anders. Denn nun möchte Luke Mockridge seine Geschichte erzählen – und die soll auch verbreitet werden. Was Mockridge zu dem Strategiewechsel bewog, ist übrigens unklar. Möglicherweise hatte es aber damit zu tun, dass Mockridge die Unterstützung in der Branche verlor, wie der Satiriker Thomas Spitzer auf Twitter schrieb.

Luke Mockridge bekam in seiner Karriere zahlreiche Preise verliehen. Imago/Eventpress

Aus welchem Grund auch immer: Der Comedian nahm ein achtminütiges Video auf, in dem er sämtliche Vorwürfe abstritt, sich gar als Opfer einer Kampagne stilisierte – und startete damit seine ganz eigene. Und zwar auf einer von ihm selbst leer gewischten Tafel. Denn während Mockridge eine Berichterstattung über die Vorwürfe zu verhindern suchte, stehen seine Rechtfertigungen nun überall.

Seine Erzählung von sich selbst ist dabei die eines Engels. Einer Person, die in ihrem Leben und ihrer Beziehung nichts, aber auch wirklich gar nichts falsch gemacht hat und dafür trotzdem durchs Dorf getrieben wird. Davon, dass Ines Aioli auch zahlreiche Hassnachrichten und Drohungen von Fans erhalten hat, sagt er nichts.

Die Problematik geht weit über die Person Luke Mockridge hinaus

Juristisch wage ich diesen Fall nicht zu beurteilen. Ich bin kein Anwalt, kein Richter. Aber ich beobachte die TV-Branche seit Jahren - und da geht es nicht nur um Luke Mockridge. Nicht für jeden sexistischen Übergriff gibt es aktuell die Möglichkeit der Strafverfolgung, das ist ein Problem. Nicht jeder strafbare Übergriff führt mangels Beweisbarkeit auch zu einer Verurteilung. Allein schon deshalb verschwindet viel im Graubereich. Doch auch mit dem will Luke Mockridge laut seinem Statement nichts zu tun haben.

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Ich habe die Metoo-Bewegung verfolgt, die in den USA für einen beginnenden Aufbruch gesorgt hat – und die in Deutschland komplett im Sande verlaufen ist. Und so zeigen sich nun auch im Falle des nicht sonderlich selbstkritischen Luke Mockridge altbewährte Männerseilschaften, über die man dachte, schon längst hinweg zu sein. Pietro Lombardi, Oliver Pocher, Jürgen Milski und Jan Leyk sind nur einige der Männer, die Mockridge hier uneingeschränkte Solidarität versprechen. Und ich frage mich: Auf welcher Grundlage?

Sofern ich das beurteilen kann, steht hier aber allenfalls Aussage gegen Aussage, auch wenn Mockridge alles versucht hat, dass vor allem seine Aussage Gehör findet. Und auch, wenn das juristisch keine Rolle spielen mag, frage ich mich ganz persönlich, wer in dieser objektiven Patt-Situation glaubwürdiger ist: das mögliche Opfer, das ein mögliches Fehlverhalten öffentlich macht, obwohl es weiß, dass die Chancen auf einen juristischen Sieg schlecht stehen und es sich damit zur Zielscheibe einer großen Fangemeinde macht? Oder der, der den Vorwurf eines Fehlverhaltens zunächst totzuschweigen versucht und nun offenbar mit einem viel weiter verbreiteten Statement seine Karriere retten will?

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens. Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.