Der Dornteufel bei seinem Auftritt bei „The Masked Singer“. Pro7/Willi Weber

Es besteht kein Zweifel: In der Post-Raab-Ära war keine Pro7-Show, an der weder Joko Winterscheid noch Klaas Heufer-Umlauf beteiligt waren, so erfolgreich wie „The Masked Singer“. Wer Fans fragt, was denn genau die Sendung mitbringt, bekommt man oft die Antwort: „Alles!“ Und irgendwie kann ich es verstehen, doch mir ist die Show eindeutig zu lang.

„The Masked Singer“: Pünktlich 20.15 Uhr wurde umgeschaltet

Am Samstag habe ich dem TV-Spektakel zusammen mit meiner Frau nach langer Zeit mal wieder eine Chance gegeben. Chips und Sprudelwasser standen auf dem Tisch und pünktlich um 20.15 Uhr wurde von der Tagesschau auf Pro7 umgeschaltet.

Ich kam mir bei so viel Disziplin vor dem Fernseher fast albern vor, wurde aber belohnt. Denn „The Masked Singer“ macht einfach direkt gute Laune: Die Titelmelodie, das Rate-Team, dem die Freude auf die Show förmlich aus dem Gesicht springt, ein breit grinsender Matthias Opdenhövel als Moderator – und dann natürlich diese unfassbar hochwertig, kreativ und liebevollen Kostüme, in denen die Promis stecken.

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Matthias Opdenhövel mit dem Seestern auf der „Masked Singer“-Bühne. Pro7/Willi Weber

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Und so riet ich mit: Beim Dornteufel war ich wie Rate-Gast Linda Zervakis bei Bela B, beim Zebra habe ich nach der Unterhaltung mit einigen Fans plötzlich nur noch Anke Engelke gehört, ebenso erging es mit mir dem Ork und Michelle Hunziker – und bei der Discokugel hörte ich von ganz alleine Jeanette Biedermann heraus. Bei allen anderen hatte ich Ideen, war aber insgesamt ziemlich ratlos.

„The Masked Singer“: Die Show hat es verdient, beliebt zu sein

Wieder mal bei „The Masked Singer“ einzuschalten, hat mir definitiv klargemacht, warum diese Show so beliebt ist – und dennoch spricht nicht viel dafür, dass ich mir das Halbfinale am Samstag und die Finalshow eine Woche später ebenfalls angucken werde. Denn es ist mir einfach zu lang und das hat verschiedene Gründe.

Zum einen gucke ich nicht oft lineares Fernsehen, Werbepausen bin ich einfach nicht mehr gewöhnt – und ich habe vollkommen vergessen, wie viel Zeit es tatsächlich auch kostet, zu den Werbepausen hinzuleiten und wieder von ihnen weg, zurück zur Show.

Zum anderen zieht sich aber auch die eigentlich so spannende Sendung selbst – auch wenn das irgendwie paradox klingt. Das Rate-Team, das letzten Samstag aus Ruth Moschner, Rea Garvey und Linda Zervakis bestand, für die ich grundsätzlich Sympathien hege, redete mir zu viel. Das Publikum klatschte zu lange und dann war auch schon wieder Werbung. Es zog sich wie Kaugummi.

„The Masked Singer“: Drei Masken sangen noch einmal

Zu allem Überfluss durften/mussten/sollten die wackelnden Masken auch noch einen zweiten Song performen, was mich zum nächsten Paradox führt: Es waren tolle Performances, doch ich erwischte mich immer wieder bei dem Gedanken: „Das hätte man sich sparen können.“ Und auch meine Frau fragte ungläubig: „Warum müssen die denn jetzt noch einmal singen?“

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Joana Zimmer wurde bei „The Masked Singer“ enttarnt. Sie war Galax'Sis. Pro7/Willi Weber

The Masked Singer: Das Ratefieber hatte mich trotzdem gepackt

Wir blieben trotzdem dran, denn das Ratefieber hatte uns gepackt. Während der Performances und der Werbepausen (sind sie etwa dafür da?) wälzten wir die KURIER-Artikel meines Kollegen Florian Thalmann, um unsere eigenen Theorien zu überprüfen.

Als dann gar nicht mehr so weit vor Mitternacht Joana Zimmer die Galax’Sis-Maske abnahmen stand für mich fest: Ich liebe den Ratespaß, doch für die ganze Show bin ich nicht geschaffen. Ein paar Clips auf Youtube tun es im Zweifel auch.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.