Der freche Kobold Pittiplatsch wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Bestes Gartenzwerg-Alter. dpa/rbb

Mein sehr lieber Freund G. hat nach langem Warten einen Kleingarten in Pankow ergattert. Hingebungsvoll pflegt er nun Beete voller Gemüse, pflanzte einen Quittenbaum und stellte einen grünen Keramikfrosch ins Beet. Einen grünen, wirklich hässlichen Frosch. Ich kann ja verstehen, dass man mittels Dekorationselementen auch draußen seine persönliche Note hinterlassen möchte, sein Revier markieren, optische Glanzpunkte setzen will. Aber bei Keramikfröschen, Kühen und Gartenzwergen hört bei mir der Spaß auf.

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Immer wenn ich im Garten des wirklich sehr geschätzten G. zu Gast bin, frage ich mich, wie es so weit kommen konnte, dass ein Mensch, der so viel Gefühl für Schönes hat, der seine Wohnung mit Designstücken einrichtet, eher unter- als überdekoriert, im Grünen mit dem Frosch so kräftig daneben haut. Vorgeblich im Spaß frage ich dann, ob nicht bald ein Rasenmäher an den Frosch kachelt und so dem Elend ein Ende macht. Doch G. beschützt das olle Ding mit diabolischer Freude wie eine Glucke.

Kitsch im Kleingarten - im Alter wird es schlimmer

Kitsch im Garten, das ist ein Thema, das die Gemüter spaltet: den einen ist schon eine bunte Windmühle für die Kinder zu viel, oder Plastikschmetterlinge auf dünnen Stäben, die man in den Balkonkasten steckt. Andere stellen ganze Armeen von Gartenzwergen auf, dort wo die Wichte walten, wächst dann nichts mehr.

Ich gehörte bisher eindeutig zu ersten Fraktion, habe mich aber neulich ertappt, wie ich eine Wimpelgirlande auf dem Balkon nach einem Kindergeburtstag einfach hängen ließ. Ein blaugrün, gepunkteter Hingucker: meine erste Outdoor-Dekoration.

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Ich fürchte, das mit den Gartenzwergen und den Horden von Plaste-Rehlein im Rasen ist so eine Sache, die im Alter schlimmer wird. Erstens kann man sich schlechter von Gegenständen, die immer irgendwer anschleppt, trennen, zweitens wird man, wenn die eigenen Kinder größer werden, wieder empfänglicher für Niiiiiedliches. Erst tut man noch so als würde man sich selber lustig machen und verkauft den grünen Keramikfrosch oder die süß bepflanzte Schubkarre als ironisches Statement.

Dann gewinnt man Frosch und Reh und Karre lieb und schon ist man ganz nah dran am Gartenzwerghalter.

Mit zunehmendem Alter kommt die Lust am Gartenzwerg-Kitsch. imago stock&people/ P.Price

Seit es nun auch einen Pittiplatsch als Gartenzwerg gibt, werden mit dem Produkt sogar Kinder und Großeltern gleichzeitig bedient. In der Zwergstatt Griebel in Gräfenroda (da stellen sie seit 1874 Zwerge her) wird der Pittiplatsch für draußen in Handarbeit gefertigt. 35 Zentimeter hoch, wind- und wetterfest, anderthalb Kilo schwer, heißt es auf der rbb-Shop Webseite, wo es den Kobold ausschließlich gibt.

Gartenzwerg als Design-Objekt

„Jede einzelne Pittiplatsch-Figur ist mit einem Stempel versehen. Die erste Zahl steht für das Jahr 2022, in dem die Zwerge gefertigt wurden. Die zweite Zahl ist die Seriennummer.“ Nicht, dass dieser Kobold ein  begehrtes Sammlerstück wird. Immerhin haben sie in Gräfenroda die Charge auf 1000 Stück limitiert. Mit 99 Euro ist der Kerl, der zu seinem 60. Geburtstag ordentlich geehrt wird,  auch alles andere als ein Schnäppchen.

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Vielleicht kriege ich ja noch einen Pitti, könnte doch wirklich ganz neckisch aussehen, wenn er bei uns zwischen Schnittlauch und Lavendel hervorschaut. Auch du meine Nase, nun ist es auch um mich geschehen.

Und wenn einer fragt, was in mich gefahren ist, verweise ich einfach auf die Designfibel für hippe Großstädter: selbst im Manufactum Gartenkatalog gibt es Gartenzwerge von Griebel zu kaufen.

Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig im KURIER über Berlins Kieze und den Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com