Subbotnik in Berlin: Ich mach deinen Dreck gerne weg
Immer mehr Menschen sammeln Müll und machen selber in ihrem Kiez sauber. Warum das nicht nur der Umwelt gut tut und warum jeder Tag ein World-Clean-up-Day sein sollte.

Mit dem Müll in der Stadt ist es ja wie mit vielen anderen Dingen auch. Menschen haben unterschiedliche Schmerzgrenzen. Den einen stört das Sofa, welches wochenlang am Straßenrand herumgammelt gar nicht, andere zählen jede Kippe rund um die Lieblingsbank im Park. Dass die Schmerzgrenze meines Sohnes in Sachen Taschentücher, Plastiktüten und Togo-Becher auf seinen täglichen Wegen erreicht war, bemerkte ich, weil er über mehre Tage hinweg wirklich eindrücklich darum bat, ich solle ihm so eine Müllzange besorgen, wie sie die BSR-Mitarbeiter benutzen.
Für Kinder sind Müllmänner Helden
Mein Sohn ist acht Jahre alt, da sind die Helden in Orange noch Helden. Für viele andere sind sie oft einfach die Doofen, die den Dreck nach einer Party im Park oder den „Zum Mitnehmen“-Kram an jeder Ecke mal mehr mal weniger zuverlässig wieder verschwinden lassen. Warum eigentlich die Doofen?

Ich besorgte also eine Heldenzange, für die Schwester gleich eine mit. Und schon am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in den Park. Was soll ich sagen, es gab viel zu tun. Wer auch losziehen will: Handschuhe schaden nicht, verwesende Hundekacketüten sind genauso eklig, wie man sich das vorstellt. Dennoch: Es machte wirklich Spaß und wir hatten ein gutes Gefühl.
Und noch wichtiger ist, jeder, der die fleißigen Kinder bei der Sisyphos-Arbeit, klaglos und voller Elan den Dreck der Großen wegzumachen, jeder der ihre kleinen glänzenden Augen sah, schwor sich, nie wieder auch nur ein Fitzelchen Müll woanders als im Eimer zu hinterlassen. Ehrlich.
Wir waren, ohne es zu wollen, mit unserem Subbotnik eine winzige Müll-Demo geworden. Und wir sind nicht allein, das motoviert meine Zangenzwerge.
World Clean Up Day in Berlin
Immer wieder werden wohnortnahe Aktionen auf die Beine gestellt. Gerade jetzt, wo am Wochenende der World Clean Up Day stattfindet. Am 18. September sind Bürger aufgerufen, in ihren Kiezen zu Besen und Schaufel zu greifen und aufzuräumen.

Die schwedische Botschaft etwa veranstaltet am 21. September rund um die Rathenau-Hallen in Oberschöneweide ein„ Plogging“-Müllsammeln und dabei Joggen. In der Moabiter Waldstraße wird am 18.9. Müll gesammelt, der Karl-August-Kiez in Charlottenburg sammelt am selben Tag Kippen, das Jugendzentrum Elok räumt im Treptower Park auf.
Unter dem Motto„ Quappe statt Fluppe“ sammeln Menschen am Landwehrkanal im Bereich zwischen der Thielenbrücke und Kottbusser Brücke Kronkorken und Kippen. Menschen räumen am Baggersee in Biesdorf und eine Woche später am Weißen See.

„Wir werden eine Kronenkorken-Ralley für Kinder anbieten (25 Stück für 1 Bionade oder Eis). Es dürfen gerne Freunde mitgebracht werden!",“ schreibt der Verein Parkfreunde Weißensee in seiner Einladung. Schon im letzten Jahr sei die Müllsammelaktion ertragreich gewesen.
Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihnen am Wochenende Menschen mit Eimern und Zangen begegnen. Sondern machen Sie mit. Eine Tüte Müll sammeln, das ist gut fürs Karma. Gemeinsam sammeln und danach ein Bierchen trinken ist besser als jede Therapeutensitzung. Das Lächeln der Passanten und das Gefühl, nicht tatenlos bleiben zu müssen, machen aus dem Subotnik ein Event, das nach Wiederholung schreit. Ein Kiez-clean-up-Day findet am besten nicht nur einmal im Jahr statt.