Hier werden rote Johannisbeeren geerntet im Garten zum Marmelade einkochen (Symbolfoto)
Hier werden rote Johannisbeeren geerntet im Garten zum Marmelade einkochen (Symbolfoto) Imago/imago stock&people

Liebe Leserinnen und Liebe Leser,

erinnern Sie sich an den herrlichen Geschmack von frisch eingekochter Erdbeermarmelade, wenn man als Kind den Topf ausschlecken durfte?

Kurz vor dem vergangenen Wochenende rief mich eine gute Freundin an und lud mich in ihren Garten ein. Ich solle nur genügend Gefäße mitbringen, die Kirschen und Beeren seien reif. Ich freute mich auf einen entspannten Nachmittag, Obst im Bauch bis der rumpelt, und ein paar gut gefüllte Vorratsdosen für die kommende Woche.

Der Garten voller Früchte wie im Paradies

Als ich den Garten betrat, traute ich meinen Augen nicht: Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, rote, weiße und schwarze Johannisbeeren prangten in einer Üppigkeit an Bäumen und Sträuchern, dass ich meinte, mitten im Paradies angekommen zu sein. „Greif zu und iss dich satt“, ermunterte mich meine Freundin. Das war dann schneller erreicht als gedacht.

Nach dem gemütlichen Nachmittagskaffee holte ich die Vorratsdosen aus der Tasche. Meine Freundin schaute sie mitleidig an und brachte drei kleinere Eimer an. Was soll ich mit so viel Obst anfangen, fragte ich ratlos. „Einkochen oder Marmelade machen“, kam die prompte Antwort. Hm, das hatten früher meine Oma und meine Mama gemacht, ich selbst noch nie. Und schon erntete ich jede Menge guter Ratschläge zwischen Hygieneregeln, Füllmengen, unterschiedlichen Gelierzuckern – und dem Hinweis aufs Internet, wo das 1 x 1 des Haltbarmachens von Obst Schritt für Schritt erklärt wird. Auch beim KURIER haben wir zahlreiche Rezepte und Anleitungen.

So ganz überzeugt war ich immer noch nicht. Aber als ich die Mengen Obst sah, die Aromen der reifen Früchte roch und darüber nachdachte, dass mir das alles die Natur und meine Freundin geschenkt hatten, wuchs die Lust auf einen Abend in meiner Küche.

Allerbeste Tipps zum Einkochen von der Freundin oder aus dem Internet

Auf dem Weg nach Hause kaufte ich Schraubgläser (sehr praktisch), Gelierzucker 3:1 und zwei Vanilleschoten. Mein Mann schaute skeptisch auf mein Treiben und verzog sich Richtung Fernseher. Nicht lange, denn als der Duft meines Beeren-Mixes durch die Wohnung zog, war er schnell wieder da und wollte auch gleich die verschiedenen Köstlichkeiten probieren. Ich vertröstete ihn auf später.

Aus Zucker und Erdbeeren wird im Kochtopf Marmelade.
Aus Zucker und Erdbeeren wird im Kochtopf Marmelade. Imago/Shotshop

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Insgeheim fühlte ich mich wie eine Mischung aus meiner Großmutter, einer bekannten TV-Köchin und Barbara Blocksberg. Am Ende des Abends hatte ich zehn Gläser Kompott eingeweckt und zehn kleine Gläser Marmelade gekocht. Mein Mann leckte die Töpfe aus und meinte, dass dies so wie einst bei seiner Oma schmeckt. Ich war stolz wie eine Erfinderin auf mein Werk, das inzwischen in der Vorratskammer steht. Diesen Sommer habe ich in Gläsern eingefangen. Das hat so viel Spaß gemacht! Und bald werden im Garten meiner Freundin Äpfel und Birnen reif sein. Ein Glas dieser göttlichen Beeren-Marmelade bringe ich ihr natürlich mit.

Und: Ich werfe nie wieder Schraubgläser in den Glascontainer. Die warten auf eine Wiederverwendung in meiner Küche.

Ihr plötzlich experimentierfreudiges Küchenwunder

Sabine Stickforth

KURIER-Autorin Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag über das Leben über 50 in Berlin.
Kontakt über wirvonhier@berlinerverlag.com