Eine Szene aus Bauer sucht Frau: Bauer Hubert mit seinen Kandidatinnen Melanie (l.) und Andrea rechts. RTL/Stefan Gregorowius

Endlich sind die ersten Folgen der neuen Staffel von „Bauer sucht Frau“ gelaufen. Mehrere Bauern und eine Bäuerin wurden beim Scheunenfest ihren Kandidatinnen vorgestellt. In Netz wurde freilich wieder reichlich gelästert. Das gehört ja irgendwie um Reality-TV gucken dazu. Besonders Versicherungskauffrau Melanie geriet dabei ins Fadenkreuz der Fans. Der Grund: Ihre vegane Ernährungsweise. Diese sorgt auch bei anderen Formaten auf dem Second-Screen immer wieder für reichlich Diskussionen.

„Bauer sucht Frau“: Veganerin bekommt Shitstorm

Viele Zuschauer taten es als Unverschämtheit ab, dass Melanie dem Schweinebauern Hubert eine vegane Schokolade überreichte, um ihm vorsichtig einen Tipp darauf zu geben, dass sie sich vegan ernährt. Honig, so sagte sie, sei das einzige tierische Produkt, dass sie zu sich nehme.

Und Bauer Hubert? Der kicherte in sich herein. Fast wirkte es, als würde der 38-Jährige seine Bewerberin auslachen. Meint man es gut mit ihm, war es vielleicht Verlegenheit, weil er – obwohl es in Deutschland mehr als 1,1 Millionen Veganer gibt – zum ersten Mal in seinem Leben auf eine Veganerin traf.

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Tatsächlich wirkten seine Fragen so, als wüsste er nicht genau, ob vegane Ernährung vielleicht ansteckend sei. Und so versuchte er unter ständigem Kichern, das klang wie von einem Drittklässler, wenn es in der Schule um die Benennung primärer Geschlechtsmerkmale geht, herauszufinden, welche Auswirkungen eine vegane Partnerin denn auf ihn hätte.

Melanie (l.) macht Hubert ein Geschenk, dass ihr Geheimnis spielerisch verpackt: Sie ist Veganerin.  TVnow

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Ob wohl ein Ei okay ist, wollte er wissen. Oder ein Schnitzel? Eine Frage, die in vergleichbar ist, mit einem Raucher, der eine Nichtraucherin fragt, ob er sich denn beim Essen eine Kippe anmachen kann – und die Melanie einfach nicht richtig beantworten konnte. Nicht für Hubert und erst recht nicht für das Publikum. „Wenn du jeden Tag viel Fleisch essen würdest, fänd ich das nicht so gut!“, lautete ihre sehr diplomatische Antwort. Was sollte sie auch anderes sagen. „Ja, Hubsi. Schieb dir jeden Tag zwei Schweine in den Rachen. Das macht mich richtig scharf“ wäre ja irgendwie unglaubwürdig gewesen.

„Bauer sucht Frau“: TV-Publikum wittert Fleisch-Verbot

Dem Publikum lieferte sie damit, was es wollte. „Die verbietet ihm das Fleisch essen“ hieß es etwa auf Facebook entgegen dem tatsächlichen Dialog. Hinzu kamen kleinere bis mittlere Beleidigungen und diverse Anschuldigungen, Melanie würde nur ins Fernsehen wollen, habe den armen Hubert böse verarscht oder habe ihn nur belehren wollen.

Vorwürfe wie diese gegenüber Veganern oder veganer Ernährung im Allgemeinen gibt es auf dem sogenannten Second Screen – also den sozialen Netzwerken – immer wieder. Ein Format bei dem das auch immer wieder passiert, ist die ZDF-Küchenschlacht, die in letzter Zeit immer wieder vegetarische Küche zum Tagesmotto macht.

Viele Kommentare über vegane Ernährung sind kaum zitierfähig

Zitierfähig sind Kommentare wie: „Vegetarische oder gar vegane Küche ist nicht mein Ding“, die die Diversität dieser Ernährungsweisen völlig außer Acht lassen. Zudem fallen noch immer dümmliche Witzchen wie „Veganer essen meinem Essen das Essen weg“, oder es wird angeführt, dass der Sojaanbau viel Wasser verbrauche. Dass ein Großteil der weltweiten Sojaernte aber zur Ernährung von Vieh (also zukünftigem Fleisch) benötigt wird, wird da schnell mal unter den Tisch fallen gelassen.

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Und was wurde nun aus Hubert und Melanie? Nichts. Denn die Versicherungskauffrau zog die Reisleine, nachdem Hubert mit seinem Verhalten maximales Unverständnis für ihre Ernährungsweise gezeigt hatte, und ging. Eine nachvollziehbare Entscheidung, die ihr auch wieder schlecht ausgelegt wurde. Aber sie war ja auch die Veganerin in der Runde.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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