Hamstern wird mit dem Begriff „Hamsterkauf“ gewaltiges Unrecht getan. imago/Blickwinkel

In dieser Woche wird es Zeit, dass wir uns einer Tierart widmen, die uns schon seit ein paar Tagen begleitet – und die uns vermutlich noch ein ganzes Stück lang begleiten wird. Die schon vor zwei Jahren über Wochen in aller Munde war… und die es jetzt wieder ist. Vorhang auf für den Hamster! Nachdem es bereits 2020 Hamsterkäufe gab – Klopapier, Nudeln und Küchenrolle – wird nun wieder „gehamstert“, Sonnenblumenöl. Aber: Warum heißt es eigentlich „Hamsterkäufe“?

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Sonnenblumenöl und Klopapier: Warum sagt man „Hamsterkäufe“?

Das ist nur eine von mehreren Hamster-Fragen, die man sich momentan stellen könnte, wenn man das Weltgeschehen verfolgt. Und sie ist – zum Glück – ganz einfach zu beantworten. Laut Lexikon versteht man unter einem Hamsterkauf einen Kauf, der hauptsächlich dem Anlegen eines Vorrates dient. Das bedeutet also: Wer hamstert, der kauft nicht, um zu verbrauchen, sondern erstmal, um für schlechte Zeiten zu haben.

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Das tun Hamster auch. Die Tiere verfügen über Backentaschen, ein cleveres Geschenk der Natur. Dort verstauen sie, wenn sie unterwegs sind, ihre Nahrung und bringen sie dann in ihren Bau. Klingt schnöde, ist aber überaus faszinierend! In den Vorratskammern von Feldhamstern wurden schon bis zu 90 Kilogramm Pflanzenmaterial gefunden, die ein einzelner Feldhamster im Laufe seines Lebens angeschafft haben soll. Laut Wikipedia hat man mal einen Zwerghamster gefunden, der in seinen Backentaschen 42 Sojabohnen versteckt hielt. Ist das nicht verrückt?

Wer nun Parallelen zu den Dingen sieht, die aktuell in den Supermärkten abgehen, der irrt allerdings. Ich finde, den Hamstern wird mit dem Begriff „Hamsterkauf“ gewaltiges Unrecht getan. Denn: Hamster hamstern nicht ohne Grund. Sie sind es gewohnt, einen Wintervorrat anlegen zu müssen, weil es in der kalten Jahreszeit schwerer ist, an Futter zu gelangen.  Der Mensch hamstert anders. Er deckt sich ein mit unnötigem Zeug, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen – und ohne Grund!

Hamster sind beliebte Haustiere, wollen aber nicht gern gestreichelt werden. AFP/BERTHA WANG

Und damit sind wir schon viel eher beim Hamster – aber dieses Mal ist der Zusammenhang mit dem Begriff „Hamsterkäufe“ schon eher gegeben: Hamster haben kein ausgeprägtes Sozialverhalten! Hamster sollten nur einzeln gehalten werden, denn sie sind absolute Einzelgänger.

Was ich von vielen der Leute, die sich ihre Einkaufskörbe mit Öl vollladen, ehrlich gesagt auch annehme, schließlich scheinen sie sich für ihre Mitmenschen nicht sonderlich zu interessieren. Und: Hamster sind sehr reinliche Tiere, heißt es. Man könnte also sogar einen Zusammenhang mit den Klopapier-Hamstern von 2020 vermuten.

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Aber genug gehamstert: Wussten Sie, dass Hamster unabhängig von der Salatöl-Krise schon länger in aller Munde sind? Ein Twitter-Nutzer stieß nämlich Anfang März darauf, wie günstig die Tiere eigentlich sind, wenn man sie im Tierladen kauft. „Komplett wild, dass Hamster bei Fressnapf fünf Euro kosten, als wären sie ein Dürüm“, schrieb der junge Mann daraufhin im sozialen Netzwerk.

Viele amüsierten sich darüber, dass ein Nagetier im Laden für den gleichen Preis zu haben ist wie ein Teigfladen mit Dönerfleisch beim Imbiss um die Ecke. Sprüche wie „Ein Dürüm schmeckt aber besser und macht länger satt“ oder „Wie günstig wäre ein Dürüm, wenn wir ihn aus Hamstern herstellen würden?“ machen mich fassungslos.

Ein Hamster kostet so viel wie ein Döner ... darf man darüber lachen?

Denn: Kann man darüber lachen? Ist es nicht absurd, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es legitim ist, Tiere für das gleiche Geld wie einen Döner anzubieten, während die Tierheime voll sind, sich vor armen Schützlingen kaum retten können? Ist es wirklich gut, wenn Tiere wie billige Ramschware über den Ladentisch gereicht werden? „Das ist wirklich traurig“, findet auch eine Twitter-Nutzerin. „Erinnere mich noch, dass die Mutter einer Mitschülern damals meinte, mit dem Zwergkaninchen gehen sie nicht zum Tierarzt, da kann man günstiger ein neues bekommen.“

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Ich hoffe nur, dass ein solcher Preis nicht dazu führt, dass die Tiere in schlechte Hände geraten. Dass der gesunde Menschenverstand siegt – und dass jeder, der sich ein Tier anschafft, sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst ist. Dass alle, die ein Haustier wollen, lieber einem Schützling aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben. Das Kleintierhaus bei den Tierschützern in Falkenberg quillt etwa regelmäßig über. Und dass trotz des günstigen Preises um Himmels willen niemand auf die Idee kommt, Hamster zu hamstern.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com