Ein Mann auf dem Fahrrad grüßt freundlich.
Ein Mann auf dem Fahrrad grüßt freundlich. Imago/Uwe Umstätter

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

verkrampft sich Ihnen auch manchmal das Herz, wenn Sie denken, „Hallo“ oder „danke“ hättest Du jetzt sagen können ...!

Es fällt mir an diesem Tag zum ersten Mal am Morgen im Hausflur auf, als Nachbars großer Sohn Finn wortlos an mir vorbeirennt. Na gut, der ist spät dran, denke ich und schmettere ihm ein „Einen guten Tag für dich“ hinterher.

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Später in der Redaktion geht eine Praktikantin an mir vorbei als sei ich gar nicht vorhanden. Beim Einkauf am Abend im Supermarkt schiebt mir ein älterer Herr seinen Korb über die Füße, ein „Entschuldigung“ höre ich nicht und an der Kasse fällt mir auf, dass „Bitte“ und „Danke“ gute Chancen haben, auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Wörter zu landen.

„Zauberwörter“ nannten wir sie, als die Kinder das Laufen und Sprechen lernten in der Hoffnung, dass sie von Beginn an hilfsbereit sind und später respektvolle Erwachsene werden.

Ein freundliches Wort zaubert immer ein Lächeln ins Gesicht

Sind gute Umgangsformen noch modern? Ich sage ein lautes Ja, aber schon fallen mir Debatten ein, dass Frauen es ablehnen, wenn Männer ihnen die Tür aufhalten, in den Mantel helfen oder den Stuhl rücken. Ich bekenne, dass ich diese kleinen Gesten genieße und Männer schätze, die genau das praktizieren. Bin ich vielleicht hoffnungslos altmodisch? Kann sein. Doch ich setze ein großes Aber dahinter, denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass leicht zu beherrschende Benimm-Regeln den Alltag erleichtern.

Ein freundliches „Guten Morgen“ zaubert ein Lächeln aufs Gesicht, ein „Entschuldigung, tut mir leid“ nimmt selbst einem Fauxpas die Lieblosigkeit. Eine dankbare Geste gegenüber dem Autofahrer, der just in diesem Moment mehr aufgepasst hat als ich, signalisiert Dankbarkeit. Ein freundliches Gespräch bricht schnell das Eis zwischen Menschen und hat die Chance, in die Tiefe zu gehen.

Höflichkeit ist doch ein guter Stil

Warum tun wir uns nur so schwer? Weil „Etikette“ und „gute Manieren“ antiquiert klingen? Da naht Hilfe: Sagen wir doch „Stil“ (von mir aus auch Style) und Umgangsformen dazu. Natürlich ändern sich einzelne Regeln, aber die Norm, wertschätzend und höflich miteinander umzugehen, bleibt allzeit modern – hoffe ich.

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Übrigens gibt es sogar Kurse und natürlich jede Menge Ratgeber-Bücher, die allen helfen, die auf diesem Gebiet ein Manko spüren. Und mancher hat begriffen, dass gute Manieren durchaus hilfreich bei der Karriere sind, oder eben auch bremsen, wenn man sie nicht beherrscht.

Ich finde, wertschätzende Umgangsformen gehören in jeden Tag unseres Lebens, denn sie haben viel mit Achtung und Aufmerksamkeit zu tun. Ein guter Anfang ist schon mal, dem Nachbarn oder Kollegen freundlich einen „Guten Morgen“ zu wünschen. Und dann geht da noch mehr.

Ihre Sabine Stickforth

KURIER-Autorin Sabine Stickforth schreibt jeden Dienstag über das Leben über 50 in Berlin.
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