Tierschützer warnen momentan vor Hundediebstählen vor Berliner Supermärkten. Fotos: imago/imagebroker, imago/MiS

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Hund, den Sie über alles lieben. Sie kommen bei einem langen Spaziergang zufällig an einem Supermarkt vorbei. Da fällt Ihnen ein: Es fehlt noch Butter für das Frühstück am kommenden Tag. Pflichtbewusst – Hunde sind in den meisten Geschäften schließlich nicht gestattet – binden Sie Ihren Liebling draußen an, direkt am „Hunde-Parkplatz“, wie es ein kleines Schild an der Fassade des Ladens besagt. Und dann, als Sie Minuten später wieder aus dem Markt kommen, ist der Hund weg.

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Es klingt unvorstellbar – aber es passiert in Berlin leider immer wieder. Erst in der vergangenen Woche warnte der Berliner Tierschutzverein vor Hunde-Klau. „In letzter Zeit häufen sich wieder Diebstähle von Hunden, die vor Supermärkten angebunden werden“, heißt es in einem Beitrag auf Facebook.

Immer wieder verschwinden Hunde vor Supermärkten spurlos

Immer wieder finden sich in einschlägigen Hunde-Gruppen im sozialen Netzwerk nämlich die verzweifelten Aufrufe der Halter. Etwa der von Rüde Zoli, der  vor einer Filiale von Kaufland am Ostkreuz entwendet wurde. Der von Tino, der vor einer Netto-Filiale in der Residenzstraße mitgenommen wurde. Oder der von Pablo, der vor einem Laden des gleichen Discounters in der Kiefholzstraße verschwand. Nur drei Beispiele von vielen.

Es sind Beiträge, die mich absolut fassungslos machen. Denn ich verstehe nicht, wie es dazu kommen kann: Was sind das für Menschen, die vor einem Supermarkt einfach fremde Haustiere entführen? Tierschützer sehen den Hunde-Boom zur Corona-Zeit als Grund für die Zunahme an Diebstählen. Denn: Viele Menschen wollen gern einen Hund, haben bei der riesigen Nachfrage aber kaum Chancen auf ein Tier aus seriösen Quellen. Also: Ab zum Supermarkt! Viel schlimmer noch: Es gibt auch skrupellose Hundehändler, die die Tiere mitnehmen, um sie als Zuchtmaschinen zu missbrauchen, mit den Welpen dann das große Geld zu machen.

Viele Hundebesitzer leinen ihre Tiere vor dem Supermarkt an - in Berlin sollte man das besser nicht tun. Foto: Imago/Ralph Peters

Besonders beliebt sind laut Tierschutzorganisationen wie „Vier Pfoten“ übrigens – wie könnte es anders sein – Trend-Hunderassen. Die Tiere können von den Dieben dann gewinnbringend verscherbelt werden. Die gestiegene Nachfrage rufe immer mehr illegale Händler auf den Plan, „die zunehmend auch geklaute Hunde anonym auf Online-Plattformen weiterverkaufen“, heißt es in einer Mitteilung der Tierschützer. Und: Auch Menschen mit Welpen müssen besonders vorsichtig sein, erklärte mir eine Tiertrainerin. Denn die seien noch nicht so an ihre Besitzer gewöhnt – hier haben die Diebe besonders leichtes Spiel.

Ich verstehe nicht, was das für Menschen sind. Jeder, der ein Haustier hat oder mal eins hatte, der weiß: Hund, Katze oder Kaninchen werden früher oder später zum geliebten Familienmitglied. Der Gedanke, dass dem eigenen Liebling etwas zustoßen könnte, ist unvorstellbar. Wer Tieren und ihren Herrchen oder Frauen absichtlich so viel Schmerz zufügt, ist aus meiner Sicht nicht ganz dicht – und gehört hart bestraft!

Niemand sollte seinen Liebling vor einem Geschäft anbinden

Doch es gibt auch eine andere Perspektive - einige geben den Hundebesitzern einen Teil der Schuld. „Bitte! macht! das! nicht! Lasst Euren Liebling zu Hause, wenn Ihr einkaufen geht. Niemals unbeaufsichtigt anbinden!“, heißt es auf der Facebook-Seite des Berliner Tierschutzvereins. Denn den Dieben gelingt es nur, Hunde zu klauen, weil Herrchen und Frauchen sie lassen! Niemand sollte seine Lieblinge in einer Stadt wie Berlin einfach so vor einem Geschäft anbinden.

Abgesehen davon, dass klappernde Einkaufswagen, fremde Menschen und das hektische Treiben vor dem Supermarkt für viele Hunde purer Stress sind, lauern eben leider Gefahren – so unfassbar sie auch scheinen. Und falls es doch mal überhaupt nicht anders geht: Es gibt im Handel diebstahlsichere Hundeleinen, raten Experten. Die sind zwar etwas teurer, aber in die Sicherheit von Fahrrädern und das richtige Fahrradschloss wird schließlich auch reichlich Geld investiert.

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Aber vielleicht sollten nicht nur die Halter etwas mehr darauf achten, sondern auch alle anderen. Einmal mehr sollten wir vielleicht alle Zivilcourage beweisen, etwas mehr nach links und rechts schauen – und einschreiten, wenn ein Tier, eben noch von einem anderen Menschen angeleint, plötzlich mitgenommen wird. Damit solche Warnungen künftig nicht mehr nötig sind.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com