KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke hat auf einer Bank im Tierpark Pittiplatsch getroffen und gratuliert seinem Liebling zum 60. Geburtstag. Gerd Engelsmann

Platsch-Quatsch – endlich sitze ich auf der Bank neben Pittiplatsch im Tierpark, um am heutigen Freitag dem Liebling aus meinen Kindertagen zum 60. Geburtstag zu gratulieren. Ich will unbedingt einer der Ersten sein und ungestört mit dem Star sprechen, bevor hier am Sonnabend (18. Juni) die große RBB-Fete für den kleinen Kult-Fernsehkobold steigt. Ich bin froh, dass wir alleine sind.

Denn was ich Pitti zu sagen habe, ist sehr persönlich. Doch Ihnen will ich es verraten, meine Liebesbeichte an eine Fernsehfigur. Es mag ja verrückt klingen: Aber ich liebe meinen Pitti noch immer heiß und innig, obwohl ich längst kein Kind mehr bin, sondern ein alter Kerl, der nur vier Jahre jünger als Pittiplatsch ist und eigentlich nicht mehr mit Puppen spielen sollte. Ich tue es aber dennoch und drücke den Pitti neben mir auf der Bank ganz fest an meine Brust.

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Pittiplatsch: Überglücklich, als ich die Spielzeugfigur bekam

So wie damals, als ich fünf Jahre alt war und meine Eltern mir zum Nikolaus eine Pittiplatsch-Figur in meine Hausschuhe legten. Ach war ich glücklich! Wie lange hatte ich doch Mutter und Vater gequält, um endlich eine Pittiplatsch-Puppe zu bekommen.

Ich werde nie vergessen, wie ich den kleinen Kerl mit Armen, Beinen und Bauch aus Plüsch und einem Hartplastekopf mit Stoppelhaaren zum ersten Mal an mich drückte. Und diese wunderbaren großen leuchtenden Augen, die mich anschauten - und die herausgestreckte Zunge fehlte auch nicht.

Eine Pittiplatsch-Spielzeugpuppe aus den 70er-Jahren Ebay/privat

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Die Puppe war so, wie ich sie vom Bildschirm kannte. Ein liebenswerter Kinderrebell zum Knuddeln, der viel Unsinn verzapfen konnte, was ich nie durfte. Meine Eltern wären jedenfalls nicht begeistert gewesen sein, wenn ich ihren Staubsauger zu einer Rakete umgebaut hätte, so wie es Pitti tat.

Ernie aus der Sesamstraße: Nur eine billige Pittiplatsch-Kopie

Sicher, ich hatte neben dem Pittiplatsch auch den Ernie aus der Sesamstraße des Westfernesehens toll gefunden. Doch mit seinen Späßen und Blödsinn wirkt er auf mich bis heute wie eine billige quietschbunte Pitti-Kopie. Und so einen tollen Satz wie „Ach du meine Nase“ hat Ernie nie drauf gehabt. Gut, Ernies geniale Lache war konkurrenzlos, die man nur schwer nachmachen konnte. Aber Pittis nasales „Ach du meine Nase“ kann bis heute jedes Kind problemlos nachahmen.

Mit Ernie aus der Sesamstraße konnte sich unser Autor nicht so richtig anfreunden. 1969 hatte die Puppe im US-Fernsehen ihren ersten Auftritt, seit 1973 ist sie in Deutschland zu sehen. imago-images/stock&people

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Nein, an Pitti kann keine andere TV-Figur heranreichen. Und von Ernie konnte man auch nichts lernen – aber von Pittiplatsch. Als ich einmal als Kind den Plasteschirm einer Lampe zerdeppert hatte, klebte ich die Einzelteile heimlich wieder zusammen und präsentierte mit ganz unschuldsvollen Augen wie mein Pittiplatsch meiner Mutter das „Kunstwerk“. Sie war sprachlos und wusste nicht, ob sie sich nun über die kaputte Lampe ärgern oder sich über mein Basteltalent freuen sollte.

Ich habe mit Pitti viel erlebt, nicht nur vor dem Fernseher. In meinem Rucksack saß er, wenn ich mit meinen Eltern in den Thüringer Wald reiste, sogar in den Kindergarten nahm ich die Puppe heimlich mit. Diese Abenteuer überstand er nicht ganz unbeschadet. Nach einem Jahr hatte mein Pitti keine Augen mehr, die Farbe war abgeplatzt.

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Der KURIER-Autor und Pitti sind noch immer ein Herz und eine Seele. Gerd Engelsmann

Vielen Dank  für die Stunden, mit denen du unsere Kindheit verschönert hast!

Und dann war er zu Weihnachten plötzlich weg! Wie froh war ich, als am Heiligabend unter dem Tannenbaum mein Pitti wieder mit Augen saß, die Vater ihm neu angemalt hatte. Es war das schönste Weihnachtsgeschenk. Wo die Puppe nun heute steckt – ich weiß es leider nicht. Ich weiß nur, dass der Kobold aus meinem Herzen nie verschwinden wird.

Ja, mein lieber Pitti, es ist so schön, hier im Tierpark neben dir zu sitzen. Herzlichen Glückwunsch zum 60. und vielen Dank für die Stunden, mit denen du unsere Kindheit verschönert hast!

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com