Wenn der Haselstrauch seine Kätzchen zeigt, dann beginnt der „Vorfrühling“". In Berlin war das in diesem Jahr schon am 24. Januar. Imago/Gottfried Czepluch

Das Wetter macht mich fertig. Oder Corona. Oder die Maßnahmen dagegen. Oder die Spaziergänge gegen die Maßnahmen dagegen. Ich weiß nicht so genau. Es ist alles irgendwie so grau. Da halfen auch die Sonnenstrahlen der vergangenen Tage wenig. Das Warten auf den Frühling fühlt sich in diesem Jahr besonders zäh an.

Doch etwas konnte mich unlängst aufheitern. Im KURIER berichtete eine Reporterin von der sogenannten Phänologischen Uhr. Das machte mich neugierig. Auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) habe ich sie mir sofort angesehen. Da gibt es für an Winterblues Leidende gute Nachrichten. Denn diese Uhr kennt nicht nur Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie teilt das Jahr mit wiederkehrenden Ereignissen der Natur in viel mehr Jahreszeiten ein, zehn insgesamt. Bestimmt habe ich das einst auch im Bio-Unterricht an der polytechnischen Oberschule gehört, erinnern kann ich mich aber nicht wirklich daran.

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Doch jetzt macht mir die Phänologie fast schon gute Laune. Denn das Frühjahr beginnt laut dieser Uhr mit dem „Vorfrühling“. Und der fängt schon an, wenn die Hasel blüht. Das war in diesem Jahr in Berlin bereits am 24. Januar, im vieljährigen Mittel ist das erst am 10. Februar. Dieser Frühstart reduzierte neben anderem die von den Meteorologen gezählten Wintertage auf kümmerliche 24, im Mittel sind es 96. Egal, ob es nochmal schneit oder nicht.

Mit der Forsythie beginnt der „Erstfrühling“

Die naheliegende Gretchenfrage nach dem Klimawandel stelle ich mir an dieser Stelle einfach mal nicht, sondern freue mich auf den nächsten Höhepunkt. Laut Grafik beginnt der „Erstfrühling“ mit der Forsythienblüte. Im Berliner Mittel entfaltet sie sich ab 26. März, ich bin gespannt, wann es in diesem Jahr so weit sein wird.

Blüten im Sonnenschein: Wenn die Forsythie in sonnigem Gelb erstrahlt, beginnt laut der Phänologischen Uhr der "Erstfrühling". Ich bin gespannt, wann das in diesem Jahr sein wird. imago

Als ich einen Freund, Agraringenieur in Vorpommern, jüngst am Telefon nach eben dieser phänologischen Uhr fragte, hatte er zwar schon von ihr gehört. Doch als ich ihm erklärte, dass demnach der „Frühsommer“ mit der Holunderblüte einhergeht, meinte er lakonisch: „Ich weiß nur, wenn der Holunder blüht, dann beißt der Aal nicht.“

Wegen seines nicht so ausgeprägten Interesses an meiner neuen Leidenschaft stöberte ich noch ein bisschen auf der Internetseite der Meteorologen. Dort erfreute ich mich an den bald anstehenden Terminen für die Blüte von Apfel und Sommerlinde. Auch lernte ich, dass der Winter beginnt, wenn die Blätter der Stieleiche fallen. Also schon im November.

Phänologische Beobachter gesucht

Und ich entdeckte, dass an vielen Orten im Land noch phänologische Beobachter gesucht werden. Auch in meinem brandenburgischen Geburtsort. Ich erwäge mich anzumelden, dann wird mir im nächsten Jahr das Warten auf den Frühling vielleicht nicht so lang.