TV-Moderatorin Birgit Schrowange ging mit gutem Beispiel voran, zeigte ihre grauen Haare. Foto: imago/Christoph Hardt

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Graue Haare ereilen uns alle früher oder später. Manche schon mit Mitte 20, andere erst im hohen Alter. Das liegt an den jeweiligen Genen. Das Pigment Melanin, der farbgebende Stoff, sorgt dafür, dass Haare schwarz, braun, blond oder rötlich leuchten.

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Mit zunehmendem Alter oder auch als Folge von bestimmten Krankheiten wird davon jedoch weniger in der Haut und den Haarwurzeln produziert. Das einzelne Haar ist dann farblos. Je nach persönlicher Haarfarbe und noch vorhandenen pigmentierten Haarsträhnen entstehen so unterschiedliche Grautöne bis zum kompletten Silberschopf. Selbstverständlich hatte auch ich früher längeres, volles Haar mit glänzenden Naturwellen und unzähligen Farbschattierungen. Haarfarbe war überhaupt kein Thema. Als Kind hat meine Mutter mir breite Schleifen in den Haarschopf gesteckt. Das war niedlich und zu der Zeit modern.

Die Haare verändern sich im Laufe des Lebens

Durch Schwangerschaften, Hormonveränderungen und verschiedene Krankheiten im Laufe des Lebens werden bei uns Frauen die Haare dünner und verlieren an Glanz. Bei Männern natürlich auch. Viele von uns haben eine Tumortherapie hinter sich oder durchlaufen sie gerade. Da verliert man seine Haare ganz. Ich entsinne mich, wie ich vor einigen Jahren in einem kleinen Perückengeschäft hinter einem Vorhang von einer sehr einfühlsamen älteren Dame kahlgeschoren wurde. Mir liefen einfach nur die Tränen über den Verlust meiner Haare. Das kam von ganz tief drinnen. Aber welche Freude war es, als nach überstandener Chemotherapie die Haare üppiger sprießten als vorher. Ich hatte sogar kleine Locken, leider nicht von Dauer.

Volle Haarpracht und die natürliche Farbe strahlen Vitalität und Jugend aus. So möchte doch jeder gern wirken! Aber die Jugend lässt sich ja nun nicht auf ewig konservieren. Wer es dennoch versucht, dem gibt die Kosmetikindustrie eine Vielzahl von Hilfsmitteln und Präparaten an die Hand. Zum Tönen, Färben, Füllen und Stylen. Wussten Sie jedoch, das auch Kartoffeln als Wundermittel gegen graue Haare wirken? 

Model Carmen Dell'Orefice steht zu ihrem Silberschopf. Foto: dpa

Kaum zu glauben – aber mit Kartoffeln kann man tatsächlich graue Haare verbergen, heißt es. Denn: es deren Sichtbarkeit abschwächt und die Haare nachdunkeln lässt. Einfach Kartoffelschalen mit heißem Wasser übergießen, 30 Minuten ziehen lassen und das Wasser als Haarspülung nutzen. Außerdem sorgt das Kartoffelwasser für mehr Glanz, eine gesunde Kopfhaut und stärkeres Haar.

In Zeiten von Corona, Homeoffice und geschlossenen Friseursalons haben viele aufs Haarefärben verzichtet und die Haare einfach wachsen lassen. Zum Glück! Denn die chemische Tönungs- oder Haarfarbe ist sowieso schädlich. Die Akzeptanz für graues Haar ist in den letzten zehn Jahren größer geworden, sagt ein berühmter Münchner Friseur. „Omas Haar“ gilt als das neue Blond, und sogar junge Mädchen ergrauen plötzlich, weil es schick ist. Der „Granny-Look“ erobert auch Berlins Straßen. 

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Denn was für Männer seit langem gilt, nämlich dass graue Haare attraktiv sind, entdeckt die Werbeindustrie jetzt nun für Frauen. Man sieht immer mehr ältere Models, die selbstbewusst zu ihrem Silberschopf und Falten stehen. Im Alter von über 70 Jahren wird Carmen Dell'Orefic für Werbekampagnen engagiert. Die Sicht auf uns Best-Ager verändert sich zum Glück. Wir sind selbstbewusster und müssen unsere Natürlichkeit und Lebenserfahrung nicht mehr verstecken.

Graues Haar ist schön, muss aber besonders gepflegt werden

Graues Haar ist schön, wenn es gepflegt wird – und es bedarf besonderer Pflege, da die Struktur der Haare etwas spröder wird. Verwenden Sie nur natürliche Shampoos ohne Silikone.  Warum ein Silberschopf manchmal gelblich wirkt, ist noch nicht geklärt. Dafür gibt es Silberspülung, die meistens blau ist. Denn Blau ist die Komplementärfarbe von gelb. Nicht zuletzt lässt ein flotter Kurzhaarschnitt die Frisur voller erscheinen.

Auf keinen Fall sollten sie es so wie ich probieren! Einige Jahre habe ich mir biologische Pflanzenfarbe in Pulverform gekauft. Diese dringt nicht in das Haar ein wie chemische Färbemittel, sondern legt sich um das einzelne Haar herum. Dadurch wird es etwas dicker. Farbnuancen kann man von honigblond bis dunkelbraun und rot erwerben. Das Pulver wird, mit warmem Wasser angerührt, zu einem  Brei, der wie Kuhmist aussieht (und auch so riecht).  Nun wollte ich nach langer Zeit mal eine ganz andere Farbe benutzen, griff zur Chemie.

Plötzlich wurden meine Haare grün!

Das Ergebnis: Die Haare wurden grün! Da war dann nichts mehr  zu machen. Sein Haarkleid muss man zwangsläufig abschneiden. Jetzt trag ich die Haare kurz und lass sie natürlich ergrauen. Auch wenn meine Tochter sagt „Mama, Du siehst viel älter aus, als Du bist“. Sie gehört eben nicht zu den jungen Mädchen, die aus modischen Gründen  ergrauen. 

Und wie halten Sie es, liebe Leser und Leserinnen, mit den grauen Haaren, die einem im Laufe der Zeit wachsen? Sicher auch selbstbewusst, oder? Schreiben Sie es mir!

Ihre Sabine Stickforth

Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com