Der Botanische Volkspark Blankenfelde in Pankow: das Wildgehege ist ein beliebter Anziehungspunkt im Park. Eric Richard

An schönen Tagen am Wochenende pilgert halb Pankow in den Volkspark, den  Botanischen Garten in Blankenfelde. Auch außerhalb ist der einst größte Schulgartens Berlins  bekannt und beliebt. Anziehungspunkt für alle Gäste ist das Café Mint in einem der historischen Gewächshäuser.

Doch seit einer folgenreichen Entscheidung  herrscht Unruhe in der grünen Idylle. Kurz vor Weihnachten entzog der Bezirk Pankow der landeseignen Grün Berlin den Auftrag zur Pflege und Entwicklung des Parks.  Pankow ist klamm, daher wurde der Bewirtschaftungsvertrag nach zehn Jahren  gekündigt.

Grünflächenamt Pankow soll den Park pflegen

Doch nun soll sich ausgerechnet das Amt, welches in Pankow den bitteren Namen Grauflächenamt oder Grünflächenvernichtungsamt trägt,  um  die Perle im Norden des Bezirks kümmern. Das kündigte die zuständige Umweltstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) an.  Wer einen Blick in Pankows Grünanlagen wirft, dem kann bei dem Plan Angst und Bange werden.

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Dass das gut geht, bezweifeln auch die Grünen in Pankow  und fordern zumindest einen einjährigen Aufschub für den Botanischen Garten.  Immerhin waren für  die Weiterentwicklung des Parks zum Lernort im Haushalt 2022 der Grün Berlin GmbH mehrere Millionen Euro Landesmittel vorgesehen. 

„Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sieht den Fortbestand und die weitere Entwicklung des Botanischen Volksparks gefährdet“, hießt es denn auch in einer Mitteilung der Grünen.  Die Grünen forderten in der BVV, „den Vertrag zur Bewirtschaftung des Volksparks mit der landeeigenen Grün Berlin GmbH um ein Jahr zu verlängern, in der dadurch gewonnenen Zeit den erforderlichen neuen Vertrag mit der Grün Berlin GmbH zu erarbeiten und darüber hinaus zusätzlich Mittel aus dem Landeshaushalt zu verhandeln.“

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„Das Straßen- und Grünflächenamt wäre mit der Bewirtschaftung und Weiterentwicklung des Botanischen Volksparks überfordert“, sagt die bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende Almuth Tharan. Mit der Entscheidung werde die Entwicklung des Botanischen Volksparks zu einem Ort der Umweltbildung und Erholung mit überregionaler Bedeutung gestoppt

Grünflächenamt schon 2009 überfordert

Schon im Jahr 2009 übergab der Bezirk die Bewirtschaftung des Botanischen Volksparks der landeseigenen Grün Berlin GmbH, weil sich das Straßen- und Grünflächenamt mit der Bewirtschaftung insbesondere konzeptionell und personell überfordert sah, führen sie Grünen aus. Daran hat sich bis heute wenig geändert, die  Pankower CDU fordert für das Amt neue Stellen - 138  Mitarbeiter würden benötigt.  Dass die aber kommen, ist unrealistisch.

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Wie soll also eine unterbesetzte Behörde, die immer wieder in der Kritik stand weil sich fachlich und ökologisch fragwürdig auf Spielplätzen und in Parks agierte, einen ganzen Park mit historischen Gehölzen stemmen? 

Café Mint auf dem Prüfstand 

Mitten in dem politischen Gezerre verkauft Café -Betreiber Tom Rolleston weiter seine Torten und Scones im Gewächshaus. Doch mit dem Wechsel des Betreibers steht auch sein Café auf dem Prüfstand.  Es gebe Probleme mit der Temperatur und der Feuchtigkeit, meldete die bezirkliche  Lebensmittelaufsicht.  

Ein Umbau oder ein Umzug stehen im Raum. Betreiber Tom Rolleston will sich noch nicht zur Zukunft seines Cafés äußern. „Schon immer war es ein Provisorium“, sagt er.  Kurze Verträge erlaubten kaum Investitionen in dauerhafte Infrastruktur.  Die Zukunft der Idylle im Norden Pankows ist in vielerlei Hinsicht offen. Es muss gelingen, eine gute Lösung für alle Beteiligten und die Besucher zu finden. 

KURIER-Autorin Stefanie Hildebrandt schreibt regelmäßig über Berlins Kieze.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com