Ein Besuch im Kino ist schon etwas besonderes - wenn man es sich leisten kann. Imago/Frank Sorge

Es ist knapp zwei Wochen her und wäre eigentlich nichts Besonderes gewesen, wenn wir es nicht noch immer mit der Corona-Pandemie zu tun hätten: Nach zwei Jahren bin ich mal wieder im Kino gewesen und eigentlich habe ich es nicht vermisst – bis ich eben wieder da war!

Der erste Kino-Besuch nach zwei Jahren war etwas besonderes

Mein letzter Film in Vor-Corona-Zeiten, das war „Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“. Es war der dritte Beweis dafür, dass die Macher der Sequel-Trilogie die Geschichte von „Star Wars“ nicht so recht verstanden haben. Und vielleicht hatte ich deshalb auch fast zwei Jahre keine große Sehnsucht nach den großen Sälen, in denen es immer ein bisschen zu sehr nach Popcorn und klebriger Käsesoße riecht und in denen immer eine Person sitzt, die jede Aktion kommentieren, oder schlimmer noch jeden Witz erklären, muss.

Kino, dachte ich zwischendurch, sei doch auch nur Fernsehen in groß, nervig und laut mit Sündhaft teuren Snacks. Völlig überflüssig, wo es doch zahlreiche Streaming-Anbieter gibt, die mir ein teilweise wirklich gutes Programm an Serien und Filmen aufs Sofa lieferten, ohne dass ich dafür eine ausgehtaugliche Hose anziehen musste.

Statt Kino genoss ich das Streaming auf dem Sofa

Ich ließ mich mit großen Freuden von „Dark“ verwirren, bestaunte bei „The Mandalorian“, dass es doch Menschen bei Disney gibt, die „Star Wars“ verstehen, holte zahlreiche Klassiker nach, die „man gesehen haben muss“ und tauchte auch weit in die Welt des Reality-TV ab.

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Im Winter 2020 kam The Mandalorian auf der Streaming-Plattform Disney+ Imago/Cinema Publishers Collection

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Doch nun habe ich mich eben mal wieder ins Kino gewagt. In eines, von dem ich wusste, dass dort die Corona-Regeln genau eingehalten werden. Und ich muss zugeben: Kino ist längst nicht einfach nur Fernsehen in groß – zumindest nicht bei jedem Film.

Der Film Dune war im Kino schon eine Erscheinung

Ich habe mir den Science-Fiction-Film Dune angeschaut. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1965 und ist einfach unfassbar bildgewaltig. Riesige Wüstenlandschaften, epische Küsten und Gebäude raubten mit fast den Atem. Dazu die Musik des deutschen Komponisten Hans Zimmer, die mich von allen Seiten umgab und nicht nur aus den kleinen Boxen am Fernseher zu mir herüberwaberte.

Rebecca Ferguson und Timothee Chalamet im Film Dune. AP/Warner Bros. Pictures

Ja! Es war ein Erlebnis ins Kino zu gehen. Denn dieser Film hätte zu Hause nicht annähernd so auf mich gewirkt wie in dem großen, nach Popcorn und Käsesoße riechenden Saal, zu dem ich mit einer eigenen Portion freilich beigetragen habe. Eigentlich würde ich es jedem und jeder empfehlen, doch das kann ich nicht. Denn der Gang ins Kino ist nicht nur ein Erlebnis, sondern auch ein Privileg.

Kino ist längst ein richtig teurer Spaß – und nichts für jedes Portemonnaie 

Kino-Karten kosten in den großen Häusern bei den begehrten Filmen inzwischen mehr als 15 Euro, kleinere Kinos bieten immerhin noch Karten um die 10 Euro an. Doch auch das kann längst nicht jeder zahlen. Wer Popcorn und ein Getränk will, ist schnell noch einmal einen Zehner los. Für alle älteren Semester: Wir sind hier für Eintritt und Snacks bei mindestens 40 DM – pro Person.

Die Film-Industrie ist aufgeblasen. Jeder will Gewinne machen und diese sollen freilich so groß wie möglich sein. Das fängt beim Kino an, geht über die Filmverleiher, die Gagen der Schauspielerinnen und Schauspieler bis hin zu den Produktionsfirmen und Investoren, bei denen freilich meist am meisten Geld hängen bleibt.

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Dass sich in absehbarer Zeit was ändert, ist nicht zu erwarten. Streaming-Anbieter sind da mit teilweise einstelligen Beträgen im Monat (für die ganze Familie) auch kein Schnäppchen, aber deutlich niederschwelliger und in Zeiten von Inzidenzen jenseits der 200 auch deutlich risikoärmer. Und wenn es auf dem Sofa nach Popcorn und Käsesoße riecht, ist es wenigstens die eigene.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.