Eine ältere Dame bei einer Qi Gong Übung im Park - der besondere Sport kann vor allem im Alter ein guter Ausgleich sein. Foto: imago/ITAR-TASS

Liebe Leser und liebe Leserinnen! Kennen Sie Qi Gong? Es ist die Kombination aus Bewegungs-, Atem- und Meditationsübungen. Also viel mehr als reine Leibesertüchtigungen! In China treffen sich die Menschen früh morgens im Park und praktizieren ihre Körperübungen. Es ist dort eine Volksbewegung. Qi Gong hat einen festen Platz in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ist dort eine wichtige Behandlungsmethode gegen Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Gelenkproblemen, sowie Stress, Schlafstörungen, Müdigkeit, Gesunderhaltung im Alter und vieles mehr.  Auch bei uns findet Qi Gong immer mehr Anhänger - denn die Übungen helfen, entspannt, gelassen und hellwach in den Tag zu starten!

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Dabei erfordern die sanften Übungen keine besondere Kraftanstrengung und sind in jedem Alter möglich und hilfreich. Qi Gong-Übungen schulen nämlich die Konzentration und Merkfähigkeit. Sie verbessern die Selbstwahrnehmung, fördern den Gleichgewichtssinn und die Beweglichkeit und führen so zu einem guten Körpergefühl. Zwanzig bis dreißig Minuten am Morgen reichen aus, um den Tag  fit zu beginnen. 

Qi Gong verbessert außerdem die Haltung, weil sich die Wirbelsäule aufrichtet. Muskeln werden durchblutet, Gelenke sanft bewegt und Sehnen gedehnt. Das ist es, was wir als Best-Ager in unserem Alter  brauchen.

Qi Gong-Übungen tragen meist poetische Namen

Was ist Qi? Das wird häufig mit Lebensenergie übersetzt. Man stellt sich vor, wie Lebensenergie durch Energiebahnen (die „Meridiane“) fließt und die verschiedenen Organsysteme versorgt. Im Bereich unterhalb des Nabels, dem „Tor zum Himmel“, sammelt sich diese Energie. Ist das Qi harmonisch im Fluss, ist der Mensch gesund. Fehlt die Lebensenergie oder staut sich in bestimmten Organen, bedeutet dies Unwohlsein und Krankheit. „Qi Gong“ ist also die Pflege des Qis. Bewegung, Atmung und Konzentration sind die drei Säulen.

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Dabei tragen die Übungen meist poetische Namen wie „sanfter Wind bewegt die Lotusblätter“. Eine, meiner Lieblingsübungen. Hier kreist man langsam das Becken mal in die eine Richtung und dann in die andere. Stundenlanges Sitzen am PC kann Verkrampfung und Schmerzen im Lendenbereich hervorrufen. Diese Übung lindert den Schmerz und lockert. Eine weitere Übung, die veranschaulicht, wie sehr sich Qi Gong Übungen an der Natur orientieren ist „der Kranich breitet seine Flügel aus“. Hierbei werden dann langsam die Arme seitlich geschwungen, wie es der besagte Vogel im Flug tun würde.

Viele Sportler treffen sich beispielsweise in Parks, um gemeinsam zu trainieren. Foto: imago/ITAR-TASS

Für die äußere Vorbereitung eines Training ist bequeme Kleidung zu empfehlen. Geübt werden sollte auf flachen Schuhen, auf Socken oder besser barfuß, denn so hat man unmittelbaren Kontakt zum Boden. Das ist beim Qi Gong wichtig. Trainiert werden sollte außerdem an einem geeigneten Platz, der vertraut ist und keine störenden Einflüsse bietet – Telefon abschalten! Für die innere Vorbereitung: Lächeln Sie! Es wirkt und setzt Glückshormone frei, es lässt die Energie fließen.

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Es gibt nach fast 2000 jähriger chinesischer Tradition unzählige Übungen. Zum Erlernen ist die fachliche Anleitung einer erfahrenen Qi Gong-Lehrerin oder eines Trainers sehr hilfreich. Kurse werden angeboten in Volkshochschulen, Sportclubs, Fitnessstudios und anderen Einrichtungen. Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten die Teilnahmegebühren. Fragen Sie bei ihrer einfach nach.

Am meisten Spaß machen die Übungen mit Freunden

Natürlich können Sie allein einen Kurs besuchen. Aber mehr Spaß macht es, wenn man mit dem Partner oder Freundinnen  gemeinsam etwas für seine Gesundheit unternimmt. Wir sind eine Gruppe von sechs Frauen um die 60 Jahre und praktizieren Qi Gong seit einigen Jahren. Wir freuen uns auf das wöchentliche Training und Wiedersehen. Im Sommer im Park, im Winter in einem Trainingsraum - und unsere  Trainerin Kerstin Wieland unterrichtete uns während der Corona-Zeit einfach online.

Probieren Sie es einmal aus. Es macht Freude, sich sanft zu bewegen und dabei Energie zu tanken. Und auch hier bei uns gibt es das schöne und wahre Sprichwort: In der Ruhe liegt die Kraft!  Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen! Ihre Sabine Stickforth

Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag im KURIER über das Leben über 50 in Berlin.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com