Horst Krause als Horst Krause mit Andreas Schmidt (Schlunzke), Carmen-Maja Antoni (Elsa Krause), Angelika Böttiger (Meta Krause) und Fritzi Haberlandt (Dr. Jessen) bei einem Fototermin zum Film "Krauses Kur" im Jahr 2009.
Horst Krause als Horst Krause mit Andreas Schmidt (Schlunzke), Carmen-Maja Antoni (Elsa Krause), Angelika Böttiger (Meta Krause) und Fritzi Haberlandt (Dr. Jessen) bei einem Fototermin zum Film "Krauses Kur" im Jahr 2009. imago/eventfoto54

Leben ist bekanntlich Veränderung und doch erwische ich mich manchmal bei dem Gedanken, alles soll so bleiben wie es ist. Manchmal meine ich damit etwas Großes, aber viel öfter etwas ganz Schlichtes. Unlängst dachte ich wieder so konservativ, als ich den letzten Film aus der „Horst Krause“-Reihe in der ARD sah. Was habe ich die Streifen um den Polizisten Horst Krause, der auch im wahren Leben Horst Krause heißt, gemocht.

Sie wurden zumeist im Dezember gesendet, wenn die Tage ein bisschen unwirklich sind und mehr Zeit für Muße und ein bisschen Gemütsfernsehen ist. Und nun nach neun Filmen: Aus, Schluss, vorbei mit den Geschichten aus dem fiktiven brandenburgischen Schönhorst. „Krauses Weihnacht“ beschließt den Reigen.  Nochmal zu sehen im RBB am 24. Dezember um 20.15 Uhr.   

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Der Schauspieler Horst Krause, gerade 81 Jahre alt geworden, gab von 1999 bis 2016 den Polizeihauptmeister Horst Krause in der "Polizeiruf 110"-Reihe. Vier Kommissarinnen assistierte er in dieser Zeit. Unnachgiebig, gewitzt, manchmal unkonventionell. Immer unterwegs mit einem Uralt-Motorrad mit Beiwagen. Dann wurde Horst Krause 2007 selbst zum Hauptdarsteller - der Drehbuchautor und Regisseur Bernd Böhlich erdachte für ihn die Reihe mit dem Dorfpolizisten, der sich um alles und jeden sorgt. 

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Horst Krause mit Carmen-Maja Antoni und Angelika Böttiger

An die Seite gestellt wurden Krause seine Schwestern Elsa und Meta Krause - prominent besetzt mit Carmen-Maja Antoni und Angelika Böttiger. Und dann war da noch Krauses einzigartiger Freund Schlunzke - treffender kann wohl einer nicht heißen, dem in der brandenburgischen Provinz so gut wie alles schiefgeht. Und der dennoch sein Selbstbewusstsein bewahrt. Für diese Rolle hätte man keinen besseren als Andreas Schmidt finden können. Leider starb Andreas Schmidt bereits 2017 im Alter von nur 53 Jahren. Schlunzke ging mit ihm, Krause blieb ohne seinen Freund zurück.     

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Jede Menge Probleme hatte Krause in den Filmen am Hals, aber kurz vor Schluss der Episoden war meist so gut wie alles geregelt. Ende gut, alles gut, bis zum nächsten Film blieben nur die Nickeligkeiten mit den etwas widerborstigen Schwestern. Und nicht nur deshalb, weil sie ihn manchmal „Hottie“ nannten. 

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Außerdem bediente die Reihe Träume vom Landleben - mit Kopfsteinpflaster auf dem Hof, Pferden im Stall und einem Gasthof, der lange wie aus der Zeit gefallen wirkte. Dass irgendwann vegetarisch gekocht wurde, missfiel Krause und wahrscheinlich auch manchem Zuschauer. Als Nebenschauplatz nicht zu vergessen ein verlottertes Schloss. Zu dessen Sanierung brauchte es nur etwas Tatendrang sowie Geschick mit Säge, Schleifpapier und Pinsel - fertig war die Mehr-Generationen-Butze mit Adels-Dekor. Wer hat sich sowas bei der Fahrt übers Brandenburger Land nicht schon mal ausgemalt. 

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Horst Krause als Polizeihauptmeister Horst Krause in dem Film „Käfer und Prinzessin“ aus der ARD-Reihe „Polizeiruf 110“.&nbsp;
Horst Krause als Polizeihauptmeister Horst Krause in dem Film „Käfer und Prinzessin“ aus der ARD-Reihe „Polizeiruf 110“.  imago stock&people

Zudem gab es immer wieder Seitenhiebe auf die Leute im nahen Berlin. Etwa als Schauspieler Roman Knizka den überheblichen Hauptstadt-Mediziner auf dem Hof des Landgasthofes gab, wo die Dorfärztin für ihre hochnäsigen Ex-Kommilitonen ein Ehemaligen-Treffen ausrichten wollte.  

Szenenfoto aus dem letzten Film der Horst-Krause-Reihe: „Krauses Weihnacht“.&nbsp; Er lief schon in der ARD,&nbsp; im RBB ist er am 24. Dezember zu sehen (20.15 Uhr).&nbsp;
Szenenfoto aus dem letzten Film der Horst-Krause-Reihe: „Krauses Weihnacht“.  Er lief schon in der ARD,  im RBB ist er am 24. Dezember zu sehen (20.15 Uhr).  Foto: rbb/Arnim Thomaß 

Und warum ist nun Schluss mit der heimeligen Dorf-Saga um den inzwischen pensionierten  Polizisten, der nicht anders kann, als sich zu kümmern? Ich fragte nach beim RBB. „Die Reihe endet, weil wir in den insgesamt neun 'Krause'-Filmen schon viele große und kleine Fragen des Alltags und des Lebens in unserer Region erzählen konnten, sodass mit 'Krauses Weihnacht' für uns die Geschichte im besten Sinne komplettiert ist“, sagte mir eine Sender-Sprecherin.

Und als ich mich besorgt erkundigte, ob der Hauptdarsteller denn darüber traurig sei, schickte sie mir noch einen Satz von Krause selbst: „Dank Bernd Böhlich durfte ich Horst Krause sein. Weder mit einem lachenden noch mit einem weinenden Auge verabschiede ich mich von dieser mir ans Herz gewachsenen Figur. Es war eine wunderbare kollektive Arbeit. Das ganze Team großartig und unvergesslich.“

Nun gut, da bleibt mir nur noch zu sagen: „Es war mir ein großes Vergnügen, Hottie“. 

Claudia Pietsch schreibt montags im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
Kontakt zur Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com