Alfred Biolek und Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit. Foto: Imago 

Am vergangenen Freitag ist Alfred Biolek gestorben. Und auch wenn ich weiß, dass er eigentlich viel mehr war, wird er für mich immer der gesellige Mann bleiben, der im Fernsehen mit Prominenten kochte und ihnen Unmengen an Wein für Informationen über ihr Leben bot. Es war die erste Kochshow, die ich – Jahrgang 1989 – in meinem Leben gesehen habe, aber längst nicht die letzte.

Mit Biolek kamen die Kochshows in mein Leben

Wie denn auch, man kommt an Kochsendungen ja kaum noch vorbei – und das schon seit Jahren. Auf Biolek folgten Johann Lafer und Horst Lichter. Zeitgleich zeigen längst der Brite Jamie Oliver und der Hamburger Tim Mälzer wie schnell mal leckere Gerichte zubereiten kann – und dass es durchaus dazugehören kann, ordentlich zu schimpfen.

Es gab eine Zeit, in der das ZDF in jeder freien Minute „Die Küchenschlacht“ oder die „Topfgeldjäger“ gezeigt hat. Auf Sat.1 läuft „The Taste“, bei Vox „Schlag den Henssler“ und „Kitchen Impossible“. Bei Netflix gibt es Dokus über Köche und sogar eine Serie über Tacos. Und jetzt kocht auch noch Jan Böhmermann bei „Böhmi brutzelt“. Kurz gesagt: Man kommt kaum, wenn man den Fernseher regelmäßig einschaltet, daran vorbei, dass man irgendjemandem beim Kochen zuguckt.

Erst Jamie Oliver, dann die Küchenschlacht

So ging es auch mir. Als Jugendlicher mit Jamie Oliver, später blieb ich als Student am Wochenende zum Aufwachen bei der Wochenzusammenfassung der Küchenschlacht hängen und was ich sah gefiel mir. Es hatte etwas Beruhigendes, einer Zwiebel dabei zuzusehen, wie sie von einem gut geführten Messer in ihre Einzelteile zerlegt wurde und es war schön zu sehen, dass Kochen keine Pflichtbeschäftigung ist, sondern unfassbaren Spaß machen kann – auch beim Zugucken.

Tim Mälzer hat mit seiner Show „Kitchen Impossible“ viele Fans. Imago/Stefan Wallocha

Ich fand Gefallen daran, zu sehen, wie man eine Mayonnaise anrührt, zu hören wie die Pfanne zischt, wenn sie abgelöscht wird, nur schmecken konnte ich nichts. Mir blieb nur meine Vorstellungskraft, als am Ende die leckeren Speisen probiert wurden.

Irgendwann habe ich dann selbst angefangen mit Kochen. Mit weniger Fleisch als in vielen Kochshows, natürlich auch mit weniger Chichi und vielleicht auch nicht ganz so ansehnlich. Aber: Ich musste mir den Geschmack endlich nicht mehr denken, sondern hatte ihn selbst im Mund: salzig, süß, sauer, bitter, umami. 

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Inzwischen schaue ich Kochshows nicht mehr wirklich, vielleicht zappe ich noch einmal im Jahr hinein, dafür stehe ich täglich in der Küche und mache (völlig unbescheiden) die wohl beste Spaghetti Carbonara nördlich der Alpen. Doch ob das ohne Mälzer, Henssler, Oliver und eben auch Alfred Biolek möglich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. 

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.