Zwei Welpenhändler aus Köln versteckten die Hunde sogar in ihrem Kühlschrank. dpa

Für alles und jeden gibt es einen Ehrentag. Es gibt den Welttag des Schlafes, den Tag des Baguettes, sogar den „Wir-essen-Brokkoli-Tag“. Aber: Wissen Sie, welcher Tag heute begangen wird? Es ist der Tag des Hundewelpen! Ein Tag, an dem Herrchen und Frauchen ihrem Hundebaby eine Extra-Streicheleinheit spendieren, vielleicht auch ein besonders köstliches Leckerli. Ein Tag, an dem sich Hundebesitzer über ihre süßen Welpen freuen können. Ein Tag zum Feiern.

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Es wäre schön, wenn es so wäre, doch der Tag des Hundewelpen sollte auch ein Tag des Erinnerns sein. Und zwar an jene Welpen, die täglich leiden müssen. Weil sie in Zuchtfabriken in Ostblockländern das Licht der Welt erblicken, weil sie unter unwürdigen Bedingungen aufwachsen, weil sie viel zu früh von ihren Müttern getrennt werden – und am Ende geht es dann, eingepfercht in Transportern, quer durch Europa. Damit sich hierzulande alle, die einen Welpen wollen, auch schnell über einen Welpen freuen können.

Illegaler Welpenhandel: Warum müssen Tiere zur Ramsch-Ware werden?

Dass es noch immer passiert, dass die Tiere zur Ramsch-Ware werden, verkauft aus Kofferräumen, Handtaschen und Einkaufstüten, auf Parkplätzen und an Bahnhöfen – es macht den Tag des Hundewelpen auch zu einem Tag der Schande. Ich habe schon oft über Welpenhandel geschrieben. Und wissen Sie was? Es nervt, dass ich es immer wieder tun muss.

Die Internet-Suchmaschine Google hat eine Funktion, die sich „Google Alerts“ nennt. Mithilfe des Werkzeugs kann man sich per E-Mail Zusammenfassungen zu bestimmten Suchbegriffen schicken lassen. Nehmen wir an, ich bin Fan von „Rammstein“. Ich richte mir einen sogenannten Alert (übersetzt: Alarm) zum Begriff „Rammstein“ ein. Sobald etwa im deutschsprachigen Internet Neuigkeiten zu diesem Begriff auftauchen, bekomme ich diese ins elektronische Postfach. Ich habe einen solchen „Alert“ für den Begriff „Welpenhandel“ eingerichtet.

Die Welpen aus dem illegalen Handel wachsen oft unter unwürdigen Bedingungen auf. Foto: zVg

Die E-Mails kommen beinahe jeden Tag. „Polizei entdeckt illegalen Welpenhandel“ – „Verdacht des illegalen Welpenhandels“ – „der illegale Welpenhandel gewinnt immer mehr an Boden“. Wieder fischt die Polizei hier 20 Hundewelpen aus einem Transporter, hält dort einen Händler an einem Bahnhof fest. Immer wieder. Und hinter jeder dieser Meldungen steht für mich die große Frage: Wer sind die Käufer? Warum gehen Sie diesen Weg? Die Nachfrage bestimmt das Angebot, das habe ich schon im Wirtschafts-Unterricht in der Schule gelernt. Ohne Abnehmer keine Händler.

Illegaler Welpenhandel: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ konnte im Jahr 2020 insgesamt 771 beschlagnahmte Tiere aus illegalem Handel, illegalen Zuchten oder illegalen Transporten zählen, heißt es in einer Mitteilung. Im Jahr 2021 waren es sogar 1.839 illegal gehandelte Hunde. Dem entgegen stehen 80.000 Welpen, die laut Schätzungen der Tierschützer bei Züchtern zur Welt kommen, also: legal und tierfreundlich. Ich frage mich: Reicht das nicht? Müssen noch Tiere leiden, um das Kuschel-Bedürfnis der Deutschen zu befriedigen?

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„Der illegale Welpenhandel verursacht millionenfaches Leid“, sagt auch Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“. „Während der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Hundewelpen erneut stark zugenommen.“ Die massiv traumatisierten Hunde würden auf Verkaufs-Plattformen im Internet angeboten. „Die erste Freude über das tierische Familienmitglied wird schnell getrübt, wenn sich herausstellt, dass der Welpe schwerkrank ist oder Todesängste aussteht, wenn er von Menschen gestreichelt wird.“

Zum Glück gibt es aber zwischen all den Schreckens-Meldungen auf Gutes in meinem Welpenhandel-Postfach. Etwa aus München. Hier verurteilte ein Gericht zwei skrupellose Welpenhändler zu Bewährungs- und Geldstrafen. Petra S. und Richard S., die immer wieder mit Welpen dealten, bekamen ein Jahr und drei Monate.

Wegen Betrugs wurde außerdem ein Ehepaar (32 und 34 Jahre) in Köln zu je 1000 Euro Geldstrafe verurteilt. Sie verkauften kranke Malteser-Welpen, versteckten diese sogar im Kühlschrank. Dass die Strafen, die diese Hunde-Dealer bekamen, wirklich in einem gesunden Verhältnis zum Leid der Tiere stehen, wage ich zu bezweifeln. Aber sie sind zumindest ein Anfang.

KURIER-Autor Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com