Fachkräfte, die sich mit Gasthermen auskennen, sind dieser Tage äußerst gefragte Experten.
Fachkräfte, die sich mit Gasthermen auskennen, sind dieser Tage äußerst gefragte Experten. imago/fototox

Kennen Sie einen Handwerker? Wenn ja, pflegen Sie um Himmels willen diese Bekanntschaft. Denn nie war sie so wertvoll wie heute. Handwerker, das sind jene speziell ausgebildeten Männer und Frauen, die etwas können, was Sie wahrscheinlich nicht können. Es sind Leute, die immer einen flotten Spruch auf der Zunge haben und sich früher über einen Auftrag freuten. Heute gehen sie im Zweifelsfall nicht mal mehr ans Telefon. Keine Zeit und viel zu tun.

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Das merken gerade Eigenheimbauer, von einem Kamin träumende Menschen und Leute, die einfach gern  klimabewusstere Technik im Haus hätten. Fachkräftemangel ist seit Jahren das etwas ausgeleierte Stichwort, aber die akute Gaskrise setzt dem Ganzen nun die Schiebermütze auf. Denn die Forderung der Stunde lautet: Es soll an allen Ecken und in jedem Kessel gespart werden. Weil das Gas sehr knapp zu werden droht. Und auch, weil die Menschen Angst vor utopischen Preisen für ein warmes Zuhause haben. Helfen sollen dabei vor allem Heizungsinstallateure. In vordigitalen Zeiten durfte man sie auch Klempner nennen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat gerade nachdrücklich angemahnt, dass Eigentümer von Häusern mit Gasheizungen einen Heizungscheck machen müssen. Am besten noch vor diesem Winter. Das findet die Branche zwar o.k., schränkt aber auch ein. „Die Auftragsbücher sind im Moment so gut gefüllt wie selten – für den Sommer ist es ein absoluter Höchststand“, sagt Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) nach einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern. Diese ergab auch: Im Durchschnitt sind die Firmen für 18 Wochen ausgelastet. Wenn ich richtig nachgerechnet habe, ist das bis Ende November. Da liegen in unserer Region die durchschnittlichen Nachttemperaturen bei etwa 3 Grad.

Verzweifelte Heizungsbesitzer betteln um einen Termin

Jemand, den ich gut kenne, ist Meister im Heizungs-Installateur-Wesen. Wenn er angefahren kommt, ist das auch groß auf seinem Auto zu lesen. Früher war das einfach nur Werbung in eigener Sache. Nun aber erzählt er, dass ihn inzwischen schon verzweifelte Heizungsbesitzer auf öffentlichen Parkplätzen anflehen. „Haben Sie nicht doch noch einen Termin für uns?“ Er kann dann nur antworten: „Na klar. Nächstes Jahr gern.“ Und das war noch, bevor Robert Habeck mit seinem Heizungscheck-Avanti für etwas Amüsement in der Branche sorgte.

Zwar findet der Verband Habecks Vorstoß in Ordnung, lässt aber verlauten, Geduld müsse man natürlich schon mitbringen. „Man kann nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren. Das ist völlig unrealistisch.“

Ein bisschen erinnert mich das alles an die Handwerker-Malaise in der DDR.  Hatte man in jenen Zeiten eine dringende Bitte an einen privaten Handwerker oder eine PGH (das waren die genossenschaftlichen), hieß es außer „Kein Material!“ immer „Keine Leute, keine Leute!“ Was dann manchmal half, waren Zuwendungen aller Art. Im Voraus versteht sich.

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Und wenn ein Maler, Fliesenleger oder eben Klempner tatsächlich in die Wohnung oder ins Haus gelockt war, musste man sich natürlich um ihn kümmern, ihn bei guter Laune halten und verpflegen. Immer gern genommen: Morgens frische Hackepeterbrötchen, garniert mit Gürkchen und Zwiebelringen, mittags etwas Warmes und zu späterer Tageszeit vielleicht ein kühles Helles. Das verband Bittsteller und Handwerker, sorgte für ein Verhältnis auf Augenhöhe. Und vielleicht durfte man dann beim nächsten Problem mal wieder anfragen.

Jetzt gibt es sogar Tipps für Laien

Nun, da ja seit Jahrzehnten der Markt die Dinge regelt, kommt ein solcher Handwerker-Mangel trotz aller Warnungen etwas überraschend. Vielleicht wollten doch zu viele junge Menschen Juristen, Immobilienmakler oder Philosophen werden. Nicht nur denen gibt beispielsweise die  Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zumindest Tipps zur Selbsthilfe. „Die nachträgliche Dämmung von Heizungsrohren, die schlecht oder gar ungedämmt sind, bringt schon einige Prozent Einsparung und kann mit etwas handwerklichem Geschick selbst gemacht werden“, so ein Energieexperte. Material hierfür gebe es in Baumärkten und ein Erklärvideo auf der Online-Seite der Verbraucherzentrale.

Ich vermute, Profi-Handwerker schmunzeln insgeheim darüber. Oder wie sagt der Meister, den ich gut kenne:„Tja, wir sind nun Goldstaub!“.

Nur noch Buchstaben erinnern an einen schon lange geschlossenen Laden eines Klempnermeisters in Brandenburg an der Havel.
Nur noch Buchstaben erinnern an einen schon lange geschlossenen Laden eines Klempnermeisters in Brandenburg an der Havel. imago

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com