Das Sommerhaus der Stars kommt sieben Stunden in der Woche. TVNow

Fernsehen ist für viele Menschen eine nette Beschäftigung. Ein Hobby, ein Zeitvertreib, dem sie ein paarmal die Woche für ein paar Minuten oder auch mal eine oder zwei Stunden nachgehen wollen. In diesem Rhythmus passen rund halbstündige Daily-Soaps genau so gut in den Tagesablauf wie etwa zwei- oder dreistündige Formate einmal in der Woche. Doch was RTL jetzt im Herbst plant, könnte die Zuschauer überfordern. Hier wird Fernsehen zum Vollzeitjob!

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Offenbar hat RTL diesen Herbst eine Menge vor. Erst kommt im Oktober das „Sommerhaus der Stars“, im November kommt dann „Bauer sucht Frau“. Beides aber nicht wie üblich mit einer längeren Folge pro Woche, sondern als komplette Dröhnung.

Das „Sommerhaus der Stars“ läuft beispielsweise dreimal in der Woche: Eine (inklusive Werbung) dreistündige Sendung am Dienstag, eine zweistündige am Mittwoch, sowie eine einstündige am Donnerstag mit einem anschließenden einstündigen Talk! Mehr Sommerhaus in einer Woche geht nicht – und das dürfte zulasten der Zuschauer gehen, die sich die Show im linearen Fernsehen angucken.

Denn Hand aufs Herz: Wer hat in der Woche sieben Stunden Zeit für ein TV-Format? Natürlich, „Binge Watching“, das Schauen einer Serie am Stück, machen immer mehr Menschen. Auch ich kann mich schon mal in einer Serie verlieren. Doch in den meisten Fällen geschieht das freiwillig. Schließlich ist „Binge Watching“ ein Phänomen, das mit dem Siegeszug der Streaming-Plattformen groß geworden ist.

RTL zwingt die Zuschauer zum Binge-Watching

Dort ist der Dauer-Gucker selbst dafür verantwortlich, ob er sich noch eine Folge anschaut, bei RTL verhält sich das nun anders. Bereits das GZSZ-Spinoff „Nihat – Alles auf Anfang“ wurde in Dauerschleife gesendet: an zwei Tagen kamen jeweils fünf Folgen. Von 19.40 bis 22.15 waren Fans also vor dem Fernseher gefesselt – eine Art Binge-Watching-Zwang.

Timur Ülker hat mit „Nihat – Alles auf Anfang“ sein eigenes GZSZ-Spinoff erhalten. TVNow/Sebastian Geyer

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Fünf Stunden an zwei Tagen hier, sieben Stunden an drei Tagen dort. Diese Zeit muss man als Fan der beiden Formate zwischen Arbeit, Freunden, Hobbys und vielleicht auch Kindern erstmal haben. Und wer sie nicht hat und trotzdem alles mitbekommen will, was bei „Nihat“ und im „Sommerhaus der Stars“ abgeht, muss eben auf TVNow, die Streamingplattform der Sendergruppe zurückgreifen – ein Schelm wer dahinter Kalkül vermutet.

Auch das Dschungelcamp nimmt viel Zeit in Anspruch, kommt aber quasi live

Dass gewisse Formate durchaus viel Zeit in Anspruch nehmen, ist allerdings nichts gänzlich Neues. Das Dschungelcamp beispielsweise läuft, wenn es denn wieder so weit ist, auch zwei Wochen lang jeden Tag und beschränkt sich dabei nicht auf halbstündige Folgen. Doch das liegt an der Art der Produktion. Das Dschungelcamp wird eben tagesaktuell aufgezeichnet und gesendet, damit die Zuschauer darüber entscheiden können, wer in die Prüfungen muss und weiterkommt.

Bei einer fiktionalen Serie wie „Nihat – Alles auf Anfang“ oder dem Sommerhaus, dass bereits vor Monaten (im Sommer eben) aufgezeichnet wurde, ist das aber genauso wenig der Fall wie bei „Bauer sucht Frau“, das im November von seinen Zuschauern erwartet, zusätzlich neben dem Montagabend auch noch den Dienstagabend für die Show zu reservieren – oder sich eben TVNow zuzulegen.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.