Diese vor dem Schloss in Berlin-Friedrichsfelde fotografierten Weihnachtsmänner mit Engeln sind einsatzbereit zum Fest. Aber auch in ihrer traditionellen Branche herrscht inzwischen Fachkräftemangel. 
Diese vor dem Schloss in Berlin-Friedrichsfelde fotografierten Weihnachtsmänner mit Engeln sind einsatzbereit zum Fest. Aber auch in ihrer traditionellen Branche herrscht inzwischen Fachkräftemangel.  Imago/Eventfoto 54

Klempner, Pfleger, Kraftfahrer – nie waren sie so wertvoll wie heute. Diese Berufe stehen unter anderen auf der Top-Ten-Liste  Fachkräftemangel des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).  Fast jeder von uns liest und erlebt es immer wieder und hat sich an den Mangel allerorten schon fast gewöhnt. Selbermachen heißt in vielen Fällen die Devise. Doch nun ist etwas Unerhörtes passiert. Auch im altehrwürdigen Weihnachtsmanngewerbe heißt es inzwischen „Keine Leute, keine Leute!“. 

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Viele Weihnachtsmänner haben sich einen anderen Job gesucht

Es sind auch in dieser speziellen Branche keine Mitarbeiter mehr zu finden, wie professionelle Weihnachtsmannvermittlungen dieser Tage klagen. „Die Überzeugungstäter sind natürlich immer dabei, viele andere sind durch die Pandemie abgesprungen“, sagt Tobias Groß von der Weihnachtsvermittlung „Weihnachtsmann2Go“, so die Nachrichtenagentur dpa. Nach den Worten von Groß haben in den vergangenen Jahren viele Darsteller aufgehört und sich andere Jobs gesucht. Die Nachfrage nach Weihnachtsmännern sei in diesem Jahr aber wieder groß. 

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Auch Monika Kubau von der „Berliner Weihnachtsmannzentrale“ sucht händeringend nach neuen Bewerbern. „Bei uns sind alters- oder krankheitsbedingt viele Weihnachtsmänner weggefallen“, sagt sie. Müssen also immer mehr Familien bei der Bescherung ohne Weihnachtsmann auskommen? Müssen Kinder es gar nicht  mehr ernst nehmen, wenn die Eltern in der Adventszeit mahnen: "Wenn das der Weihnachtsmann erfährt!“.   

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Ganz klar ist mir nicht, wie es zu dieser Personal-Misere kommen konnte. Schließlich ist die starke Generation der Baby-Boomer, also die der zwischen 1955 und 1969 Geborenen, derzeit mit 50+ im besten Weihnachtsmann-Alter. Fehlen nur ein roter, mit weißem Pelzbesatz gesäumter Mantel, eine Kapuze und im besten Fall eine nostalgische Brille mit kleinen runden Gläsern. Und fertig ist der Santa Claus - zumindest optisch. In vielen Familien übernehmen Vater, Opa oder Nachbar den Part des Weihnachtsmannes, aber an Profis mangelt es eben.  

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Sind es möglicherweise die Kernkompetenzen eines Weihnachtsmannes, die inzwischen zur unüberwindbaren Hürde geworden sind. Aber ein halbwegs akzeptabler Weihnachtsmann muss doch nur Wunschzettel lesen, einen schweren Sack tragen und selbst das ein oder andere Weihnachtsgedicht vortragen oder ein Weihnachtslied singen können. 

Man braucht ein gewisses schauspielerisches Talent 

Nun gut, „O Tannenbaum“ mit allen Strophen, das könnte für den einen oder anderen schon kompliziert werden. Aber Textunsicherheiten lassen sich doch prima mit einem gewissen schauspielerischen Talent ausgleichen - und das braucht man doch inzwischen in jedem Beruf. Oder schreckt das immer unbeliebtere Arbeiten an Sonn- und Feiertagen den Nachwuchs ab?     

Sei es wie es sei - eine Lösung muss her. Wirtschaftsexperten meinen, um dem allgemeinen Fachkräftemangel zu begegnen, sollten mehr Frauen im Arbeitsmarkt bessere Chancen bekommen. Meine Schlussfolgerung, um Weihnachten zu retten: Da müssen eben am Heiligen Abend einfach mehr Weihnachtsfrauen die Bescherung übernehmen.        

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt zur Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com