Alexander Klaws gewann als Mülli Müller bei „The Masked Singer“. Für viele Fans war das keine Überraschung. dpa/Rolf Vennenbernd

Als ProSieben im Sommer 2019 die erste Staffel von „The Masked Singer“ ausstrahlte, hätte in der Senderzentrale in Unterföhring wohl niemand damit gerechnet, was für ein Erfolg die Rateshow werden würde. Um die 25 Prozent bei der Werberelevanten Zielgruppe haben sich die Quoten eingepegelt. Die Mischung aus Musik, aufwändigen Kostümen, großen Stars, Ratespielen und Spannung zieht immer wieder Millionen vor den Fernseher. Doch glaubt man echten Fans, nimmt letztere immer mehr ab.

„The Masked Singer“: Ein Format mit viel Liebe und Aufwand

Ich schaue „The Masked Singer“ unregelmäßig. Auch in dieser Staffel habe ich nicht alle Folgen gesehen. Genauer gesagt waren es nur zwei: die erste und die vierte. Beide haben mir gut gefallen. Das Format ist einfach mit viel Liebe gemacht und überzeugen sogar einen Gesangsshow-Muffel wie mich.

Andere schauen „The Masked Singer“ mit großer Inbrunst, so wie unser KURIER-Kollege, der das Format seit den letzten Staffeln betreut. Immer wieder klagte er mir sein Leid, denn anders als ich, der das Format so vor sich hinschaute, setzte er sich als großer Fan eingehend mit dem Format auseinander. Spekulierte mit anderen auf Facebook über die Theorien und musste feststellen: Er kannte die Namen aller Promis, schon bereits bevor sie enttarnt wurden. Und das ließ ihn ratlos zurück.

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Christina Stürmer war bei „The Masked Singer“ die Heldin. Die Fans wussten es von der ersten Minute an. dpa/Rolf Vennenbernd

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„The Masked Singer“ scheint inzwischen so beliebt und mit einer so erfahrenen, wie engagierten Fangemeinde ausgestattet zu sein, dass die Schwarmintelligenz bereits nach der ersten Folge die fast die komplette Besetzung ausfindig machen konnte.

Ein Blick auf Instagram oder Facebook verriet es: Nach dem ersten Auftritt der Heldin waren die Kommentarspalten voll mit dem Namen Christina Stürmer, auch die Namen Sandy Mölling für die Raupe und Alexander Klaws für Mülli Müller kursierten direkt von Beginn an. Im Finale war für alle Hardcore-Fans der Drops längst gelutscht.

„The Masked Singer“: Was kann die Produktion ändern?

Was bedeutet das nun für „The Masked Singer“? Die Produktion kann nicht viel verändern. Und ohnehin liegt es nicht an ihr. Die Hinweise auf die Stars in den Kostümen erscheinen mir als unregelmäßigem Zuschauer bereits kryptisch genug.

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Auch, dass Sandy Mölling sich bei „The Masked Singer“ in der Raupe versteckte, überraschte die Fans nicht. dpa/Rolf Vennenbernd

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Doch die Schwarmintelligenz in den Gruppen der eingefleischten Fans weiß diese Hinweise mit einem starken Gehör für die Stimmen dennoch in passende Prognosen zu verwandeln – und raubt den einzelnen Schwarmgliedern damit die Spannung.

„The Masked Singer“ hat das Problem nicht alleine

Das ist schade, aber längst kein Alleinstellungsmerkmal von „The Masked Singer“, das ja immerhin den Vorteil hat, live gesendet zu werden. Andere Formate wie beispielsweise die Pseudo-Reality-Doku „Die Wollnys“ erzählen beispielsweise Geschichten, die die Fans bereits kennen, da die Aufzeichnungen Monate her sind. Jüngstes Beispiel die Schwangerschaft von Sarafina Wollny, die erst auf Instagram und Monate später im TV Thema war.

Auch bei Reality-Formaten wie „Temptation Island“ zeichnet sich auf Instagram trotz Geheimhaltungs-Gebot ab, welche Paare auch nach der Treuetest-Show noch zusammen sind und welche nicht.

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In allen Fällen gilt: Wer das volle TV-Vergnügen will, darf sich nicht selbst im Netz spoilern. Selbst schuld, quasi. Doch auf der anderen Seite ist es ganz natürlich, dass Fans eine gewisse Neugier treibt. Sie recherchieren, lesen Berichte oder tauschen sich mit anderen Fans aus, weil sie sich eben für das Format interessieren? Einen Königsweg gibt zwischen Spannung und Interesse gibt es nicht – und am Ende spoilert man sich meistens selbst!

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.