Immer wieder lassen Hundebesitzer ihre Tiere im Sommer im Auto – und das kann für den Vierbeiner schnell zur Todes-Falle werden. Foto: imago/Rolf KRemming

Stellen Sie sich vor, Sie verbringen einen Sommertag mit Freunden oder der Familie. Mit dem Auto fahren Sie in die Stadt, Sie stellen den Wagen ab, machen einen Spaziergang im Park oder essen ein Eis. Die Sonne scheint, die Welt ist schön. Eine, vielleicht zwei Stunden später gehen Sie zurück zum Auto – und weil es die ganze Zeit in der Sonne stand, hängt die Luft wie eine dicke, klebrige Masse im Wagen. Stellen Sie es sich vor: Fühlen Sie sie, die heiße Luft, die Ihnen beim Öffnen der Tür gnadenlos entgegenschlägt?

Alle KURIER-Kolumnen finden Sie auf unserer Kolumnen-Seite! >>

Jeder kennt dieses Gefühl, einfach jeder. Und trotzdem passiert es immer wieder, jedes Jahr: Tiere sterben, weil sie in der brutalsten Sommer-Hitze im Auto zurückgelassen werden. Von Herrchen oder Frauchen, den Menschen, die eigentlich auf sie aufpassen sollten. Ich verstehe es nicht! Da werden jedes Jahr die immer gleichen Warnungen gestreut, Hinweise gegeben. Und doch scheint es noch immer Hundehalter zu geben, in deren Gehirn scheinbar ein entscheidendes Teilchen fehlt. Und die mich unfassbar wütend machen.

Horror-Hitze: In den kommenden Tagen drohen bis zu 33 Grad

Laut Wetter-Experten droht uns die nächsten Tage eine kurze, aber knackige Spätsommer-Hitzewelle. Das Wetter-Portal wetter.net führt für Berlin am Freitag und Sonntag 30 Grad, am kommenden Dienstag sogar 33 Grad auf. Laut Meteorologe Dominik Jung werden wir also mächtig ins Schwitzen kommen.

Ich fürchte, das bedeutet auch: Es wird tote Hunde geben. Denn einige blöde oder ignorante Tierhalter werden wieder jegliche Warnungen in den Wind schlagen und ihre Hunde im Auto zurücklassen. Schließlich wollen sie nur „kurz etwas einkaufen“ und das Fenster ist einen Spalt offen. Kann doch nicht so schlimm sein, oder? 

Auch Hunde brauchen im Sommer etwas Abkühlung. Foto: imago/Eibner Europa

Zunächst zum Auto. Im Internet gibt es Rechner, die veranschaulichen, wie schnell die Temperaturen in einem geschlossenen Wagen steigen können. Gehen wir davon aus, dass im Auto und außen 20 Grad herrschen. Und dass der Wagen, weil es leider oft nicht anders lösbar ist, in der Sonne steht. 15 Minuten später ist die Temperatur im Inneren bereits auf 29 Grad gestiegen. Nach 30 Minuten herrschen im Innenraum 36, nach einer Stunde satte 46 Grad - noch einmal: bei 20 Grad Außentemperatur!

Bei 31 Grad erhitzt sich ein Auto in der Sonne auf 60 Grad Celsius

In Berlin wird es am Freitag 31 Grad warm – in der Sonne wird sich ein Fahrzeug dann innerhalb einer Stunde auf knapp 60 Grad erhitzen. Ich finde das schockierend. Mag sein, dass viele diese wirklich brutalen Zahlen unterschätzen. Aber: Wird nicht immer wieder genug darauf hingewiesen?

Nun zum Hund. Die Tiere haben ein Problem, das Hitze schnell gefährlich werden lässt. Normalerweise senkt das Schwitzen die Körpertemperatur. Aber: Hunde und Katzen habe ihre Schweißdrüsen nur an den Pfoten. „Sie kühlen sich beim Hecheln über die Zunge ab“, sagt Annette Rost, Sprecherin des Berliner Tierheims. Und wie soll das gehen, wenn sie in 50 Grad heißer Luft sitzen? Schon bei niedrigeren Temperaturen kann der Kreislauf eines Hundes kollabieren. Es droht ein Hitzschlag und der Tod. 

Offen gesagt: Mir ist es zum Glück noch nie passiert, dass ich an einem heißen Sommertag einen Hund in einem geschlossenen Auto sitzen sah. Ich weiß nicht, ob ich in so einem Moment klar denken könnte – vermutlich würde ich, ohne zu überlegen, den nächsten Stein verwenden, um damit die Scheibe einzuschlagen. Aber: Es gibt auch Autos mit Standklimaanlage. Wer dann zu schnell eingreift, muss womöglich für den Schaden aufkommen. Was dann?

Darf man beim Auto die Scheibe einschlagen, um einen Hund zu retten?

Zuerst gilt: Ruhe bewahren! Laut Rechts-Experten sollte zunächst geprüft werden, ob der Besitzer des Wagens in der Nähe ist. Ist er nicht auffindbar, sollte die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert werden. Zählt allerdings jede Minute, könne jeder selbst eingreifen. Wenn der Hund stark hechelt, abwesend oder unruhig wirkt, zittert oder sich erbricht, können das Anzeichen für einen Hitzschlag sein. Wichtig: „Halten Sie Ihr Handeln in Bildern fest oder suchen Sie sich vor dem Einschlagen der Scheibe einen Zeugen“, heißt es bei der ARAG.

Lesen Sie dazu auch: Gute Nacht, Tierpark: So schräg schlafen Giraffen, Robben und Flamingos! >>

Und dann: Hund mit Wasser versorgen, Körper kühlen. Aber: Auf keinen Fall mit einem nassen Handtuch abdecken, das kann erst recht zum Hitze-Stau führen! Übrigens: Jeder, der „einem Wirbeltier, das er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt“, macht sich laut Tierschutzgesetz strafbar. Es drohen Geldbußen und sogar Haftstrafen – und das ist vollkommen richtig. Und nötig, bis es auch der letzte Vollidiot begriffen hat.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiergeschichten aus Berlin und Umgebung.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com