Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über Geschichten aus der Flimmerkiste. Princess Charming Irina und ihre Auserwählte Lou beim Date. Foto: TVNow

Was war das für ein Finale! Eigentlich müsste man meinen, als langjähriger Reality-TV-Beobachter wäre ich längst abgestumpft gegen jeden Anflug von Romantik, der sich bei Dating-Formaten breitmacht. Doch das Finale von „Princess Charming“ war anders. Es war echt, liebevoll und wunderschön!

„Princess Charming“ ist anders, „Princess Charming“ ist besser

Von Anfang an war „Princess Charming“, die erste lesbische Dating-Show weltweit, anders als die Vorbild-Formate „Bachelor“ oder „Bachelorette“. Denn dort lag der Fokus auch immer wieder auf Zoff und Missgunst unter den Kandidatinnen und Kandidaten. Doch bei „Princess Charming“ fand das nicht statt. Als ein Zoff in der ersten Folge eskalierte, zeigte die Produktion das Material bewusst nicht.

Die vier Halbfinalistinnen bei „Princess Charming“: Bine, Miri, Lou und Elsa (v.l.) TVNow

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Statt Zoff gab es Freundschaft, Aufklärung darüber, was es heißt, als lesbische Frau in unserer Welt zu leben, und das, was zahlreiche Staffeln „Bachelor“ und „Bachelorette“ immer wieder versprochen und doch nur selten halten konnten: echte, ehrliche Gefühle, die man den Protagonistinnen auch abnahm.

„Princess Charming“ bietet echte Gefühle

Ich fühlte mit Princess Irina Schlauch, als diese sich ab dem Halbfinale immer schwerer mit ihrer Entscheidung tat, welche Frauen sie eine Runde weiter lassen sollte. Der sonst so analytischen Anwältin brach plötzlich die Stimme und sie konnte die Tränen nicht zurückhalten – und das ging nicht nur ihr so: Als Princess Irina Kandidatin Miri die Kette abnahm, schluchzten auch die drei verbliebenen Kandidatinnen. Wahres Mitgefühl!

Ohne Missgunst im „Princess Charming“-Finale: Elsa (l.) und Lou. TVNow

Und auch im Finale, das mit Dates aus der RTL-Rumpelkiste (Kaffeesatzlesen und Stadtrundfahrt) aufwartete, war eine besondere Stimmung zu spüren. Die Finalistinnen Elsa und Lou begegneten sich nicht mir Argwohn, sondern wünschten sich Glück. Sie zeichneten das Bild von Frauen, die das Format verstanden hatten. Sie wussten, dass die „Princess Charming“ beide kennenlernen musste, um sich am Ende für eine der beiden zu entscheiden.

„Princess Charming“ hat mehr Gewinnerinnen als Siegerin Lou

Das Rennen machte Saarländerin Lou. Doch am Ende hat die Show viel mehr Gewinnerinnen. Die neun Folgen, die bislang nur auf TVNow ausgestrahlt wurden, haben viel für Sichtbarkeit lesbischer Frauen und weiblicher Sexualität getan. Themen wie Transphobie oder Vulven wurden besprochen, anstatt sie zu tabuisieren, und es wurde gezeigt, das lesbische Liebe wenn man sie lässt, so ist, wie jede Liebe: wunderschön.

Das kam auch beim Publikum an. Die RTL-Gruppe jubelte über starke Abrufzahlen. Noch in diesem Jahr sollen die Folgen im klassischen Fernsehen bei Vox laufen. Und auch eine zweite Staffel ist geplant – und ich kann es kaum erwarten, sie zu sehen.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens. Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.