Schwibbögen aus dem Erzgebirge darf als Fensterdekoration in der Weihnachtszeit nicht fehlen dpa

Ich gebe es zu, ich bin ein Spätzünder. Wir stecken bereits mitten drin in der Zeit der Vorfreude auf Weihnachten – und erst jetzt hat es mich erwischt. Vielleicht liegt es ja daran, dass Corona auch in diesem Jahr die Adventszeit und das kommende Fest beherrscht, mir der Bummel über meinen geliebten Weihnachtsmarkt in der Potsdamer Fußgängerzone fehlt, der wegen der Pandemie ausfiel.

Dennoch, man kann sich den Adventszauber mit dem Duft von festlichen Leckereien und Glühwein samt Lichterglanz in die eigenen vier Wände holen. Die passenden „Zutaten“ für vorweihnachtliche Nachmittage oder Abende mit der Familie und Freunden  daheim, findet man vor allem in unserer Heimatregion. Sie werden staunen! Und ohne diese  weihnachtlichen Sachen aus dem Osten wäre die Adventszeit nur halb so schön.

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Fangen wir mal mit dem Klassiker an – dem Glühwein. Wer jetzt denkt, dieses Getränk hätte man in Nürnberg erfunden, irrt gewaltig. Abgesehen, dass im antiken Griechenland schon Weine gerne gewürzt wurden – der echte Glühwein, so wie wir ihn lieben und kennen, stammt aus Sachsen! Vor fast zehn Jahren kam die überraschende Meldung, dass ein Archivar im Sächsischen Staatsarchivs in Dresden das älteste in Deutschland existierende Glühweinrezept fand, welches 1843 unter der Feder des Raugrafen August Josef Ludwig von Wackerbarth (1770-1850) entstanden sei.

Glühwein, so wie wir ihn lieben! Wer hätte gedacht, dass das älteste Rezept Deutschlands aus Sachsen kommt? Imago

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Er verwendete natürlich einen Rotwein aus der Region, den er mit Anis, Granatapfel, Ingwer, Zimt, Kardamom und Safran sowie mit Honig gewürzt haben soll. Das Getränk wird samt Zutaten nur erwärmt. Bloß nicht aufkochen lassen, das zerstört das Aroma. Dazu ein Stollen aus Dresden, besser schmeckt es auch auf dem Weihnachtsmarkt nicht. Übrigens: Sehr gute Stollen werden ebenfalls in vielen brandenburgischen Bäckereien gebacken. Unter Kennern sind sie längst kein Geheimtipp mehr.

Viel Betrieb herrscht in den Brandenburger Backstuben. In der Bäckerei und Konditorei Plentz in Schwante formen Guido Marzillier (r.) und Benjamin Fischer  den Teig für Marzipanstollen. 1877 wurde der Familienbetrieb gegründet. ZB

Aus Brandenburg kommt auch ein Produkt, das in der Weihnachtszeit keinesfalls fehlen darf – die Kerzen. Und zwar echte aus Wachs, die so herrlich duften. Kunststoff-Imitate mit blinkendem kalten LED-Licht sind für mich eher ein Ärgernis als eine festliche Erleuchtung. Im Fläming, unweit von Wiesenburg, gibt es jedenfalls eine Manufaktur, die seit fünf Generationen noch echte handgezogene Kerzen herstellt. Von ihr erfuhr ich, als ich nach Adventskalenderkerzen suchte, die in der DDR sehr beliebt waren. Auch diese werden in der Manufaktur hergestellt.

Im brandenburgischen Wiesenburg werden Kerzen in der Manufaktur  Buchal-Kerzen nach alter Handwerkskunst hergestellt. Bernd Friedel

Und weil wir gerade bei Dekorationen sind: Vielleicht sollte man bei dieser Gelegenheit den guten alten Nussknacker, die Weihnachtspyramide oder den Schwibbogen aus DDR-Zeiten wieder aus den Keller hervor holen. Die weihnachtliche Handwerkskunst aus dem Erzgebirge ist noch immer weltweit gefragt.

Auch in Deutschland: Sogar die Schwibbögen finden reißenden Absatz, wie mir jüngst ein Händler verriet. Dabei könnte man meinen, dass jeder Haushalt im Osten so einen hätte. Mein Vater hatte so einen sogar selbstgebastelt – natürlich in der Adventszeit, die auch Bastelzeit ist. Mir fehlt leider das Talent dazu.

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Dafür erfreue ich mich immer wieder an die Dinge aus unserer Region, die die vorweihnachtliche Zeit so zauberhaft machen. In diesem Sinne wünsche Ihnen noch eine schöne Restadventszeit!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
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