Jan Hofer im Studio der Show RTL Direkt. Foto: TVNOW / Jörg Carstensen

Seit ich mich erinnern kann, war Jan Hofer bei der „Tagesschau“. Als ich im Frühjahr 1989 geboren wurde, war der Nachrichtensprecher bereits seit vier Jahren bei der ARD-Sendung. Im vergangenen Jahr – mit nunmehr 70 Jahren – hörte er auf und nahm in seiner letzten Sendung symbolisch die Krawatte ab. Seit Montagabend um 22.15 Uhr ist er nun ganz offiziell bei RTL. Ohne das Spießer-Accessoire um den Hals begrüßte er die Zuschauer bei der brandneuen Show „RTL Direkt“ – und wirkte dabei irgendwie fehl am Platze.

Jan Hofer fremdelt mit „RTL Direkt“

Ich habe mich die gesamte 20-minütige Sendung gefragt, ob es an mir und meinem gewohnten Bild, das ich von Jan Hofer habe, liegt, das ein negativer Eindruck überwiegt. Jan Hofer stand plötzlich vor einem Tisch und nicht dahinter. Die Kameraeinstellung war zu beginn die sogenannte „Amerikanische“: Hofer wurde vom Knie aufwärts und immer wieder im Profil gezeigt, was ihm weder schmeichelte, noch so recht zu behagen schien.

Dem sonst so souveränen Jan Hofer fehlte ganz offenbar sein Tisch, an dem er sich festhalten konnte – und ein Teleprompter. Denn bei „RTL Direkt“ ist der 71-Jährige nicht als Nachrichtensprecher, sondern als Moderator gefragt. Je länger das Gespräch mit der Grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ging, umso mehr bekam man den Eindruck, dass Jan Hofer kein Dialogmensch ist.

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Der Anchorman, der RTL zu einer neuen Seriosität verhelfen sollte, wirkte im Gespräch mit Baerbock ähnlich unbeholfen und tapsig wie auf dem „Let’s Dance“-Parkett. Nur die Lockerheit, die er dort an den Tag legte und die ihm so viele Sympathien einbrachte, war nicht mehr da. Er wirkte angespannt, wackelte auf seinem Drehstuhl hin und her und vergas sogar den Namen der Grünen Kanzlerkandidatin.

Und doch frage ich mich, ob diese Kritik zu gemein ist. Schließlich muss auch ein 71 Jahre alter Jan Hofer noch die Möglichkeit haben, etwas neues auszuprobieren, wenn er es denn will und er die Möglichkeit dazu hat. Doch mit „RTL Direkt“ scheint er sich keinen Gefallen getan zu haben und das liegt auch an der Konzeption der Sendung.

In Jan Hofers erster „RTL Direkt“-Sendung war die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zu Gast. dpa/Markus Nass

Die Nachrichtenshow, die laut Redaktionsleiter Lothar Keller „wie keine andere“ sein soll, passt nicht nur kein bisschen zu Hofer, sie wirkt auch unruhig und schlecht aufgebaut. Immer wieder wurde das Interview mit Annalena Baerbock für Beiträge unterbrochen. Das wirkte zusammengeschustert.

„RTL Direkt“ kommt mit merkwürdigen Rubriken daher

Willkürlich wirkten auch zwei Rubriken am Ende der Sendung. Die Redaktion suchte vier Zuschauer aus, die Baerbock per Videobotschaft eine Frage stellen durften. Einen wählte Hofer aus, einen Baerbock, die anderen beiden Fragen wurden nie gestellt. Und dann kam auch noch Abdelkarim: Zwei der 20 Minuten von „RTL Direkt“ gehörten dem Bielefelder Comedian, der ein paar seichte Witze zum Wahlkampf vortrug – und dabei noch ein bisschen weniger ins Setting passte als Jan Hofer.

Der wurde kurz danach erlöst. Und immerhin die Überleitung zum Wetter klappte wie in alten „Tagesschau“-Zeiten – und ich wurde fast ein bisschen nostalgisch. Das allein wird Hofer und „RTL Direkt“ aber wohl kaum retten. Wenn der Anchorman weiter Probleme damit hat, sich auf die neue Rolle einzulassen, könnte das Format für Hofer und RTL zu einem echten Flop werden.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens. Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.