Die jüngsten Stars des Friedrichstadt-Palastes: Hier probt das Kinder-Ensemble für ihre aktuelle Gala „Neues Jahr - neues Glück“. Friedrichstadt-Palast/Nady El-Tounsy

Der Friedrichstadt-Palast gehört zu den besten Kulturtempeln mit Weltniveau, die der Osten zu bieten hat. Das war zu DDR-Zeiten so und gilt auch heute. Das bewies gerade der Erfolg der TV-Miniserie „Der Palast“, die im ZDF lief. Nicht nur ich war begeistert. Pro Folge sahen im Schnitt sechs Millionen Menschen zu. Besonders freut es mich, dass es trotz Corona  auf der Bühne  mit den Shows weitergeht. Vor allem, dass ab diesem  Wochenende auch die jüngsten Stars des Palastes endlich wieder ihr Können zeigen dürfen.

Was wäre das größte Revuetheater Europas ohne seinen Nachwuchs? Es wäre wie Berlin ohne Fernsehturm einfach undenkbar. Aus dem Kinder-und-Jugend-Ensemble des Friedrichstadt-Palasts ist so mancher großer Star hervorgegangen. Wie Sonja Gerhardt (32), die als Kind elf Jahre lang auf der Palast-Bühne tanzte, später in der ZDF-Kultserie „Kudamm' 56“ brillierte. Oder Alina Levshin (37), die eine gefeierte Theater- und TV-Schauspielerin wurde und in der Serie „Der Palast“ zu sehen war.

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Auch das heutige Kinder-Ensemble konnten die Zuschauer in dem TV-Knaller bestaunen, der während des Corona-Lockdowns am Jahresende 2020 im Friedrichstadt-Palast gedreht wurde. Die Truppe hat eine lange Tradition. Schon seit 1945 treten neben den großen Künstlern und Weltstars auch Kinder im Palast auf, verrät mir Christina Tarelkin (59). Auch sie war einst Mitglied des Kinder-Ensembles, studierte später Tanz und Choreografie und kam 1989 als Tanzmeisterin zurück zum Friedrichstadt-Palast. Sie ist heute die Leiterin der jungen Stars.

Sonja Gerhardt (Mitte) mit Claudia Michelsen, Maria Ehrich und Emila Schüle in der „Kudamm“-Serie des ZDF: Einst tanzte die Schauspielerin im Kinder-Ensemble des Friedrichstadt-Palastes. ZDF/Michael Schreitel

260 Mädchen und Jungen tanzen in dem Ensemble

In dem Ensemble tanzen, singen und schauspielern 260 Mädchen und Jungen zwischen sechs und 16 Jahren. Die Kinderrevuen oder die Young-Shows, wie sie heißen, sind mit ihren Aufführungen vor allem zur Weihnachtszeit der Publikums-Hit. „Doch wegen Corona hatten wir zwei Jahre lang keine Auftritte mehr“, sagt Tarelkin.

Eine Szene aus der Revue „Spiel mit der Zeit“ wird geptobt, die das Kinder-Ensemble in ihrer neuen Gala zeigt.  Friedrichstadt-Palast/Nady El-Tounsy

Aber die Mädchen und Jungen trainierten weiter hart. „Lange Zeit fanden die Proben per Computerübertragungen statt“, sagt die Leiterin. Trainer und Choreografen gaben im Ballettsaal des Friedrichstadt-Palasts vor der Kamera ihre Anweisungen, die Kinder übten danach daheim vor dem PC.

Der Friedrichstadt-Palast: Sein Kinder-Ensemble hat ebenfalls Weltniveau. Friedrichstadt-Palast

Ihre Mühe wird  belohnt. Denn das Ensemble tritt jetzt wieder mit einer Gala auf. „Neues Jahr - neues Glück“ heißt sie, ein Best-of vergangener Young-Shows wie „Im Labyrinth der Bücher“ oder „Verrückte Sonne“. „Die Freude ist bei allen unbeschreiblich groß, endlich wieder auf der Bühne zu stehen“, sagt Tarelkin.

Vom 15. bis  23. Januar findet die Gala statt – allerdings nicht im Friedrichstadt-Palast. Weil es dort noch Baumaßnahmen gibt und die Bühne für die laufende große Revue freigehalten werden muss, tritt das Kinder-und Jugend-Ensemble im Großen Saal des Fontane-Hauses (Königshorster Str. 6) im Märkischen Viertel auf.

Wie bei den großen Palast-Tänzern: Mit prachtvollen Kostümen treten auch die Akteure des jungen Ensembles auf. Friedrichstadt-Palast/Nady El-Tounsy

Die Shows beginnen am Wochenende um 15.30 Uhr, werktags um 17 Uhr. Es gilt die 2G-plus-Regel, ein tagesaktueller Test und FFP2-Masken sind notwendig. Die Karten gibt es ab 9,80 Euro über die Internetseite des Friedrichstadt-Palasts. „Wenn alles gut läuft, werden wir in diesem Jahr im November wieder in unserem Haus auftreten“, sagt die Leiterin. Ich drücke schon einmal die Daumen, dass es klappt.

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com