Auch in diesem Jahr landeten einige Hunde und Katzen über die Weihnachtstage zuerst auf Berlins Straßen und später im Tierheim. Tierheim Berlin

Es wurde gewarnt, auch in diesem Jahr – und doch muss ich nun, kurz nach dem Weihnachtsfest, erneut diesen wohl traurigsten Text des Jahres schreiben, wie schon in den Jahren zuvor. Während viele mit ihren Familien das Weihnachtsfest feierten, schöne Stunden in angenehmer Atmosphäre verbrachten, sich das Essen so richtig schmecken ließen, endeten die Festtage für viele Tiere in der Kälte auf Berlins Straßen. Denn: Trotz vieler Berichte wurden auch in diesem Jahr Tiere zum Fest verschenkt – und direkt danach wie Müll entsorgt.

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Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke – bereits Anfang Dezember wiesen Tierschützer darauf hin. Und doch hält der Haustier-Boom noch immer an. Die traurigen Konsequenzen: Auch über die Weihnachtstage wurden in Berlin Tiere ausgesetzt, landeten auf den kalten Straßen. Besonders dramatisch: Im vergangenen Jahr freute man sich im Berliner Tierheim darüber, dass die Zahlen sanken, dass weniger Hunde und Katzen über die Feiertage aufgenommen werden mussten. Doch in diesem Jahr sind die Zahlen leider wieder etwas gestiegen.

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24 Tiere landeten während der Weihnachtstage auf der Straße

24 Tiere waren es, die im Zeitraum vom 21. Bis zum 26. Dezember in der amtlichen Tiersammelstelle aufgenommen werden mussten, heißt es aus dem Tierheim. Sechs Hunde seien darunter gewesen, zwölf Katzen und sechs Vögel. „Allein am 26. Dezember wurden innerhalb einer Stunde fünf Fundkatzen und ein Hund eingeliefert“, teilen die Tierschützer in Falkenberg mit. „Im Vorjahr war die Zahl der Fundtiere über Weihnachten auf 19 gesunken.“

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Hinter jedem der nun neuen Tierheim-Schützlinge verbirgt sich eine eigene Geschichte, über die man leider nur mutmaßen kann. Unter den Tieren seien etwa zwei junge Hündinnen, die bereits am 21. Dezember völlig verängstigt in Friedrichshain gefunden wurden. Man müsse davon ausgehen, dass sie ausgesetzt wurden, denn bisher habe sich der Besitzer oder die Besitzerin nicht gemeldet. Bei dem Border-Collie-Mischling, der in Kreuzberg aufgegriffen wurde, hoffe man hingegen noch, den Besitzer zu finden.

Nicht nur Hunde wurden ausgesetzt, auch zwölf Katzen verloren rund um die Weihnachtstage ihr Zuhause. Tierheim Berlin

In Wedding entdeckten Passanten zwei Katzen in einem Hausflur – und eine weitere tauchte in Tempelhof auf, offenbar schwer verletzt. Dramatisch ist auch die Geschichte zweier Wellensittiche, die in Wedding gefunden wurden. „Einem der beiden waren mit Klebstreifen die Flügel so fixiert worden, dass er nicht fliegen konnte“, heißt es aus dem Tierheim. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, er muss aber auch noch am Auge operiert werden.“

Tiere zu Weihnachten aussetzen: Wer bringt so etwas übers Herz?

Wie in jedem Jahr frage ich mich: Wer bringt so etwas übers Herz? Zum einen verstehe ich nicht, warum viele noch immer nicht begriffen haben, dass Tiere nicht unter den Weihnachtsbaum gehören. Zum anderen aber schockiert es mich, dass Tierbesitzer in der Weihnachtszeit ihre Schützlinge aussetzen. Für die einen sind Hunde und Katzen Familienmitglieder, die sogar ein Stück vom Braten und ein Geschenk bekommen. Doch andere kommen mit ihren einstigen Lieblingen plötzlich nicht mehr klar… und setzen sie in die Kälte.

Auch diese beiden Hunde landeten während der Weihnachtstage auf der Straße. Tierheim Berlin

Laut Tierheim könne es aber einen Zusammenhang zur Corona-Pandemie geben. Denn: In den Lockdowns stieg das Interesse an Haustieren unfassbar an, der Boom bescherte vor allem illegalen Tierhändlern das Geschäft ihres Lebens. „Und mehr Haustiere bedeuten offenbar leider auch mehr Fundtiere.“

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Ob die aufgegriffenen Tiere ihren Besitzern kurz vor Weihnachten lästig wurden, Familien überfordert waren oder einfach nicht auf eine gute Betreuung und Sicherung der Tiere geachtet wurde, darüber könne man nur spekulieren, heißt es. Ich hoffe für Berlins Hunde und Katzen, dass der Corona-Boom im kommenden Jahr abebbt. Und dass die 24 Hunde, Katzen und Vögel, die über die Feiertage auf der Straße landeten, schnell ein neues und liebevolleres Zuhause finden.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com