Junge Menschen baden an einem Strand an der Ostsee - aber gibt es das wirklich nur im Osten? Foto: Imago/Harald Lange

Mit dem Wort FKK verbindet man noch immer nur eine Himmelsrichtung – den Osten! Wenn es auf dieser Welt ein Land gab, in dem sich die Menschen besonders gerne splitterfasernackt am Strand oder auf Badewiesen zeigten, dann war es offenbar nur die DDR. Ich kann mich noch an einem Witz aus der Nachwendezeit erinnern, der da lautete: „Woran erkennt man einen Ossi? Wenn jemand sofort nackt ins Wasser springt!“ So ein Quatsch! Klar, war und ist FKK im Osten beliebt (wir hatten ja auch sonst nichts). Aber so prüde, wie man immer glaubt,  war und ist der Westen des Landes auch nicht.

Wie ich auf darauf komme? Ganz einfach: Vor kurzem tauchte eine Meldung auf, dass der FKK-Bereich im Strandbad Wannsee wegen der Corona-Maßnahmen in diesem Sommer geschlossen bleibt beziehungsweise aus Gründen des beschränkten Besuchereinlasses nur in Badebekleidung oder für Frauen zum Oben-Ohne-Sonnen genutzt werden darf.

Nackter Badespaß am Müggelsee oder an der Ostsee - in der DDR war FKK kein Problem. Foto: Gerd Rattei

Ich staunte: Nicht, dass der FKK-Strand dort zu ist, sondern, dass es im Strandbad Wannsee überhaupt einen gab. Dass es einen am Müggelsee gibt, ist ja klar! Der liegt ja auch im Osten Berlins (und ist offen). Aber im Westteil ein FKK-Strand und dann noch am noblen Wannsee, und das schon seit Ewigkeiten – da war ich platt.

FKK-Strände nur im Osten? Auch am Wannsee gibt es einen

Dabei ist die Hauptstadt schon seit fast 100 Jahren ein Paradies für Nudisten. Einer der ersten Freikörperkulturvereine wurde 1923 mitten in Kreuzberg gegründet. Der FKK-Sportverein FSV Alfred Koch, nach seinem Gründer benannt, gibt es heute noch.

Selbst im guten, alten Westberlin hatte das hüllenlose Baden und Sonnen Tradition, genauso wie im Osten. Ein Nackedei-Sportverein im Grunewald wurde sogar in den prüden 50er-Jahren gegründet. Laut Vereinsauskunft hatte die Zulassungsurkunde der damaligen und bis heute legendäre Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter unterschrieben.

FKK im Westen Berlins: Am Teufelssee ist es kein Problem, sich nackt im und am Wasser zu zeigen.  Foto: Imago/Zeitz

Von wegen, man zog sich nur im Osten aus! Man höre und staune: Den FKK-Strand im Strandbad Wannsee gibt es bereits seit den 70er-Jahren, wie eine Sprecherin der Berliner Bäderbetriebe mitteilt. Am Plötzensee, am Halensee, Schlachtensee, dem Grunewaldsee, sogar am Teufelssee unter der einstigen Ami-Abhörstation am Teufelsberg gibt es Badebereiche, in dem man sich im Westteil Berlins hüllenlos zeigen durfte – und das dort auch heute noch darf.

Wer noch immer naserümpfend feststellt, FKK sei eine „Unsitte“ des Ostens gewesen, weil es dort sonst keine Freiheiten gab, sei damit eines Besseren belehrt: Der Westen hat beim Nacktsein kräftig nachgezogen – zum Glück für alle Nackedeis in Berlin.