Thomas Gottschalk plauderte in einem Interview über mögliche Gäste.
Thomas Gottschalk plauderte in einem Interview über mögliche Gäste. Imago/Future Image

Damit ist der Startschuss für die Vorberichterstattung zum seinem Selbstverständnis nach größten TV-Ereignis des Jahres wohl gefallen. TV-Oldie Thomas Gottschalk hat seinem Kollegen Johannes B. Kerner ein Interview gegeben und dabei auch über die zweite Revival-Show von „Wetten, dass…?“ gesprochen, die am 19. November im Fernsehen laufen soll. Und dabei sparte Gottschalk nicht gerade mit Größenwahn.

Thomas Gottschalks Wünsche für die „Wetten, dass...?“-Gästeliste

Denn glaubt man dem inzwischen 72 Jahre alten Moderator, so ist für ihn und seine erst im vergangenen Jahr wieder aus der Versenkung hervorgekramte Show nur das Beste gut genug – oder besser gesagt: Nur das, was vor 30 Jahren zum besten zählte.

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Denn Gottschalk lud zwei der erfolgreichsten Acts aus Deutschland gleich mal in einem Nebensatz aus: ESC-Siegerin Lena Meyer-Landrut und Chartstürmer Mark Forster müssen sich also keine Hoffnung auf einen Platz neben Gottschalk machen.

Was ich und mein persönlicher Musikgeschmack durchaus nachvollziehbar finden, klingt aus Gottschalks Mund als Showmaster, der eine Sendung für das deutsche TV-Publikum auf die Beine stellen soll irgendwie weltfremd und überheblich. Er wolle „eine ‚Größe‘ zeigen, die man mir nicht erklären muss“, sagte Gottschalk Kerner.

Thomas Gottschalk hatte Lena Meyer-Landrut schon zweimal bei „Wetten, dass...?“

Bei all dem Sinnieren über große Gäste vergaß er darüber offenbar, dass Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 bereits zweimal neben ihm auf dem „Wetten, dass…?“-Sofa gesessen hatte.

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Thomas Gottschalk im November 2010 unter anderem mit Lena Meyer-Landrut bei „Wetten, dass...?“. Es war ihr zweiter Besuch in diesem Jahr.
Thomas Gottschalk im November 2010 unter anderem mit Lena Meyer-Landrut bei „Wetten, dass...?“. Es war ihr zweiter Besuch in diesem Jahr. Imago/Future Image

Dabei scheint es vor allem die Vergangenheit zu sein, an die sich ein alternder und immer weniger mit der modernen Welt kompatibler Gottschalk klammert. Denn, ohne zu verraten, wer am Ende wirklich bei „Wetten, dass…?“ auftreten wird, versuchte er Beispiele für die Größenordnung zu geben, die er sich vorstellt. So habe der ZDF-Unterhaltungschef gesagt: „Stell dir vor, am Ende singt Queen 'We are the champions‘ – da sind wir richtig! Und auch, wenn Paul McCartney mit 80 reingeschoben wird.“ Eine Band mit einem toten Sänger – und ein Sänger mit einer zur Hälfte toten Band.

Thomas Gottschalk treibt die Retro-Welle auf die Spitze

Thomas Gottschalk scheint die Retro-Welle, die andere TV-Sender mit Rückholaktionen von Shows wie „Der Preis ist heiß“ oder „Geh‘ aufs Ganze“ ebenfalls reiten, auf die Spitze treiben zu wollen. Die Ablehnung aktueller Stars zugunsten vergangener (und verstorbener) Branchengrößen zeigt einen Realitätsverlust. Dass sich Gottschalk so an die Vergangenheit und ihre Stars klammert, könnte auch daran liegen, dass er selbst schon fast in TV-Rente war, bevor ihn der Überraschungs-Erfolg des „Wetten, dass…?“-Revivals nach mehreren Show-Pleiten in Fernsehdeutschland wieder rehabilitierte.

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Paul McCartney 1999 bei Wetten, dass...?
Paul McCartney 1999 bei Wetten, dass...? Imago/teutopress

Die überragenden Quoten müssen ihm ganz klar vermittelt haben: Früher, war alles besser – und so lesen sich auch seine Einlassungen über Influencer, Youtuber – und nun eben auch Lena Meyer-Landrut und Mark Forster.

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Gottschalk ist ein Mann der Vergangenheit, und wenn man ihm so zuhört, will er das auch bleiben. Die Frage ist nur, ob diese Taktik noch einmal aufgeht. Denn die starken Zuschauerzahlen aus dem letzten November rührten auch daher, dass es als einmaliges Event angekündigt wurde. Es bleibt abzuwarten, wie viele Menschen einschalten, wenn Gottschalk abermals in die Zeitkapsel steigt. Lena Meyer-Landrut und Mark Forster werden den Fernseher bestimmt aus lassen – und ich auch.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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