Zur Wiederholungswahl in Berlin wird die Stadt erneut mit Plakaten der Parteien zugepflastert - sie hängen an Straßenlaternen oder stehen - als noch größere Exemplare - auf den Mittelstreifen von großen Straßen oder Plätzen. 
Zur Wiederholungswahl in Berlin wird die Stadt erneut mit Plakaten der Parteien zugepflastert - sie hängen an Straßenlaternen oder stehen - als noch größere Exemplare - auf den Mittelstreifen von großen Straßen oder Plätzen.  imago/Sebastian Gabsch

In den Straßen wiegen sich ausrangierte Weihnachtsbäume traurig im Januarlüftchen. Über ihnen hängen an Straßenlaternen Wahlplakate. Ungewohnt zu dieser Jahreszeit. Ein Januar, wie ich ihn noch nicht erlebt habe. Ganz zu schweigen von den fast 18 Grad  Celsius am Silvestertag.   

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Die Hauptstadt-Politik hat in den Wahlkampfmodus umgeschaltet. Weil die Urnengänge zum Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen vom September 2021 laut Urteil des Landes-Verfassungsgerichtshofs wegen zahlreicher Pannen wiederholt werden müssen. Neuer Termin: der 12. Februar. Also rühren die Parteien wieder besonders laut die Werbetrommeln. Dabei setzen sie - ich hätte es mir nicht vorstellen können - tatsächlich erneut auf sogenannte Sichtwerbung. Wieder große Versprechen auf bunten Pappen allerorten.  Dabei ist doch so eine Wiederholungswahl schon etwas Überraschendes. Die Plakate der Parteien sind es allerdings eher nicht.  

Versprechungen und Fragen

Wenn ich in den Straßen unterwegs bin, habe ich ein Dé­jà-vu nach dem anderen. „Damit Berlin funktioniert“ will Kai Wegner von der CDU gewählt werden, „Arbeiten für Berlin“ verspricht die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey von der SPD, „Unterwegs für Lösungen“ ist der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn von der Linken.  „Warum bei Neuwahlen alte Probleme wählen“ fragt FDP-Politiker Sebastian Czaja. Und dass die AfD fordert „Klimakleber in den Knast“  verwundert einen auch nicht wirklich.   

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Genervt von den flachen Botschaften habe ich noch einmal in meiner Kolumne zur Wahlwerbung im August 2021 nachgelesen. Damals fand ich „Politik muss jetzt handeln“, „Pankow kann Anders“ und „Bereit, weil Ihr es seid“ von ähnlicher Überzeugungskraft.  An der Laterne vor meinem Haus fand sich damals das Konterfei des Linken-Politikers Klaus Lederer, der versprach „Mit Euch mach ich das“. An dieselbe Stelle hat es zur Wiederholungswahl ein Porträt des CDU-Politikers Norman Gutschow geschafft, der fordert: „Berlin, wähl Dich neu“.  Schönes Wortgeklingel.    

Da staunten die Wähler: Am 3. Januar stand ein Plakat mit Außenministerin Annalena Baerbock an einer Kreuzung in Dahlem. Zur Wahl steht Baerbock beim Urnengang zum Abgeordnetenhaus allerdings nicht. Es war eine alte Tafel, sie wurde aus Versehen aufgestellt.&nbsp;
Da staunten die Wähler: Am 3. Januar stand ein Plakat mit Außenministerin Annalena Baerbock an einer Kreuzung in Dahlem. Zur Wahl steht Baerbock beim Urnengang zum Abgeordnetenhaus allerdings nicht. Es war eine alte Tafel, sie wurde aus Versehen aufgestellt.  dpa/Annette Riedl

Möglicherweise war diese Austauschbarkeit auch Grund für die Panne, die sich zu Beginn des Wahlkampfs ereignete. Am 3. Januar stand ein altes Plakat mit Außenministerin Annalena Baerbock an einer Kreuzung in Berlin-Dahlem. Zur Wahl steht Grünen-Politikerin Baerbock in Berlin derzeit allerdings nicht. Erstaunlich finde ich es nicht, dass der Dienstleistungsfirma dieses Versehen unterlief. Es lag vielleicht schlicht an den zusammengeschnurrten Botschaften. Da kann ein Plakate-Verantwortlicher sich schon mal irren.  

Dennoch kann ich mich auch im aktuellen Wahlkampf einer gewissen Faszination für die Versprechen nicht entziehen. Da ist etwa die Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung. Sie strebt eine „schnellere Entwicklung von Medizin an, mit der Menschen durch Reparatur von Schäden nicht mehr an Alterskrankheiten oder hohem Alter sterben und tausende Jahre gesund leben können“. Das ist mal 'ne echte Utopie und vielleicht könnte ich dann bald die Tiegel und Töpfchen mit Cremes weglassen, die ich ständig zu meiner ganz persönlichen Reparatur brauche.

Plakate: Es gibt wichtigere Dinge 

Noch weiter oben auf meiner Hitparade der Werbeslogans findet sich aber: „Es gibt wichtigere Dinge als das Design eines Plakats. Gute Politik zum Beispiel“. Welche Partei damit um Stimmen zur Wiederholungswahl wirbt - das schauen Sie sich bitte selbst beim nächsten Spaziergang durch Berlin an.    

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt zur Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com