Auf gepackten Kartons in eine neue Wohnung und womöglich neues Leben. imago/westend61

Liebe Leserinnen und Liebe Leser! Ein Umzug in eine neue Wohnung ist eine fundamental schwerwiegende Angelegenheit. Das Leben ist an einem Ort zu Ende gegangen, aber das Neue hat noch nicht wirklich begonnen. Man befindet sich in einer Art Zwischenraum. Gaben zuvor die eigenen vier Wände, das vertraute Umfeld, Freunde, Nachbarn am Wohnort Halt und Geborgenheit, fühlt man sich in der Zwischenzeit ziemlich verloren.

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Bevor man am neuen  Lebensort wieder richtig Fuß gefasst hat. So ist es mir gerade geschehen, unmittelbar vor Heiligabend. Weihnachten ist in diesem Jahr bei mir ausgefallen. Stattdessen habe ich Kartons ein- und ausgepackt. Und das ganze ist noch längst nicht beendet. Denn wir sind von einem 5-Personen-Haushalt auf einen 2-Personen-Haushalt geschrumpft. Vom grünen Süden Berlins in die quirlige Mitte. Entrümpeln und Aussortieren, was die Kinder da gelassen haben und das Ausmisten von eigenen Sachen, die wir in 20 Jahren so angesammelt haben, kann nicht nur körperlich an Kräften zehren. Es fällt einem auch immer wieder das eine oder andere Stück in die Hände, welches starke Erinnerungen und Gefühle weckt.

Umzüge markieren aber auch einen neuen Lebensabschnitt

Jetzt ist Platz in den neuen Zimmern - und Platz im Kopf. Umziehen ist eine Zeit des Aufbruchs. Die leeren Wände und  Räume können neu gestaltet werden. Schafft man hier Platz, kann sich Neues entwickeln. In der ungewohnten Umgebung lassen sich neue Routinen und Verhaltensweise  einrichten. Mit meiner Labbi-Hündin werde ich die morgendliche Gassirunde nicht mehr im Grunewald, sondern im Tiergarten machen. Umzüge setzen neue Kräfte frei.

Jetzt auch lesen: Gemeinsam älter werden: Fortwährendes Lebensglück im Schauspieler-Haus Feldmeier und Wolff >>

Beim Ummelden auf dem Bürgeramt in Spandau, wo ich kurzfristig sehr schnell den letzten Termin in diesem Jahr ergattern konnte, sagte mir der freundliche Herr vom Amt, dass noch immer sehr viel umgezogen wird in Berlin. Dabei zeigte er mir den Stapel seiner angefallenen Tagesummeldungen. Jeder zehnte deutsche Haushalt packt einmal jährlich Umzugskisten, Flexibilität von Angestellten, befristet Verträge und berufliche Versetzungen sorgen dafür, dass Menschen häufiger umziehen. Für alle, die einen Umzug planen, habe ich deshalb hier ein paar hilfreiche Tipps.

Sechs tolle Tricks für den Umzug – SO behalten Sie den Überblick

1. VOR DEM UMZUG AUSMISTEN. Am besten mindestens zwei Monate vorher überlegen, welche Gegenstände man entbehren kann. Bestellen Sie den Sperrmüll bei der BSR oder bei privaten Entrümplern. Nützliches und Sinnvolles an karitative Einrichtungen abgeben. Oder an Freunde verschenken. Vergessen Sie beim Ausmisten nicht den Dachboden, Keller oder Garage.

2. STRESS REDUZIEREN. Planen Sie den Umzug frühzeitig. Nehmen Sie am besten ein oder zwei Tage Urlaub für den Umzug. Holen Sie sich Hilfe von Umzugsunternehmen, Helfern, Freunden. Verpackungsmaterial besorgen. Zwei Wochen vor dem geplanten Umzugstermin mit dem Packen der Kartons beginnen.

3. RICHTIG PACKEN. Wer Kisten nach Räumen packt, sortiert und beschriftet, macht es sich leichter beim Auspacken.

4. NICHTS VERGESSEN. Es sind einige Behördengänge zu erledigen. Wohnsitz anmelden, Auto ummelden, Parkraumbewirtschaftungsplakette beantragen, Stromversorger informieren oder wechseln,  Telefon- und DSL-Anschluss in neue Wohnung verlegen lassen. Für die alte Wohnung gilt: Unbedingt Zählerstände ablesen und die Wohnung für die Übergabe vorbereiten!

Lesen Sie jetzt auch: Putzmittel im Überfluss: Warum ich mich nicht mehr von Werbeversprechen an der Nase herumführen lasse! >>

5. NEUE ADRESSE MITTEILEN. Nachsendeantrag stellen. Damit nicht nur Behörden, Kita, Arbeitgeber, sondern Freunde und Bekannte Sie nach dem Umzug erreichen können, neue Adresse und Kontaktdaten mitteilen.

6. AM UMZUGSTAG. Bitte nicht vergessen, sich um die Umzugshelfer zu kümmern. Das heißt: Viel Wasser und Getränke und Essen für alle bereithalten, die mit anpacken. Dann alles überwachen und alle Helfer mit den nötigen Infos versorgen.

Liebe Leserinnen und Leser, umziehen in eine neue Wohnung ist ein körperlicher und nervlicher Kraftakt. Es bringt Vieles in Unordnung aber bietet auch die Chance, das eigene Leben neu zu sortieren. Aber vergessen Sie da bei trotzdem nicht: Sie nehmen sich selbst natürlich mit, so wie Sie bereits „gebacken sind“.

Ihre Sabine Stickforth

Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.