Pierre Brice und Gojko Mitic reiten im Karl-May-Film „Unter Geiern“ gemeinsam. Foto: Rialto Film GmbH

 Wenn der Sommer ins Land kam, da ritten im Osten des Landes die Indianer. Das war einst bei den Sommerfilmtagen der DDR, die auf den Freilichtbühnen zwischen Ostsee und Erzgebirge stattfanden. Der Höhepunkt war natürlich der damals fast jährlich anstehende neue Kinofilm mit Defa-Chefindianer Gojko Mitic, dem Jung und Alt begeistert entgegen fieberten.

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Auf der anderen Seite gab es auch einen Chefindianer. Der Franzose Pierre Brice, der als Winnetou in den westdeutschen Karl-May-Filmen jahrelang erfolgreich auf der Leinwand zu sehen war. Allerdings nicht für die Fans in der DDR. Sie mussten die Filme heimlich im Westfernsehen schauen.

Denn obwohl der Radebeuler Schriftsteller Karl May ein „Ossi“ war, waren seine Bücher und auch die Filme im Osten tabu. Erst in den späten 80er-Jahren besannen sich die DDR-Funktionäre. Karl May wurde gedruckt, die Winnetou-Filme kamen ins Kino, wurden zu Weihnachten im DDR-Fernsehen gezeigt.

Dennoch mussten erst viele Sommer vergehen, bis nun die Chefindianer aus dem Osten und Westen endlich vereint wurden. Dank der Ausstellung „Ost/Western - Kino, Kult und Klassenfeind“, die in der Kunsthalle Rostock eröffnet wurde. Sie widmet sich den DDR-Indianer-Filmen und den westdeutschen Karl-May-Filmen. 

Der Schauspieler Gojko Mitic wird bei der Eröffnung der Schau Ost/Western - Kino, Kult und Klassenfeind vor der Kunsthalle Rostock. von den Fans stürmisch gefeiert. Foto: dpa

Man staunt: Anhand von Filmausschnitten wird deutlich, dass sich die Streifen sehr ähnlich sind. Ob in den Defa- oder in den Karl-May-Filmen: Es wurde geschossen, da wurde sich in den Saloons geprügelt, und immer gab es einen Schurken, den es zu besiegen galt. Am Ende gewann im Osten wie im Westen das Gute über das Böse.

Ost- und West-Chefindianer vereint: Sie kämpften immer gegen das Böse

Und noch etwas Erstaunliches gibt es zu entdecken: Bevor Gojko Mitic Chefindianer der Defa wurde, ritt er auch in einigen Karl-May-Filmen mit. Wie im Film „Unter Geiern“ (1964), als er als junger Häuptling an der Seite von Winnetou Pierre Brice zu sehen war. Zwei Jahre später feierte Mitic in der DDR mit „Die Söhne der großen Bärin“ seine Premiere als Chefindianer.

Schade, dass Pierre Brice die Schau in Rostock nicht mehr erleben kann. Der Schauspieler starb 2015. Aber unser Gojko kam. Der 81-jährigen Star machte klar, warum die Defa-Indianerfilme doch so anders und vielleicht sogar besser als die Karl-May-Filme waren.

Gojko Mitic vor einem Häuptlingsfederschmuck, den er in einem der Defa-Indianerfilme trug. Foto: dpa

Die Defa-Filme seien näher an der historischen Geschichte der Indianer gewesen. Dabei sei es vor allem um die Darstellung des Schicksals der Ureinwohner Amerikas gegangen. „Was wir Europäer denen angetan haben, kann kein Mensch wieder gutmachen. Das haben wir gezeigt“, sagte Mitić. Er habe Häuptlinge gespielt, die wirklich gelebt haben. Zu sehen ist die Ausstellung in Rostock bis zum 29. August. Eintritt: 10 Euro.

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
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